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Operation

Zweites österreichisches „Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie“ in Schärding

Der Bruch der Bauchwand zählt zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Bei Brüchen handelt es sich um eine Vorwölbung des Bauchfells durch eine angeborene oder später entstandene Lücke der Bauchwand. Diese Komplikation tritt bei vier Prozent der Menschen auf. Die Abteilung für Chirurgie des LKH Schärding erhielt nun als zweites Spital Österreichs das Qualitätssiegel „Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie“. 

Mit der Zertifizierung wird die langjährige fachliche Expertise des Hauses bei der Durchführung von Bruchoperationen durch internationale Experten anerkannt und bestätigt. Für die Patienten bedeutet das die Sicherheit, dass hier die modernste Hernien-Chirurgie in kontrollierter Qualität angeboten wird. 

Zertifikat bestätigt Qualität in der Region 

„Das Zertifikat ist eine Bestätigung für die herausragende Qualität der chirurgischen Abteilung des LKH Schärdingunter der Leitung von Primarius Dr. Christoph Kopf“, erklärt Mag. Karl Lehner, Vorstandssprecher der gespag (OÖ. Gesundheits- und Spitals-AG). „Es freut uns und macht uns stolz, dass unser Standort im Innviertel als zweites Haus in Österreich diese Auszeichnung erhielt. In diesem Fachbereich kann sich Schärding durchaus mit großen Kliniken im deutschsprachigen Raum messen.“ 

Patientensicherheit im Fokus eines Kompetenzzentrums 

Der Bruch der Bauchwand zählt zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen. Im LKH Schärding werden jährlich knapp 300 Bruch-Operationen durchgeführt. „Primarius Kopf und sein Team haben im Bereich der Hernien-Chirurgie sehr viel Erfahrung und Spezialisierung mitgebracht, um den zweistufigen Zertifizierungsprozess erfolgreich zu realisieren“, hält Prim. Dr. Thomas Meindl, Interimistischer Ärztlicher Direktor des LKH Schärding, fest. Zwei Jahre dauerte es bis zum „Kompetenzzentrum“. Der Prozess ist jedoch nicht abgeschlossen, denn der „Titel“ wird nur für drei Jahre (bis 2019) vergeben. Für die Re-Zertifizierung braucht es verlässliche Daten zur Prozess- und Ergebnisqualität, die dann vorgelegt werden müssen. 

„In nur wenigen chirurgischen Abteilungen werden alle Techniken der Hernien-Chirurgie beherrscht, um aus der Vielzahl an Behandlungsmethoden die optimalste für die Patienten auszuwählen“, sagt Prim. Dr. Christoph Kopf, Leiter der Abteilung Chirurgie am LKH Schärding. „Daher ist ein spezialisiertes Zentrum auf diesem Gebiet sicher eine Bereicherung.“ 

Um das Qualitätsniveau in der Hernien-Chirurgie zu erfassen und zu dokumentieren, nimmt das LKH Schärding zudem an der Qualitätssicherungsstudie Herniamed der Deutschen Gesellschaft für Hernien-Chirurgie teil. Dabei erfolgt eine Analyse des Behandlungserfolges gemäß der Art und Größe des Bruches, der Risikofaktoren durch eventuelle Begleiterkrankungen sowie der Art der durchgeführten Operation. Erfolgskriterien sind Wundheilung, Schmerzfreiheit, kurze Verweildauer im Krankenhaus sowie die Rückfall-Freiheit. „Um dies beurteilen zu können, werden bei all jenen Patienten, die sich freiwillig dazu entschieden haben, an dieser Qualitätsstudie teilzunehmen, Nachkontrollen durchgeführt – nach einem, nach fünf bzw. nach zehn Jahren“, betont der Experte. 

Bruch kann zu lebensbedrohlichen Situation führen 

Der Leistenbruch ist mit etwa 80 Prozent die häufigste Bauchwand-Hernie. Weltweit werden jährlich rund 20 Millionen Leistenhernien operiert. Bei Brüchen handelt es sich um eine Vorwölbung des Bauchfells durch eine angeborene oder später entstandene Lücke der Bauchwand. Meist ist die Vorwölbung weich und kann im Liegen gut in den Bauchraum zurückgedrückt werden. Treten allerdings Schmerzen auf und der Bruch lässt sich nicht mehr wegdrücken, sollte dringend das Krankenhaus aufgesucht werden. „Grundsätzlich sollte jeder Bruch operiert werden, da dieser nicht von selbst heilt und sich mit der Zeit vergrößert. Außerdem können sich Darmanteile einklemmen und so zu einer lebensbedrohlichen Situation führen“, empfiehlt Kopf. Diese Komplikation tritt bei vier Prozent der Betroffenen auf. Heutzutage stehen zahlreiche operative Methoden und Materialien für die Behandlung von Hernien zur Verfügung: Über offene Schnitttechniken mit direkter Naht und/oder zusätzlicher Netzverstärkung bis hin zu den verschiedensten laparoskopischen Methoden bietet das LKH Schärding das gesamte Spektrum der derzeit gängigen Operationsverfahren an. Am LKH Schärding werden Patienten ab dem dritten Lebensjahr mit Bauchwandbrüchen behandelt. Kopf: „Bruchoperationen werden vom Schwierigkeitsgrad oft unterschätzt. Keine OP-Methode ist für jeden Betroffenen gleich gut geeignet, sodass für jeden einzelnen ein maßgeschneidertes Versorgungskonzept erstellt werden muss.“ 

Erste Anlaufstelle: Hernien-Ambulanz 

Die geeignete Methode zur Behandlung von Bauchwandbrüchen ist nur durch eine vorherige Untersuchung und Abklärung feststellbar. In diesem Zusammenhang bietet das LKH Schärding jeden Montag von 8:30 bis 10:30 Uhr eine spezielle Hernien-Ambulanz an. 

Informationen und Termine können unter der Telefonnummer 05 055478-33330 vereinbart werden.

 

Mag. Christian Boukal / gespag

Mai 2016

 

FOTO: gespag

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020