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Block mit wichtigen Impfungen

Keuchhusten: Verschiebung zu älteren Personen

Keuchhusten war lange Zeit rückläufig. Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Infektionen – insbesondere bei Erwachsenen – zu. Die Krankheit ist sehr ansteckend und kann zu schweren Komplikationen führen. Noch nicht geimpfte Säuglinge sind dabei besonders gefährdet. 

Keuchhusten (Pertussis = lat. starker Husten) wird durch Bakterien – vor allem sogenannte Bordetella pertussis – verursacht. Sie werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, etwa beim Niesen, Husten oder Sprechen. Die Bakterien produzieren ein Gift – das Pertussis-Toxin führt in der Folge zu einer lokalen Zerstörung der Schleimhaut der oberen Atemwege. 

Heftige Hustenanfälle

Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit, beträgt meist sieben bis zehn Tage. „Pertussis ist langwierig. Die Erkrankung dauert meist über mehrere Wochen bis Monate an“, so Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Sperl, Vorstand der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Der Häufigkeitsgipfel ist dabei im Spätsommer und Winter. Bei einer typischen Erstinfektion verläuft Keuchhusten bei nicht geimpften Personen in drei Stadien.

Im ersten, dem Stadium catarrhale, zeigen sich grippeähnliche Beschwerden wie Schwäche, mäßiges Fieber, Schnupfen und leichter Husten.

Erst nach ein bis zwei Wochen bildet sich im Stadium convulsivum der für die Krankheit typische Husten: „Es kommt zum sogenannten Stakkatohusten. Darunter versteht man anfallsweise auftretende Hustenstöße. Diese können mit einem Stöhnen und Keuchen beim Einatmen verbunden sein“, weiß Dr. Sperl. Bei den Hustenattacken wird häufig auch ein zäher Schleim ausgeworfen. Einige Erkrankte erbrechen sogar. Kennzeichnend ist zudem, dass der Husten besonders in der Nacht oder nach körperlicher Anstrengung auftritt. Das zweite Stadium der Erkrankung dauert meist vier bis sechs Wochen an.

Nach einer Infektion kann es dann mehrere Wochen oder sogar Monate dauern, bis der Keuchhusten völlig ausgeheilt ist. Man spricht vom Stadium decrementi. Dabei sind Erkrankte lange ansteckend: „Betroffene sind bereits am Ende der Inkubationszeit ansteckend. Besondere Ansteckungsgefahr besteht jedoch während der ersten beiden Wochen des Keuchhustens“, erklärt der Mediziner. 

Atemstillstände bei Säuglingen

Mögliche Komplikationen von Keuchhusten sind Lungen-, Mittelohr- und seltener auch Gehirnentzündungen. Besonders davon betroffen sind Säuglinge und Kleinkinder. Bei ihnen fehlen oft jedoch typische Krankheitsanzeichen. „Säuglinge haben das höchste Risiko für schwerwiegende Komplikationen, wobei nicht selten Atemstillstände bis hin zu Krampfanfällen im Vordergrund stehen. In zirka einem bis zwei Prozent der Fälle führen die Komplikationen bei Säuglingen zum Tod“, so Sperl. Bei Keuchhusten handelt es sich zwar eigentlich um eine Kinderkrankheit, Erwachsene können sich jedoch ebenfalls anstecken. „Es ist sogar zu einer Verschiebung der Krankheit zu älteren Personengruppen gekommen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen zeigt sich Keuchhusten oftmals als lang andauernder Husten ohne die typischen Hustenattacken. Diese Personengruppe ist allerdings häufig Überträger der Krankheit auf ungeimpfte Säuglinge“, weiß der Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde aus Erfahrung. 

Frühzeitige antibiotische Therapie wichtig

Wie behandelt man nun aber Keuchhusten? Dr. Sperl dazu: „Eine antibiotische Therapie hat meist keinen großen Einfluss auf die Dauer und Heftigkeit der Hustenanfälle. Der Grund dafür ist, dass sie häufig zu spät verabreicht wird. Da das Pertussis-Toxin die Krankheit auslöst, werden bei der antibiotischen Behandlung die Bakterien abgetötet und damit die Infektiosität durchbrochen. Die Erkrankung läuft aber unabhängig davon durch das ausgeschüttete Toxin ab.“ Wichtig ist auch, dass sich Betroffene schonen und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Säuglinge müssen aufgrund der Gefahr für Atemstillstände häufig stationär in einem Krankenhaus behandelt und überwacht werden. 

Impfung regelmäßig auffrischen

Gegen Keuchhusten gibt es eine Impfung, die im kostenlosen österreichischen Impfplan enthalten ist. „Normalerweise kommt in Ländern mit hohen Impfungsraten der Keuchhusten nur mehr gelegentlich vor. Bei uns ist die Keuchhustenimpfung leider im Rückmarsch und es gibt die Verschiebung zu älteren Personengruppen“, hält der Mediziner erneut fest. Erwachsene sollten daher ihren Impfschutz überprüfen und gegebenenfalls auffrischen lassen. Denn: „Bei Keuchhusten ist die Immunität gegen die Erreger begrenzt. Das heißt, dass man sich selbst nach durchgemachter Erkrankung oder nach einer vollständigen Immunisierung neu infizieren kann. Ich rate daher dringend, die Immunität gegen Keuchhusten in Form von regelmäßigen Auffrischungsimpfungen aufrechtzuerhalten. So kann man auch Personen, die nicht geimpft werden können, wie etwa Neugeborene, indirekt schützen“, so Dr. Sperl. Immerhin wurden 2015 in Österreich 569 Pertussisfälle gemeldet. Erwachsene sollten sich daher nach erfolgter Grundimmunisierung im Säuglingsalter und einer Auffrischung im Schulalter alle zehn Jahre gegen Keuchhusten impfen lassen.

 

MMag. Birgit Koxeder-Hessenberger

April 2016


Foto: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020