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Jugendliche prosten mit Alkohol

Teens und Alkohol – Tipps für Eltern

Wenn das eigene Kind erstmals berauscht nach Hause kommt, fallen die Eltern oft aus allen Wolken und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Hier finden Sie einige Anregungen dazu. 

Erste Erfahrungen mit Bier, Wein & Co machen Kinder heute im Durchschnitt bereits mit 12 bis 13 Jahren. Noch vor zehn Jahren lag das Alter des ersten Probekonsums bei 14 Jahren. Die erste Rauscherfahrung wird im Schnitt mit 14 bis 15 Jahren gemacht. „Während der Nachwuchs immer früher mit Alkohol in Kontakt kommt, ist der Alkoholkonsum unter 18 Jahren mengenmäßig jedoch leicht fallend. Generell trinken Burschen mehr als Mädchen, doch die Differenz wird geringer“, sagt Mag. Tobias Scheiringer, Klinischer Psychologe am Neuromed Campus Linz. 

Wenn im Folgenden von „Kind“ gesprochen wird, sind damit Mädchen und Burschen im Alter eines älteren Kindes (10 bis 13 Jahre) oder eines Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) gemeint. 

Warnsignale 

Beginnen Kinder und Jugendliche erste Versuche mit Alkohol, geschieht das meist ohne Wissen der Eltern. Der Konsum wird so lange wie möglich verheimlicht, um sich Ärger zu ersparen. Es liegt also an den Eltern, die Augen offen zu halten. Hier einige Warnsignale:

  • Der Geruch von Alkohol. Auch ohne Berauschung riecht man am Atem, ob jemand getrunken hat. Kaut das Kind plötzlich Kaugummi, wenn es abends nach Hause kommt oder putzt es sich sofort die Zähne, kann das ein Hinweise sein, dass es den Geruch überdecken will. Auch an der Kleidung kann man Alkoholausdünstungen riechen, da die Ausscheidung von Alkohol auch über die Schweißsekretion erfolgt.
  • Ebenso auffällig kann es sein, wenn einem das Kind beim Heimkommen nicht wie gewohnt begrüßt, sondern sich sofort in das eigene Zimmer zurückzieht.
  • Auch wenn das Kind plötzlich die eigene Kleidung selbst waschen will, kann das ein Hinweis auf Alkoholflecken oder -geruch sein.
  • Offensichtlicher ist es, wenn sich das Kind plötzlich für Alkohol interessiert. „Will es wissen oder weiß es sogar bereits, was er kostet, welche Getränke es gibt etc., dann ist das ein geeigneter Zeitpunkt, ein Aufklärungsgespräch zum Thema zu starten“, sagt Scheiringer. 

Nicht wegschauen! 

Wenn man als Vater oder Mutter zum ersten Mal bemerkt, dass der Sohn oder die Tochter Alkohol getrunken hat, sollte man das Thema jedenfalls ansprechen, aber ohne sofort in Anschuldigungen zu verfallen. „Natürlich wird man das Kind dann genauer beobachten, jedoch sollte man keine strikten Kontrollen einführen, sondern dem Kind das Gefühl geben, ihm zu vertrauen und ihm klarmachen, dass es in dieser Sache auch selbst Verantwortung übernehmen muss. In einem Punkt sollten Eltern aber strikt durchgreifen: Kein Alkohol unter 16 Jahren! Man sollte das Kind aufklären, wie schädlich Alkohol besonders in jungen Jahren wirkt und dass er in diesem Alter bereits bei kleinen Mengen gesundheitsschädlich ist“, sagt der Psychologe. 

Erster Rausch 

Wenn das Kind zum ersten Mal mit einem Rausch nach Hause kommt, sollte man besonnen reagieren. Als erstes sollte man sehen, ob das Kind ärztliche Hilfe braucht und wenn dem nicht so ist, es durch Schlaf ausnüchtern. Vorwürfe im Rauschzustand sind wenig sinnvoll. „Am nächsten Tag sollte man dann unbedingt über das Vorgefallene sprechen. Wie und warum ist es dazu gekommen? Am besten lässt man das Kind von sich aus erzählen, wie es passiert ist. Man sollte einen Rausch weder verharmlosen noch dramatisieren. Ist das Kind jünger als 16 Jahre, sollte man klare Position beziehen und klarmachen, dass sich das nicht wiederholen darf. Macht man sich Sorgen, weil der Alkoholkonsum des Kindes steigt und Probleme mit sich bringt und zeigen Gespräche sowie Vereinbarungen keine Wirkung, dann sollte man Hilfe bei Suchtberatungen, Psychologen und Psychotherapeuten holen“, empfiehlt Scheiringer. 

Warum Kids trinken 

Es gibt viel Gründe, warum Teenager zur Flasche greifen:

  • Sozialer Druck: Man will unter den Freunden etwas gelten, will sich profilieren als jemand, der sich etwas traut. Vor allem bei geringem Selbstwert oder einer unsicheren Persönlichkeit besteht die Gefahr, mehr zu trinken, als man selbst eigentlich möchte, da man nicht das Selbstbewusstsein hat, nein zu sagen.
  • Emotionen unterdrücken: Manche Kinder können schlecht mit ihren Gefühlen umgehen, sie können negative Emotionen schlecht ertragen und entdecken Alkohol als Mittel der Frust- und Emotionsbewältigung für sich.
  • Auch Langeweile ist mitunter ein Grund, warum Teens mit Alkohol zu experimentieren beginnen.
  • Manche finden einfach die Wirkung von Alkohol gut. Berauscht haben sie mehr Spaß, fühlen sich selbstsicher oder können sich von den Alltagssorgen distanzieren.
  • Im Rahmen der Identitätsfindung überschreiten Pubertierende häufig die Regeln, die ihnen von der Welt der Erwachsenen auferlegt werden. Auch geht es darum, eigene Grenzen kennenzulernen. Das verbotene Trinken von Alkohol ist ein Experimentierfeld, um auszuloten, wie weit man gehen kann. 

Prävention 

Soll man mit einem Kind noch vor dessen erstem Alkoholkontakt über dieses Thema sprechen? „Ja, man sollte nicht warten, bis das eigene Kind das erste Mal alkoholisiert nach Hause kommt. Am besten spricht man darüber, wenn das Kind zwischen 10 und 12 Jahre alt ist“, sagt Scheiringer. Hilfreich im Sinn einer Vorbeugung ist es auch, dem Kind eine strukturierte Tages- und Freizeitgestaltung zu bieten. Beispiele: Regelmäßiger Sport und gemeinsame Aktivitäten. 

Gesundheitliche Risiken 

Alkohol ist ein Zellgift. Je jünger der Konsument, desto schwerer fällt es dem Körper, Alkohol zu verkraften. Bereits geringe Mengen können zu Vergiftungen führen. Alkohol kann Organe und die Entwicklung des Gehirns schädigen. Zudem steigt das Unfallrisiko.

Die psychischen Folgen von frühem Alkoholmissbrauch sind gravierend. Wer regelmäßig trinkt, gewöhnt sich an Alkohol und erhöht damit das Risiko, auch in der Lebensbewältigung von seiner Wirkung abhängig werden. Trinkt man Alkohol zur vermeintlichen Problembewältigung, wird er zu einer wichtigen Strategie im Umgang mit Problemen, Emotionen und Überforderungen. Dies kann letztlich dazu führen, dass man immer wieder zum Alkohol greift, weil man in der Jugend nicht gelernt hat, sich mit Problemen auseinanderzusetzen und diese zu lösen. 

Gesetzliche Regelung 

Jugendlichen unter 16 Jahren ist in Österreich jeglicher Alkoholkonsum (und Erwerb) verboten. Die Eltern tragen die Verantwortung, dass diese Vorgabe eingehalten wird. Ab 16 Jahren ist der Erwerb und Konsum von Wein und Bier erlaubt. Spirituosen sind erst ab 18 Jahren erlaubt, das gilt auch für Mischgetränke, die hochprozentigen Alkohol (Wodka etc.) enthalten. 

Vorbildwirkung der Erwachsenen 

Wenn Eltern ständig Alkohol konsumieren, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder dieses Verhalten als normal einstufen und es früher oder später übernehmen. „Ein guter Weg wäre es, wenn Eltern, die selbst Alkohol trinken, ihren Kindern nahebringen, dass Alkohol ein Genussmittel ist, mit dem man verantwortungsvoll und bewusst umgehen sollte und dass man Alkohol in kleinen Mengen zu gewissen Anlässen trinken kann, aber keinesfalls muss. Noch wichtiger ist es ihnen zu vermitteln, dass sie Alkohol ablehnen sollen, wenn sie eigentlich nichts trinken möchten“, sagt Scheiringer.

 

Dr. Thomas Hartl

September 2019


Bild: shutterstock



Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020