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verschiedene Kaffeetassen mit Kaffee

Stark im Abgang

Er gehört zum Frühstück, zum Date, zum Tratsch; er ist Muntermacher, Pausenfüller, Alleskönner; er wird verteufelt und hochgelobt: Kaffee. So selbstverständlich wir ihn täglich trinken, so wenig wissen die meisten über ihn.

"Der Kaffee ist fertig, klingt des net unheimlich zärtlich ...“ Wenn Peter Cornelius mit ein paar reingeschummelten Moll-Harmonien zu singen beginnt, dann riecht man ihn förmlich, den Duft, den frisch gebrühter Kaffee verströmt. Kaffee – für Millionen Menschen weltweit ein täglicher Begleiter, ein Lebenselexier, für Millionen eine Lebensgrundlage. Kaffee ist mehr als nur ein Getränk: Er steht für einen guten Start in den Tag, für gemütliche Plauderstunden mit Freunden zuhause oder im Kaffeehaus, für Genuss und den Koffein-Kick zwischendurch. Ob kleiner Schwarzer, großer Brauner, mit Milchschaum oder Schlagobers, mit Vanilleeis oder Grappa. Kaffee ist nach Wasser das beliebteste Getränk der Österreicher. 8,3 Kilo, ungefähr 900 Tassen, trinkt jeder Österreicher pro Jahr. Nur Finnen und Norweger trinken mehr.

Die Heimat des Kaffees ist Äthiopien. Um die Entdeckung gibt es eine entzückende Legende: Einem Hirtenjungen war aufgefallen, dass seine Ziegen nach dem Verzehr von bestimmten Beeren besonders lebhaft wurden. Mönche kosteten die Früchte, waren aber von dem bitteren Geschmack enttäuscht und warfen sie ins Feuer. Daraufhin verbreitete sich ein köstlicher Duft. Neugierig geworden, machten die Mönche aus den gerösteten Früchten einen Aufguss. Voilà, der Kaffee war entdeckt. Im 11. Jahrhundert gelangte der Kaffee nach Arabien. Er wurde „Wein des Islam“ genannt. Die Perser schätzten die anregende Wirkung – der Name Kaffee kommt vom altarabischen Wort qahwah, was so viel wie „das Erregende“ bedeutet. Über die Jahrhunderte breitete sich Kaffee im arabischen Raum, in Kleinasien, Syrien, Ägypten und im südöstlichen Europa aus. Österreich verdankt den Kaffee den Türken. Als diese 1683 ihre Belagerung von Wien abbrechen mussten, ließen sie 500 Säcke Kaffee zurück. Kurz darauf ist das erste Wiener Kaffeehaus eröffnet worden und schon bald bildete sich eine Kaffeehauskultur heraus, die 2011 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe aufgenommen wurde.

Damen beim Kaffeeplausch

Wirtschaftsfaktor Kaffee

„Kaffee ist total in“, sagt Doris Schleger. Sie hat sich nach 17 Jahren bei einem Kaffeemaschinen-Unternehmen selbstständig gemacht und ist nun spezialisiert auf italienische Röstungen. In ihrem Geschäft „Beans“ in Wien kann man aus 75  verschiedenen Espresso- und Kaffeesorten wählen. Wenn sie ihre E61-Faema-Kaffeemaschine aus dem Jahre 1965 anwirft, um den Kunden einen Testkaffee zu servieren, dann glänzen ihre Augen. Tiefschwarz rinnt der dampfende Kaffee in die Tasse. Diese Maschine hat genau an ihrem Geburtstag das Werk verlassen. „Viele haben aber leider ein Halbwissen“, meint die Expertin, „auch in den Kaffeehäusern.“ Guten Kaffee zu verkaufen und ihr Wissen weiterzugeben, hat sie sich zur Aufgabe gemacht. Ob man das Kapsel-System bevorzugt, Siebträger-Kaffeemaschinen, Mokkakanne, türkische Kaffeekanne Ibrik oder den Kaffee lieber auf französische Art presst: Geschmack und Zubereitung hängen von Röstung, Mahlgrad, Kaffee- und Wassermenge ab. Und da kann man für den perfekten Kaffee viel falsch machen.

Brasilien ist das wichtigste Kaffeeanbaugebiet, gefolgt von Vietnam, Indonesien, Kolumbien und Äthiopien. Im ganzen Land gibt es ungefähr 300.000 Kaffeefarmen, die Hälfte der gesamten Produktion konsumieren die Brasilianer selber. Die sensible Kaffeepflanze braucht ein ausgeglichenes Klima ohne extreme Hitze und Kälte, aber ausreichend Niederschlag und viel Schatten. Die bis zu 3,5 Meter hohen Sträucher tragen Früchte, die Kaffeekirsche genannt werden - Kaffee ist eigentlich ein Obst! Die Samen dieser Kirschen sind die Kaffeebohnen. Die zwei wichtigsten Kaffeepflanzenarten sind Arabica und Robusta, wobei letztere als die billigere und bitterere gilt. Der schlechte Ruf ist ungerechtfertigt, sagen Kaffeekenner. Denn es gibt sehr wohl Robusta-Bohnen von hoher Qualität. Einmal im Jahr wird geerntet, händisch. Dann werden die Bohnen getrocknet und schließlich exportiert und in den jeweiligen Ländern geröstet. Meist in großen Röstereien, immer öfter aber auch in kleinen wie der von Johanna Wechselberger im 9. Wiener Bezirk. „Der Röstvorgang dauert zwischen sieben und 15 Minuten. Für jede Bohne soll das richtige Profil gefunden werden, je nach Sorte, Verarbeitung, Anbaugebiet, Mikroklima, Restfeuchtigkeit. Es ist eine eigene Wissenschaft“, schmunzelt sie. Die Rösterin, Master-Barista und Autorin hat vor sieben Jahren die Vienna School of Coffee gegründet, und neben dem Rösten von Kaffee bietet sie Barista-Kurse an oder ist mit ihrem Kaffeejeep unterwegs. 

Kaffee wurde lange Zeit als Krankmacher, Krebserreger, Koffeinschleuder verteufelt. Zunehmend gibt es aber Studien, die Kaffee ein gutes Zeugnis ausstellen. Immer geht es dabei um den Inhaltsstoff Koffein. „Koffein ist der zentral aktive Wirkstoff, der mittlerweile als sicher anerkannt ist“, erklärt die Kardiologin Dr. Irene Lang von der MedUni Wien. „Koffein hat gute und schlechte Wirkungen, einen stimulierenden Effekt, verbunden mit Appetit-verminderung, erhöhtem Harndrang und vermehrter Darmtätigkeit. Chronischer Missbrauch führt jedoch zu Schlaflosigkeit, Herzrasen und erhöhtem Blutdruck.“ Die Ärztin trinkt selber nicht mehr als vier Tassen am Tag und das ist auch der empfohlene Richtwert. 

Letzte Tipps zum perfekten Kaffee: Bohnen nicht im Trichter des Mahlwerks aufbewahren, sondern in der dicht verschlossenen Originalverpackung; mit richtiger Temperatur brühen und nicht verlängern. 

Kaffee-Gerüchte

Die beiden Kaffee-Expertinnen Schleger und Wechselberger räumen gerne mit Gerüchten rund um ihr Lieblingsgetränk auf:

  • Kaffee macht nicht süchtig. Es fällt vielleicht schwer, darauf zu verzichten, aber eine Sucht im medizinischen Sinne ist das nicht.
  • Dunkle Bohnen sind nicht stärker und koffeinhältiger, denn je länger der Kaffee geröstet wird, desto mehr Koffein löst sich aus der Bohne.
  • Ein kleiner Mokka enthält weniger Koffein als ein Filterkaffee, denn je mehr Wasser, desto mehr Koffein.
  • Kaffee entzieht dem Körper kein Wasser. Er ist nur harntreibend. Das hat schon der Schriftsteller Franz Kafka erkannt: „Kaffee dehydriert den Körper nicht. Ich wäre sonst schon Staub.“


Mag. Lisa Ahammer

Oktober 2018


Bilder: mauritius; shutterstock

 

Kommentar

„Kaffee hat gute und schlechte Wirkungen. Bis zu vier Tassen Kaffee sind in Ordnung.“

Univ.-Prof. Dr. Irene Lang

Stv. Leiterin der Abteilung für Kardiologie, Meduni Wien

 

 

Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020