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Dicker Mann mit Wurstsemmel und Bier

Leberwerte: Kontrolle kann Leben retten

Erhöhte Leberwerte können darauf hinweisen, dass eine Lebererkrankung vorliegt. Eine frühe Diagnose ist entscheidend, um Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs zu vermeiden. Menschen mit erhöhtem Risiko für Lebererkrankungen sollten daher ihre Leberwerte im Blut bestimmen lassen. 

Erkrankungen der Leber werden häufig erst spät erkannt, weil die Symptome in der Regel sehr unspezifisch sind und Betroffene selten Schmerzen verspüren. Die Leber leidet unbemerkt im Stillen. 

Keine deutlichen Symptome 

Mögliche Beschwerden sind: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Schwäche, Übelkeit. „Da ähnliche Beschwerden auch bei unzähligen anderen Erkrankungen auftreten können, denkt man dabei nur selten an die Leber als möglichen Verursacher“, sagt Dr. Avida Hayat-Khayyati, Oberärztin am Kepler Universitätsklinikum Med Campus III.

Deutliche Symptome zeigen sich nur bei Gelbsucht (Gelbfärbung der Haut und der Schleimhäute) und generell bei weit fortgeschrittenen Lebererkrankungen. Selbst bei Leberkrebs zeigen sich lange Zeit keine deutlichen Alarmsignale (anders als bei den meisten anderen Krebsarten). 

Wichtige Früherkennung 

Bei Lebererkrankungen gilt: Erkennt man sie frühzeitig, also nicht erst in einem Spätstadium, dann kann man die Erkrankung durch Therapie und Änderung der Lebensgewohnheiten sehr gut in den Griff bekommen und meist auch heilen, denn die Leber ist ein sehr widerstandsfähiges Organ. Sie kann sich selbst auch bei schwerer Schädigung (zum Beispiel bei Fettleber) erstaunlich gut regenerieren, wenn man ihr durch Änderung des Lebensstils die Chance dazu gibt.

Ernährt man sich gesund, trinkt man wenig Alkohol und bewegt man sich regelmäßig, dann kann sich eine Fettleber in eine gesunde Leber zurückverwandeln. Im Falle von Hepatitis B kann eine antivirale Behandlung in bestimmten Situationen das Voranschreiten der Krankheit verhindern. Hepatitis C lässt sich mit Medikamenten in den meisten Fällen komplett heilen. Doch häufig werden diese Entzündungen der Leber erst spät erkannt. Leberzirrhose (Vernarbung der Leber) oder Leberkrebs können die Folge sein. „Unser Ziel ist es also, Lebererkrankungen zu diagnostizieren, bevor es zu diesen Spätfolgen kommt“, sagt die Fachärztin für Innere Medizin. 

Risikogruppen 

Es existiert eine Vielzahl von Lebererkrankungen. Diese werden eingeteilt in:

  • übertragbare Infektionskrankheiten (z.B. Hepatitis A, B, C, D, E)
  • vererbbare Stoffwechselstörungen (z.B. Hämochromatose, oder die sogenannte Eisenspeicherkrankheit: Es handelt sich um eine genetische Lebererkrankung, die jedoch gut therapierbar ist.)
  • Autoimmunerkrankungen
  • Nicht alkoholische und alkoholische Fettlebererkrankungen.

Ein erhöhtes Risiko für übertragbare Infektionskrankheiten (vor allem für virale Hepatitiden) haben:

  • Medizinisches Personal
  • Drogenkonsumenten
  • Menschen mit Tätowierungen oder Piercings
  • Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern
  • Personen, die in Länder mit hoher Hepatitis-Rate reisen
  • vor 1992: Empfänger von Blutprodukten sowie Plasmaspender.

Auch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten kann zu einer akuten oder chronischen Hepatitis (Leberentzündung) führen. „Diese Fälle treten jedoch nur selten auf. Vor allem eine Überdosierung von Paracetamol muss vermieden werden, da dies zu einem akuten Leberversagen führen kann“, sagt Hayat-Khayyati. Auch andere Schmerzmedikamente und manche Antibiotika gelten als Auslöser. 

Alkohol 

Langfristiger Alkoholmissbrauch kann zu einer Fettleber führen, aus der sich eine Leberzirrhose und auch Leberkrebs entwickeln kann. Das Risiko einer Leberzirrhose steigt bei regelmäßigem (vor allem täglichem) Alkoholkonsum. Es gibt unterschiedliche Expertenmeinungen, wie hoch die Alkohol-Obergrenze angesetzt werden soll, um noch als unbedenklich zu gelten. Laut WHO sollten Männer nicht mehr als 30 Gramm Alkohol (entspricht ca. 0,6 l Bier) und Frauen nicht mehr als 20 Gramm Alkohol (entspricht ca. 0,2 l Wein) täglich zu sich nehmen, um ihr Zirrhose-Risiko zu minimieren. 

Leberwerte prüfen 

Im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung („Gesundenuntersuchung“) werden auch die Leberwerte kontrolliert. Jeder Erwachsene kann (und soll) diesen kostenlosen Gesundheitscheck in Anspruch nehmen.

Es existieren keine generellen Vorgaben, wie oft man die Leberwerte kontrollieren lassen soll, dies ist im Einzelfall zu entscheiden:

  • Bei Menschen mit chronischen Lebererkrankungen sollten die Checks der Leberwerte regelmäßig erfolgen und nicht nur einmalig.
  • Im Falle einer fortgeschrittenen Lebererkrankung und einer bereits bestehenden Zirrhose sollte man alle sechs Monate die Leberwerte kontrollieren.
  • Bei Menschen, die vor 1992 Blut erhalten haben, reicht eine einmalige Kontrolle aus, um eine Hepatitis C Infektion zu diagnostizieren.
  • Diabetiker werden ohnehin laufend kontrolliert.

Weitere Diagnoseschritte nötig 

Die Leberwerte geben zwar deutliche Hinweise auf den Zustand der Leber, aber sie sind nicht zu hundert Prozent aussagekräftig. „Sind die Werte unauffällig, kann die Leber trotzdem krank sein. Sind die Werte jedoch erhöht, liegt nicht zwingend eine Erkrankung der Leber vor“, gibt Hayat-Khayyati zu bedenken.

Wurden erhöhte Leberwerte festgestellt, wird man mit weiteren Untersuchungen den Zustand der Leber feststellen, und den Ursachen der erhöhten Werte bzw. der Erkrankung nachgehen. Aber auch im Fall unauffälliger Leberwerte können in manchen Fällen weitere Untersuchungen sinnvoll sein: „Wer zu einer Risikogruppe gehört, weil er etwa stark übergewichtig oder alkoholkrank ist, der sollte bei unauffälligen Leberwerten mit dem Arzt darüber sprechen, ob man mit weiteren Diagnosemitteln herausfinden soll, wie es um den Zustand der Leber bestellt ist“, sagt Hayat-Khayyati.

Weitere mögliche Diagnoseschritte sind: Blutbefund, Ultraschall, Leberbiopsie, Fibroscan (auch Elastographie genannt): Es handelt sich um ein nicht-invasives Verfahren zur Beurteilung der Fibrose (Bindegewebe-Einlagerung) beziehungsweise der Zirrhose der Leber. 

Am häufigsten: Fettleber 

Die häufigste Lebererkrankung ist die Fettleber. Man unterscheidet die durch Alkoholmissbrauch verursachte Fettleber von der nicht alkoholischen Fettleber. Letztere wird vor allem durch einen ungesunden Lebensstil verursacht. Betroffen von der nicht alkoholischen Fettleber sind 30 bis 40 Prozent (!) der Bevölkerung. Sie betrifft vor allem Menschen mit

  • starkem Übergewicht (meist infolge von Bewegungsmangel und der Aufnahme von zu viel Kalorien),
  • Diabetes Mellitus Typ 2,
  • metabolischem Syndrom,
  • einem Alter über 50 Jahren,
  • Bluthochdruck.

In bis zu 10 Prozent mündet eine Fettleber in eine Zirrhose. Am Boden einer Zirrhose kann sich ein bösartiger Leberkrebs bilden (Jede Lebererkrankung, die in einer Leberzirrhose endet, birgt die Gefahr eines Leberkrebses.). Diese Langzeitfolgen treten vor allem dann ein, wenn die Erkrankung nicht erkannt und daher nicht behandelt wird. In diesen Fällen geht immer mehr Gewebe zugrunde und ab einem gewissen Zeitpunkt kann bei Vorliegen einer fortgeschrittenen Zirrhose nur mehr eine Leber-Transplantation den Patienten retten. Auch hier gilt: Früherkennung ist entscheidend.

 

Dr. Thomas Hartl

September 2016


Foto: shutterstock



Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020