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Nuss-Nougat-Cremes auf dem Prüfstand

Die Arbeiterkammer Oberösterreich (AKOÖ) hat 15 Nuss-Nougat-Cremes im Labor der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) auf gesundheitlich bedenkliche Stoffe untersuchen lassen. Das Ergebnis zeigt, dass in allen 15 Produkten Verunreinigungen gefunden wurden, wenn auch in sehr unterschiedlichen Mengen. 

Konkret geht es um die Problemstoffe Glycidyl-Fettsäureester/Glycidol und 3-Monochlorpropandiol (3-MCPD). Sie entstehen durch die hohen Temperaturen bei der Verarbeitung von Pflanzenölen. Deren höchste Konzentrationen finden sich im Palmöl. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) sind beide Substanzen problematisch. Glycidyl-Fettsäureester/Glycidol wird als wahrscheinlich krebserregend und erbgutschädigend und 3-MCPD als möglicherweise krebserregend eingestuft. 

Testsieger ohne Palmöl 

Die Bio-Linie einer großen österreichischen Supermarktkette ging als Testsieger hervor: Es war das einzige getestete Produkt ganz ohne Palmöl und wie generell die niedrigsten Verunreinigungen auf. Das entsprechende Produkt eines Mitbewerbers in der gleichen Liga enthielt fast 50 Mal mehr Glycidyl-Fettsäureester/Glycidol als der Testsieger. 

Sind Nuss-Nougat-Cremes gefährlich? 

  • Im Mai 2016 hat die EFSA eine täglich duldbare Aufnahmemenge für 3-MCPD von 0,8 Mikrogramm pro kg Körpergewicht ermittelt. Wird diese Tagesdosis nicht überschritten sind keine negativen gesundheitlichen Folgen zu erwarten, eine fortdauernde Überschreitung wäre aber potentiell gesundheitsbedenklich. Ein 30 kg schweres Kind erreicht mit dem Verzehr von nur einer Portion (15 g) jenes Aufstrichs mit den höchsten 3-MCPD-Werten bereits 35 Prozent dieser Tagesdosis.
  • Die Aufnahme von Glycidyl-Fettsäureester sollte aufgrund des wahrscheinlich krebserregenden und erbgutschädigenden Potentials so gering wie möglich sein, da für diesen Stoff keine täglich duldbare Aufnahmemenge festgelegt werden kann, bei der negative Folgen für die menschliche Gesundheit auszuschließen sind.
  • Zusätzlich wurden die Schoko-Cremes auf Aflatoxine untersucht. Das sind Schimmelpilzgifte mit krebserzeugendem und erbgutschädigendem Potential, die durch die Haselnüsse in die Aufstriche gelangen können. Alle fünfzehn Produkte konnten die EU-Grenzwerte einhalten.  

Nuss-Nougat-Cremes nur in Maßen genießen 

Neben den Verunreinigungen empfiehlt sich auch aus ernährungsphysiologischer Perspektive ein maßvoller und bewusster Konsum von Nuss-Nougat-Cremes, vor allem bei Kindern. Nuss-Nougat-Cremes bestehen durchschnittlich zu mindestens 75 Prozent aus Fett und Zucker. Zwei bis drei Stück Würfelzucker stecken bereits in einem Nuss-Nougat-Brot (15 g). Doch sollte laut Weltgesundheitsorganisation täglich nicht mehr als 12,5 Stück Würfelzucker konsumiert werden. 

Die typischen Hauptzutaten von Nuss-Nougat-Cremes 

Auf Basis der Nährwertangaben und Zutatenlisten aus 14 Produkten erstellte der Konsumentenschutz der AK die typische Zutatenliste:

Zucker                                                           47 bis 58,5 Prozent
Palmöl oder
sonstige pflanzliche Öle
bis zu
25 Prozent
Haselnüsse                                                  10 – 17 Prozent
fettarmer Kakao                                             6 – 8,5 Prozent
Magermilchpulver                                 bis zu
6,6 Prozent

 

Die oben genannte Bio-Creme des ursprünglich österreichischen Supermarkts enthält kein Palmöl, ihr italienisches Gegenstück wird ausschließlich mit Palmöl hergestellt. 

EU-weite Grenzwerte sind dringend notwendig 

Aktuell gibt es für Glycidyl-Fettsäureester und 3-MCPD noch keine gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgehalte. Zum Schutz von Konsumenten fordert die AK Oberösterreich die Einführung von Grenzwerten in pflanzlichen Fetten und Ölen. 

TIPP der AK 

Wenn Sie Ihren Palmölkonsum reduzieren möchten, achten Sie beim Einkaufen gezielt darauf. Kochen Sie mit frischen Zutaten und lassen Sie Fertigprodukte im Regal liegen. 

Die gesamten Testergebnisse sind auf der Seite der AKOÖ abzurufen.

 

Mag. Christian Boukal / AKOÖ

Mai 2017


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020