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Tomaten

Königin der Herzen

Die Tomate ist Österreichs Gemüsekönigin der Herzen: Insgesamt 240.000 Tonnen oder 28 Kilo pro Kopf wurden von ihr in der Saison 2014/15 verspeist. Danach kommt im Ranking der Meistverspeisten sehr lange nichts – die Nummer zwei, die Karotte, bringt es gerade einmal auf knappe 80.000 Tonnen. Jeder Österreicher verspeist pro Jahr durchschnittlich 28 Kilo Tomaten. Die einzigen Pflanzen, von denen wir mehr essen als von Tomaten, sind Stärkelieferanten wie Getreide und Kartoffel. 

Tomaten

Der Grund, warum die Tomate uns so ausgesprochen mundet, ist wohl, dass sie gar nicht so typisch nach Gemüse schmeckt: Gut gereift enthält sie außergewöhnlich viel würziges Glutamat und aromatische Schwefelverbindungen, zwei Köstlichmacher, die häufiger in Fleisch als in Pflanzen vorkommen. Sie ist daher hervorragend geeignet, um Fleischsaucen noch besser zu machen oder ganz zu ersetzen.

Wie so viele unserer liebsten Grundnahrungsmittel kommt auch die Tomate ursprünglich aus Amerika. Ihre wilde Urform wächst in den Anden und Wüsten im Westen Südamerikas, unkrautartig und mit kleinen, bitteren Früchten. Erst die Mayas im heutigen Mexiko dürften sie domestiziert haben. Von hier brachten die Spanier sie schließlich im 16. Jahrhundert nach Europa mit. Heute, so schätzen Fachleute, dürfte es zwischen 8.000 und 10.000 Tomatensorten geben.

Gelbe Tomaten

Der erste europäische Botaniker, der sie 1544 beschrieb, war Pietro Mattioli. Er dürfte eine gelbe Variante bekommen haben, weswegen er sie Pomo d‘Oro, goldener Apfel, taufte – bis heute hat sich das Wort im Italienischen gehalten. Auch ihre Zubereitung hat sich in Italien seither kaum geändert: Mattioli empfahl, sie mit Olivenöl, Salz und Pfeffer zu essen.

Schwarze Tomate

Dennoch wurde sie in Europa lang hauptsächlich als Zierpflanze kultiviert. Schon die damaligen Botaniker erkannten: Die Tomate gehört zur Familie der Nachtschattengewächse, deren Vertreter höchst giftige Substanzen wie Nikotin, Atropin oder Morphin produzieren können. Eine ihrer ersten Beschreibungen verglich sie mit Atropa belladonna, der Schwarzen Tollkirsche, die bereits in der römischen Antike zur Beseitigung von Ehepartnern sowie Nebenbuhlern beliebt war. Frühe Namen für die Tomate wie etwa „Wolfspfirsich“ zeugen von der anfänglichen Skepsis ob ihrer Essbarkeit. Von Italien und Spanien ausgehend setzte sie sich erst im 19. Jahrhundert in Europa und den USA als Gemüse durch. 

GrüneTomaten

Tomate oder Paradeiser? 

Die Tomate ist äußerst gut zu uns: Sie enthält ein wenig Vitamin C und jede Menge Antioxidantien wie etwa Lycopin, den Stoff, der sie rot färbt. Lycopin könnte laut manchen Studien Herzkrankheiten und Krebs vorbeugen – besonders wirksam soll Lycopin werden, wenn Tomaten, wie rund ums Mittelmeer üblich, mit Öl gegart werden, weil es dann vom Körper besser aufgenommen werden kann. Und das Tomatin in grünen Tomaten und in den Blättern der Pflanze bindet unerwünschtes Cholesterin im Verdauungstrakt. Wer ein paar Tomatenblätter kurz vor dem Genuss in seiner Sauce mitkocht, der bekommt nicht nur ein feineres Aroma, sondern auch ein gesünderes Endprodukt.

Gelbe Tomate

Noch beliebter als die Tomate selbst ist aber vielleicht der Streit, ob sie denn nun „Tomate“ oder doch „Paradeiser“ heißt. Historisch betrachtet haben die Tomaten-Sager recht: Das deutsche Wort Tomate kommt direkt von „tomatl“ – aztekisch für plumpe Frucht – und ist der Name, den die ersten Züchter ihr gaben. Die Spanier übernahmen das Wort, von hier setzte es sich dann in anderen europäischen Sprachen durch. Paradeis-Sager haben allerdings die schönere Geschichte auf ihrer Seite: Der Ausdruck leitet sich vom Wort „Paradies-Apfel“ her – einem Namen, den die Tomate im 16. Jahrhundert in Europa bekam, weil man ihr aphrodisierende Wirkung zuschrieb. 

Tipps:

  • Tomaten sollen nicht im Kühlschrank gelagert werden, sie verlieren dort sehr rasch an Geschmack.
  • Tomaten häuten geht ganz einfach: kreuzweise einschneiden und kurz in kochendes Wasser tauchen.
  • Unreife Tomaten können an einer sonnigen Stelle, etwa auf der Fensterbank, nachreifen.

 

Tobias Müller

Februar 2017


Bilder: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020