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Hand und Bierflasche

Alkohol – was dahinterstecken kann, wenn man ihn nicht verträgt

Unverträglichkeiten, Allergien, Abbaustörungen oder auch psychische Probleme können dazu führen, dass man Alkohol und/oder dessen Abbau nicht verträgt. Ist das der Fall, hilft nur eins: Finger weg! 

Alkohol (Ethanol) ist ein Zellgift und für den Körper schädlich. Der Körper versucht deshalb, ihn so rasch wie möglich loszuwerden. Doch dieser chemisch komplexe Vorgang dauert Stunden. Vereinfachend beschrieben: Der Alkohol im Blut wird durch die Leber gespült. In der Leber arbeiten Enzyme daran, das Zellgift abzubauen, welches durch Oxidationsprozesse in mehreren Schritten in seine Bestandteile zerlegt wird, bis nur noch harmlose Essigsäure und Kohlendioxid übrigbleiben. Das Problem dabei: Bei diesen Abbauvorgängen entsteht das Abfallprodukt Acetaldehyd, welches noch giftiger ist als der ursprüngliche Alkohol. 

Kater oder gesundheitliches Problem? 

Alkohol gelangt nach dem Trinken sehr rasch ins Blut. Der Abbau von Alkohol erfolgt jedoch sehr langsam, pro Stunde rund 0,1 Promille. Dieser Vorgang kann auch nicht beschleunigt werden. „Wer um Mitternacht mit 1,5 Promille schlafen geht und um sieben Uhr wieder aufsteht, hat immer noch zirka 0,7 Promille im Blut und ist noch betrunken. Die gefürchteten Nebenwirkungen des Abbaus sind aber erst dann zu spüren, wenn man wieder nüchtern wird“, sagt Prim. Priv.-Doz. Dr. Christoph Ausch, Leiter der Abteilung für Chirurgie am LKH Steyr und LKH Kirchdorf. 

An einem Kater (Kopfschmerzen, ein flaues Gefühl im Magen) müssen alle (mehr oder weniger) leiden, die zu viel Alkohol getrunken haben. Davon zu unterscheiden sind jene Menschen, die überhaupt keinen oder nur sehr wenig Alkohol vertragen, weil sie an einem bestimmten Enzymmangel oder an einer Allergie oder Unverträglichkeit leiden. Auch psychologische Gründe für heftige Beschwerden in der Phase der Ausnüchterung sind möglich.

Alkoholabbaustörung 

Es gibt Menschen, die genetisch bestimmt an einer Alkoholabbaustörung leiden. In diesen Fällen ist ein Enzym, das beim Alkoholabbau hilft, zu wenig vorhanden oder das Enzymsystem funktioniert nicht wie üblich. Ein atypisches Enzymsystem tritt bei Asiaten sehr häufig auf, ist aber auch hierzulande nicht unbekannt. Bei einem solchen Enzymsystem reagiert der Körper auf Alkohol sehr heftig. Die Enzyme bauen den Alkohol oder das Abbauprodukt Azetaldehyd sehr langsam ab. Beides bewirkt eine starke Ansammlung des giftigen Azetaldehyds. Man spricht daher auch von einem Acetaldehyd-Syndrom.  

Noch häufiger findet sich dafür die Bezeichnung Flush-Syndrom, weil der Körper auf den gestörten Abbau mit Erweiterung der Hautgefäße (rotes Gesicht; flush bedeutet erglühen, erröten), erhöhter Herzfrequenz, Kopfschmerzen, Übelkeit, Benommenheit und Herz-Kreislauf-Beschwerden reagiert. Ob man an einer enzymmangelbedingten Alkoholabbaustörung leidet, lässt sich mittels Bluttest feststellen. Ein Test empfiehlt sich, wenn man stets auf nur geringe Mengen an Alkohol sehr stark reagiert und keine Ursache dafür bekannt ist. 

Allergie 

Eine echte Allergie gegen Alkohol (Ethanolallergie) ist möglich, aber sehr selten. Am ehesten tritt diese Allergie bei Asthmatikern auf. Liegt eine Allergie vor, so spürt man die Symptome sofort und nicht erst Stunden später während des Alkoholabbaus. Es kann zu asthmatischen Symptomen kommen, die Betroffenen verspüren dann Atemnot und/oder eine verstopfte Nase. Aber auch Reaktionen ähnlich wie beim Flush-Syndrom treten auf: unter anderem Weitung der Hautgefäße, Erhöhung der Herzfrequenz, Kopfschmerzen. 

Unverträglichkeit 

Häufiger als eine echte Allergie finden sich Unverträglichkeiten gegen bestimmte Inhaltsstoffe in den jeweiligen alkoholischen Getränken. Die Palette an möglichen Unverträglichkeiten ist breit gestreut und reicht von einer Histamin-Intoleranz (Wein) oder Intoleranz auf Schwefelverbindungen bis hin zu Unverträglichkeiten von Getreide, Malz, Hefen (Bier) oder Obst (Schnaps).

„Bei Verdacht sollte man einen Nahrungsmittelallergie-Test machen lassen. Bestätigt sich eine Unverträglichkeit, muss man die Inhaltsstoffe meiden, da die Symptome durch diese Inhaltsstoffe im Alkohol hervorgerufen werden und man sich an diese auch nicht gewöhnen kann“, sagt Primar Ausch. 

Psychische Probleme 

Alkohol wirkt auch auf den Kreislauf und oft treten Symptome wie Herzrasen auf. Dieses Herzrasen erzeugt oft Angst vor einer Panikattacke und kann diese dann auch tatsächlich auslösen. Die körperlichen Symptome werden als akute Gefahr gedeutet und verstärken die Angst vor ihnen. Dies wiederum verstärkt die körperlichen Beschwerden, es bildet sich ein negativer Kreislauf.  

Bestehen in der Alkohol-Abbauphase vorwiegend psychische Beschwerden, wie etwa Beklemmung und Angst-Gefühle, sollte die Psyche als Ursache dieser Probleme ins Auge gefasst werden. Dr. Ausch: „Hat jemand eine labile Grundstruktur und neigt zu übertriebenen Ängsten und Panikattacken, dann triggert Alkohol diese Zustände, er verstärkt die Wirkung und die leidlichen Abbaunebenwirkungen.“ 

Steht eine Angststörung oder Depression im Hintergrund der Beschwerden, sollte man diese behandeln lassen und auf Alkohol verzichten. Auch bei Menschen, die alkoholkrank sind, also an einer Alkoholsucht leiden, steht oft eine psychische Grunderkrankung ursächlich im Hintergrund, meist eine Depression oder Angsterkrankung. 

Gründe ohne Krankheitswert 

Besteht weder eine genetisch bedingte Abbaustörung, noch eine Unverträglichkeit bzw. Allergie noch eine psychische oder sonstige krankheitswertige Störung und leidet man dennoch an unverhältnismäßig schweren Nebenerscheinungen, dann kann das folgende Gründe haben:

  • Man hat vor dem Trinken zu wenig gegessen.
  • Schlanke Menschen vertragen generell weniger, da sich der Alkohol über weniger Körpergewicht verteilt.
  • Frauen vertragen weniger als Männer. Ihr Körper besteht aus mehr Fettgewebe und weniger Wasser als der männliche Körper und da sich Alkohol in Wasser besser löst als in Fett, baut er bei Männern rascher ab.
  • Menschen, die sehr selten Alkohol trinken, spüren seine Wirkungen und Nebenwirkungen meist sehr rasch und haben oft auch schwer an den Folgen zu leiden („Kater“).
  • Auch Medikamente können Probleme verursachen, denn sie können die Wirkung des Alkohols verstärken und auch dessen Abbau verzögern.
  • Auch die psychische Verfassung bestimmt, wieviel man verträgt und wie sehr man am Abbau des Alkohols leidet. Ist man ausgeruht und positiv gestimmt, bereitet der Alkohol weniger Probleme als wenn man psychisch angeschlagen ist.  

Konsequenz 

Um Leberschäden zu vermeiden und langfristige schwere Folgeerkrankungen zu vermeiden, sollte man Alkohol generell minimieren und wenn man ihn schlecht verträgt, ganz weglassen. Primar Ausch: „Wer keinen Alkohol verträgt, hört in der Regel auf, ihn zu trinken. Tut man das nicht und leidet daher ständig unter den Symptomen des Alkoholabbaus, dann sollte man sich fragen, warum man nicht zu trinken aufhört und ob vielleicht ein psychisches Problem und/oder eine Sucht vorliegt. Denn die einzige vernünftige Konsequenz bei Unverträglichkeit & Co lautet: Hände weg vom Alkohol. Abstinenz ist die einzige Möglichkeit, um den unangenehmen Folgen zu entgehen. Es gibt keine Therapie, kein Medikament und keine Tricks, die dazu führen würden, dass man mehr Alkohol verträgt.“

 

Dr. Thomas Hartl

Juni 2018

 

Bild: shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020