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Juckende Plage

Die Krätzmilbe ist zurück. „Während sie vor 50 Jahren bei uns eine Rarität war, sehe ich diese Hauterkrankung seit einigen Jahren wieder regelmäßig“, sagt der Linzer Dermatologe Johannes Neuhofer. Diese juckende und ansteckende Plage wird oft nicht gleich erkannt. Sie ist ungefährlich, muss aber behandelt werden.

Wer den Begriff Krätze, medizinisch Skabies, hört, assoziiert mit dem Ausschlag oft fehlende Hygiene und in der Folge soziale Isolation. Die Infektion hat aber wenig mit schlechter Körperhygiene zu tun, sondern breitet sich meist in Gemeinschaftseinrichtungen wie Altersheimen oder Kindergärten aus, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen.

Mit Hausstaubmilben haben die Spinnentiere, die Sarcoptes scabiei variatio hominis, nichts zu tun. Die Krätzmilbe braucht den Menschen als Wirt, um sich ernähren und fortpflanzen zu können. Die Weibchen sind rund 0,4 mm groß und graben kleine Tunnel in die äußerste Hautschicht, wo sie Eier ablegen und Kotballen ausscheiden. Weil das Immunsystem auf die Milben und deren Abfallprodukte reagiert, kommt es zu Schwellung, Juckreiz und Rötung. Wer sich die Tunnel aufkratzt, läuft Gefahr, dass sich im schlimmsten Fall eine Superinfektion dazugesellt. Die Ansteckung erfolgt von Mensch zu Mensch durch längeren und engen Körperkontakt. „Kurzes Händeschütteln reicht in der Regel für die Infektion nicht aus“, sagt Dr. Neuhofer. Zu den typischen Übertragungswegen gehören das gemeinsame Schlafen in einem Bett, die Körperreinigung von Säuglingen, Kleinkindern oder Kranken und Alten durch Pflegepersonal, Kuscheln und Geschlechtsverkehr. Beim ersten Kontakt dauert es zwei bis fünf Wochen nach der Ansteckung, bis die Symptome, allen voran Juckreiz, auftreten. Bei einer erneuten Infektion reagiert das Immunsystem schon nach wenigen Tagen. Zu den Risikogruppen gehören Kinder sowie alte und kranke Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Oftmals wird die Krätze nicht gleich erkannt, fälschlich auf Neurodermitis, Kontaktekzeme oder Schuppenflechte behandelt. „Die Milbengänge, dierund einen Zentimeter lang sind und wie ein Beistrich aussehen, sind oft schon aufgekratzt. Das erschwert die Diagnose“, sagt Experte Neuhofer. Zur Diagnose gehören neben der Anamnese Erfahrung und Begutachtung mit dem Aufsichtmikroskop. Besonders gerne nisten sich die Milben zur Eiablage in Regionen mit zarter Hornschicht ein, wie Achselhöhle, Nabel, am Penisschaft, an Fußrändern innen, zwischen Fingern und Zehen oder rund um die Brustwarzen. Bei Babys können auch Hand- und Fußsohlen oder Gesicht betroffen sein. Immunschwache Menschen können an einer extremen Sonderform, der Borkenkrätze, erkranken. Diese Patienten sind sehr ansteckend.

Lückenlos eincremen

„Zur Behandlung wird am häufigsten der Wirkstoff Permethrin in Form einer Creme verschrieben. Man trägt sie abends einmal vom Hals abwärts lückenlos auf dem gesamten Körper, auch in Achselhöhlen, im Genitalbereich, unter Finger und Zehennägeln auf. Nach acht bis zwölf Stunden wird gebadet oder geduscht. Die Milben und deren Eier sollten nach einer Behandlung abgetötet sein“, erklärt der Hautfacharzt. Familienangehörige sollen mitbehandelt werden. In Sonderfällen kann eine Tablette mit dem Wirkstoff Ivermectin verordnet werden. Der Juckreiz kann nach der Therapie noch bis zu einigen Wochen anhalten – so lange, bis die äußere Hautschicht erneuert ist. Zur Sicherheit sollten Bettwäsche, Handtücher und Unterwäsche bei 60 Grad gewaschen werden.


Mag. Christine Radmayr

September 2017


Bilder: mauritius; privat


 

Kommentar:

Juckende  Plage Kommentarbild Dr. Johannes Neuhofer„Dort, wo Menschen auf engem Raum zusammenwohnen, kann sich die Krätzmilbe leichter ausbreiten.“

Dr. Johannes Neuhofer

Facharzt für Dermatologie, Linz




Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020