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EKG Herzschlagaufzeichnungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch immer an der Spitze

Trotz beachtlicher Fortschritte in der medizinischen Forschung und Therapie sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen immer noch Todesursache Nummer eins. Die Gründe dafür sind eine ständig steigende Lebenserwartung und vor allem ein ungesunder Lebensstil in Teilen der Bevölkerung. 

Die zwei häufigsten Krankheiten, die zum Tode führen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs (42 bzw. 26 Prozent). Rund 33.000 Menschen in Österreich starben 2014 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, das sind rund 10.000 weniger als noch im Jahr 1997. Während Herzinfarkte immer häufiger überlebt werden, steigen andere Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz, Herzklappen-Erkrankungen sowie Herzrhythmusstörungen weiter an. 

Mehr Infarktpatienten überleben 

Die Kardiologie konnte in den letzten Jahrzehnten deutliche Fortschritte in der Behandlung von Herzerkrankungen erzielen und hat dadurch zur steigenden Lebenserwartung in der Bevölkerung beigetragen. Die Zahl der an Herz-Kreislauf-Erkrankungen Verstorbenen ist in Österreich rückläufig. „Während in früheren Jahren Menschen sehr häufig an einem Herzinfarkt verstarben, überleben ihn heute wesentlich mehr. Die Schattenseite: Ein Teil der Überlebenden leidet danach an einer Herzschwäche“, sagt Univ.-Prof. Dr. Bernhard Metzler, an der Universitätsklinik für Innere Medizin/Kardiologie Innsbruck.

Vor allem in Fällen, in denen ein Infarkt-Patient das Krankenhaus lebend erreicht, ist die Wahrscheinlichkeit, den Infarkt zu überstehen, in den letzten Jahren deutlich angestiegen: „Vor 30 Jahren starb rund ein Fünftel dieser Akutpatienten, heute sind es weniger als fünf Prozent“, sagt der Kardiologe. Und auch die Lebensqualität nach einem Infarkt ist deutlich besser geworden. Bei Einhaltung eines gesunden Lebensstils (Sekundärprävention) können Betroffene dank guter Therapien nach einem überlebten Herzinfarkt auf eine weitgehend normale Lebenserwartung hoffen. 

Risiko eines zweiten Herzinfarkts 

Anders als in früheren Jahren, als ein Infarktpatient einen zweiten Infarkt befürchten musste, konnte das Risiko eines neuerlichen Herzinfarkts deutlich gesenkt werden. „Das Wiederholungsrisiko ist bei guter Therapie und dem richtigen Lebensstil nicht höher als bei einem Gesunden. Laut einer aktuellen Studie sterben Infarktüberlebende, die die ersten sechs Jahre nach dem Ereignis am Leben bleiben, schließlich einmal an einer ganz anderen Erkrankung als am kranken Herzen“, sagt Metzler. 

Fortschritte in der Technik 

Die Gründe für die höhere Überlebensrate eines Herzinfarkts und von Herzerkrankungen liegen zu einem guten Teil in einer optimierten Technik der medizinischen Geräte. Neuartige Stents, Herzklappen, Herzschrittmacher und Ablationstechniken verlängern das Leben Herzkranker. „Die Herzkatheter-Technik ermöglicht nicht nur schonende Untersuchungen, sondern auch wichtige Eingriffe, wie die Wiedereröffnung verschlossener Blutgefäße mittels Notfall-Katheters. Katheder können sogar schon die Aortenklappe ersetzen und undichte Mitralklappen behandeln, die High-Tech-Forschung macht ständig Fortschritte. Auch das verwendete Material wird immer besser, so werden zum Beispiel die eingesetzten Stents immer dünner und besser verträglich“, erklärt Metzler. 

Forschung 

Der in den letzten Jahren erhoffte Durchbruch in der Stammzellen-Forschung ist bisher ausgeblieben. Dagegen lassen neue Medikamente gegen überhöhtes Cholesterin und zur Behandlung von Herzschwäche auf weitere Erfolge hoffen. „Studien versprechen eine noch effektivere Behandlung der Herzschwäche mit neuen Medikamenten, die auch bereits in die europäischen Leitlinien aufgenommen wurden und auch in Österreich schon verordnet werden“, sagt Prof. Metzler.

Wichtig ist eine weitere Optimierung der Herzinfarkt-Netzwerke. Gemeint ist das Zusammenwirken zwischen Haus- und Notärzten und dem nächstliegenden Krankenhaus, das Herzkatheter-Therapie anbietet. Es gilt, die Zeit weiter zu verkürzen, die zwischen einem akuten Herzinfarkt und der Behandlung im Spital vergeht. Je besser die Rettungskette funktioniert, desto bessere Überlebenschancen hat der Patient, denn jede Minute zählt.

„Die sogenannte Tür-Ballon-Zeit im Krankenhaus, also der Zeitraum von der Einlieferung bis zur Behandlung, konnte in den letzten Jahren weitgehend optimiert werden. Auch kann man sagen, dass die Rettungskette in den Städten bereits sehr gut und rasch funktioniert, während diese am Land oft schwieriger und wegen der größeren Distanzen zu einem Spital naturgemäß zeitaufwändiger ist. Hier besteht noch Optimierungspotential, um die Zeit zwischen dem Infarkt und der Notaufnahme im Spital zu verkürzen. In der Zeit vor der Einlieferung ins Krankenhaus stirbt immer noch rund ein Drittel aller Herzinfarktpatienten“, sagt Prof. Metzler. 

Prävention am Wichtigsten 

Der wesentliche und wichtigste Faktor in der Herzgesundheit ist die Prävention. Wer gesund lebt, hat ein geringes Risiko, an einer Erkrankung des Herzens zu sterben. Ein gesundes Leben (nicht Rauchen, gesunde Ernährung, viel Bewegung und Sport, wenig Alkohol) verhindert in der Regel Übergewicht mitsamt möglicher Folgeerkrankungen wie Diabetes und letztlich auch einer Herzerkrankung.

„Die Menschen werden immer älter und die Therapien immer besser. Doch die Erkrankungen nehmen trotzdem nicht in dem möglichen Maße ab, da viele Menschen einen ungesunden Lebensstil beibehalten. Der Lebensstil wirkt den Behandlungsfortschritten, die möglich wären, entgegen. Wir Ärzte können immer nur hinterherlaufen und die bereits eingetretenen körperlichen Schäden ausbessern. Viele dieser Schäden ließen sich vermeiden, wenn Menschen nicht mit dem Rauchen beginnen oder wenigsten wieder aufhören würden, mehr Sport betreiben und gesünder essen würden“, so Metzler.

Ebenso wichtig ist die sogenannte Sekundärprävention. Hier geht es darum, nach einem bereits erlittenen Herzinfarkt alles dafür zu tun, um einen neuerlichen Vorfall zu vermeiden. Neben medizinischen Maßnahmen (Einnahme von Medikamenten) senkt ein gesunder Lebenswandel auch das Rückfallrisiko deutlich.

„Will man die Sterblichkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich reduzieren, bedarf es einer weiteren Bewusstseinsbildung in der Bevölkerung. Es muss gelingen, Übergewicht und Diabetes schon bei jungen Menschen zu reduzieren. Wichtig ist es auch, dass die Menschen die bereits mögliche Diagnostik und die Therapieangebote auch tatsächlich in Anspruch nehmen. Man muss auch immer wieder auf die Gefährlichkeit des Rauchens hinweisen. So zeigt zum Beispiel eine aktuelle Untersuchung, dass Passivrauchen das Risiko einer Herzerkrankung um ein Viertel erhöht“, sagt der Mediziner.

Bewusstsein für Herzgesundheit herstellen, bedeutet auch, die Symptome eines Herzinfarktes zu erkennen und gegebenenfalls Erste Hilfe leisten zu können. Defibrillatoren nützen nur dann etwas, wenn sie von der Bevölkerung auch bedient werden können.

 

Dr. Thomas Hartl

November 2016


Foto: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020