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Weißhaariger Mann trainiert mit Hantel

Herzinsuffizienz: Körperliche Aktivität wirkt lebensverlängernd

Bisherige Studien zum Thema Herzinsuffizienz und körperliche Aktivität kamen oft zu widersprüchlichen Ergebnissen. Eine neue, beim europäischen Heart Failure Kongress der European Society of Cardiology vom 29. April bis 2. Mai 2016 in Florenz vorgestellte, Metaanalyse zeigt nun: Wer sich bewegt, lebt länger und besser, berichtet die deutsche Ausgabe der Medizinplattform medscape.com.

„Patienten mit Herzinsuffizienz sollten keine Angst haben, körperlich aktiv zu werden, weil es ihnen schaden oder sie umbringen könnte“, betonte Prof. Dr. Rod Taylor, Leiter der Abteilung Klinische Studien der britischen University of Exeter Medical School. Sein Team hatte bereits vor zwei Jahren eine Analyse der Cochrane-Library zum selben Thema vorgelegt. Damals konnten aber noch keine eindeutigen Ergebnisse in Sachen Mortalität geliefert werden. Allerdings wurde schon klar, dass regelmäßige körperliche Aktivität Krankenhaus-Einweisungen vorbeugt und das Wohlbefinden der Patienten steigert. 

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Patientendaten aus 20 Studien ausgewertet 

Mit der Studie ExTraMATCH II (Exercise Training Meta-Analysis of Trials in Chronic Heart Failure) haben die Forscher nun nachgelegt. Für die Analyse fassten sie individuelle Patientendaten aus 20 Studien, die sie von den Studienautoren erhalten hatten, in einer Metaanalyse zusammen. Eine Metaanalyse gilt als statistisch aussagekräftiger als die üblichen Datenanalysen, weil sie gewisse Einflüsse der zugrunde liegenden Studien mildert.

Eingeschlossen wurden nur Studien mit mindestens 50 Patienten und 6 Monaten Laufzeit, in denen die Patienten zufällig einer Trainingsgruppe zugewiesen worden waren oder die übliche Versorgung ohne gezielte körperliche Aktivität erhalten hatten. Insgesamt lagen Daten von 4.043 Patienten vor. Geprüft wurde der Einfluss der körperlichen Aktivität auf die Notwendigkeit einer Spitalsbehandlung und auf das Sterberisiko, das bei chronischer Herzinsuffizienz so hoch ist wie bei vielen Krebserkrankungen. 

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Körperliche Aktivität nutzt allen Subgruppen 

Der Nutzen konnte diesmal klar nachgewiesen werden: Die Gesamtmortalität körperlich aktiver Patienten lag um 18 Prozent unter der der Inaktiven. Die Hospitalisierungsrate fiel um 11 Prozent niedriger aus. Letzteres liegt unter dem Ergebnis der vorangegangenen Cochrane-Analyse (relative Risikoreduktion um 25 Prozent), dürfte aber aufgrund der höheren statistischen Zuverlässigkeit der Realität näher kommen.

Dann untersuchten die Forscher, welchen Einfluss individuelle Faktoren wie etwa Alter und Geschlecht, Krankheitsgeschichte und Schwere der Herzinsuffizienz auf das Ergebnis nahmen. Um es mit einem Wort zu sagen: Keinen, so medscape.com.

In allen untersuchten Subgruppen fiel die Nutzenbewertung der Aktivität ähnlich aus. Betagte Patienten profitierten ebenso wie jüngere, Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz ebenso wie die mit milder Pumpschwäche. „Es gibt keinen Hinweis, dass bestimmte Patientengruppen einen höheren Nutzen aus der Aktivität ziehen als andere“, resümierte Taylor.

Körperliche Aktivität kann Patienten mit Herzinsuffizienz auf vielfältige Weise nutzen. Sie steigert die physische Fitness, die die Mortalität stärker beeinflusst als etwa Rauchgewohnheiten oder Blutdruck. Sie verbessert die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels und reduziert das Risiko für Rhythmusstörungen und plötzlichen Herztod. Nicht zuletzt steigert sie auch die Blutversorgung der peripheren Muskulatur und damit die „Alltagstauglichkeit“ der Patienten.

„Personalisierte Therapie und die optimale Verteilung von Ressourcen mögen heiße Themen in der modernen Medizin sein – hier sind sie fehl am Platz“, betonte Taylor. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass alle Patienten mit Herzinsuffizienz ermutigt werden sollten, sich zu bewegen. Man sollte ihnen die Möglichkeit zur bewegungsgestützten Rehabilitation jedenfalls nicht mit der Begründung verweigern, es würde bei ihnen nicht funktionieren.“ 

Dabei geht es wie immer bei chronischen Krankheiten nicht um sportliche Höchstleistungen. Taylor würde Patienten beispielsweise raten, mit zügigem Gehen zu beginnen, das sie außer Atem bringt, aber keine ausgeprägten Symptome verursacht. Zwei bis drei Mal pro Woche 20 bis 30 Minuten reichen für den Anfang aus – spätere Steigerungen nicht ausgeschlossen.

 

Der gesamte Artikel wurde am 14. Juni 2016 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal / medscapemedizin.de

Juni 2016


Foto: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020