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Anti-Baby-Pille

Dubiose Umfrage schafft Unsicherheit bei Pilleneinnahme

Wenn eine Statistik mit einem sehr auffälligen Ergebnis auf einer Umfrage beruht, deren Quelle trotz Nachfragen nicht offengelegt wird, dann gilt es misstrauisch zu werden. Das ist der Fall bei der Nachricht des Online-Arzt- und Apothekenshop-Portals Zava, ehemals Dr.Ed, dass 1,4 Millionen Frauen in Deutschland eine ungeeignete Pille verwenden, berichtet das Deutsche Gesundheitsportal. 

751 Frauen wurden in dieser „Studie“ befragt, welche Symptome bei ihnen während der Pilleneinnahme aufgetreten sind, von Kopfschmerz über Gewichts-Zu- oder -abnahme, unregelmäßigen Zyklus, bis zu Akne und Stimmungsschwankungen, so das Gesundheitsportal. 80 Prozent der befragten Frauen bejahten mindestens eines der Symptome. Ob diese Symptome aber auch ohne Pilleneinnahme aufgetreten wären – fast 70 Prozent aller Erwachsenen beispielsweise leiden im Lauf eines Jahres unter Kopfschmerzen – wurde nicht überprüft. Es gab auch keine Kontrollgruppe von befragten Frauen ohne hormonelle Verhütung. Dann wurde gefragt, wie viele der Frauen sich mit ihren Symptomen an einen Arzt gewandt haben. 22 Prozent der Frauen gaben an, das nicht getan zu haben, unter anderem deshalb, weil die Symptome von den Befragten selbst als unabhängig von der Pilleneinnahme angesehen wurden. Trotzdem wurde aus dieser Zahl hochgerechnet, dass 1,4 Millionen Frauen in Deutschland in Sachen Verhütung ärztlich nicht ausreichend beraten seien. 

Der Mediziner widerspricht 

„Hätte die hormonelle Verhütung so häufige Nebenwirkungen, wie die Umfrage es nahelegt, dann wären hormonelle Verhütungsmittel weder zugelassen noch so weit verbreitet“, kommentiert Dr. med. Christian Albring, Präsident des bundesdeutschen Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover. „Wir haben mehrfach bei Zava nachgefragt, wie die Frauen für die Umfrage gewonnen wurden. Zava hat das nicht offengelegt. Es ist aus unserer Sicht durchaus denkbar, dass Zava speziell Besucherinnen der eigenen Plattform angesprochen hat, möglicherweise sogar solche, die durch das Ausfüllen des Online-Fragebogens beim Online-Bestellen der Pille gut ins Konzept gepasst haben. Die Schlussfolgerungen aus der Umfrage sind so offensichtlich unwissenschaftlich und falsch, dass auf sie der Begriff ‚Fake News‘ zutrifft.“

Das ausführliche Statement des Präsidenten des Berufsverbandes der Frauenärzte und seine grundsätzliche Kritik an der Umfrage sind auf der Homepage des Berufsverbandes der Frauenärzte veröffentlicht.

 

Mag. Christian Boukal / DeutschesGesundheitsPortal/ bvf.de

September 2019


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020