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Schwangere

Zytomegalievirus

Schwangere und Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem sollten sich vor einer Infektion mit dem Zytomegalievirus schützen. Für alle anderen Menschen ist er ungefährlich und ohne Bedeutung. 

Das Zytomegalievirus (abgekürzt CMV) gehört zur Familie der Herpes-Viren. Das CMV ist weltweit verbreitet. Infektionen sind auch hierzulande sehr häufig, Untersuchungen von Blutspendern und schwangeren Frauen deuten darauf hin, dass mindestens die Hälfte der Bevölkerung infiziert ist. 

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Übertragung durch Körperflüssigkeiten 

Die Verbreitung des Virus ist deshalb so hoch, weil es durch Körperflüssigkeiten aller Art (Speichel, Urin, Tränen, Küsse, sexuelle Kontakte) leicht übertragbar ist und bislang kein Impfstoff zur Verfügung steht.

In großen Mengen ausgeschieden werden diese Viren vor allem durch Säuglinge und Kleinkinder bis zum dritten Lebensjahr, die die Viren an andere Kinder und Erwachsene weitergeben. „Viele Kinder stecken sich in Krabbelstuben und Kindergärten an, das ist völlig normal und absolut ungefährlich“, beruhigt Dr. Helmut J.F. Salzer, Internist und Infektiologe an der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum Linz. 

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Symptome 

Ein intaktes Immunsystem kann das Virus zwar nicht immer am Eindringen in den Körper hindern, aber die Infektion geht in der Regel ohne erkennbare Symptome vor sich. Maximal treten leichte grippeähnliche Beschwerden auf. 

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Zwei Risikogruppen 

Für die meisten Menschen bleibt eine Infektion mit dem CMV ohne Folgen und bedeutet damit auch keinerlei Gefahr einer Erkrankung. Es gibt jedoch zwei Risikogruppen, die sich vor dem Virus schützen sollten:

  • Schwangere Frauen, besonders im ersten Drittel der Schwangerschaft
  • Schwer immunsuppremierte Menschen, das sind Personen, bei denen das Immunsystem stark herabgesetzt funktioniert. 
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Schwangerschaft 

Nicht alle schwangeren Frauen brauchen sich wegen des Virus Gedanken machen. Rund die Hälfte aller Schwangeren hatten bereits vor der Schwangerschaft Kontakt mit dem Virus. Das ist gut, denn für diese Frauen besteht keinerlei Gefahr für das Kind im Bauch. Das Immunsystem hat sich bereits auf das Virus eingestellt und die Schwangere ist dadurch geschützt. Dieser Schutz geht auch auf das Ungeborene über.

Eine wirkliche Gefahr für das Ungeborene stellt nur eine Primärinfektion des Ungeborenen dar. Primärinfektion bedeutet, dass die Schwangere vor der Schwangerschaft noch nicht mit dem Virus in Kontakt getreten ist („seronegativ“) und sich erstmals während der Schwangerschaft damit ansteckt. Da ihr Körper in diesem Fall noch nicht die Möglichkeit hatte, Antikörper zu bilden, ist auch das Ungeborene zu diesem Zeitpunkt gegen das Virus ungeschützt.

Vor allem eine Primärinfektion im ersten Drittel der Schwangerschaft bedeutet eine Gefährdung des Embryos. Möglich sind in diesem Fall Hörschäden, Wachstumsverzögerungen, Entwicklungsstörung des Gehirns, geistige Behinderung.

„Doch auch hier muss man relativieren. Die Zahl der Kinder, die später tatsächlich Probleme durch das Virus davontragen, ist zum Glück niedrig, denn nur ein Drittel infiziert sich an der Erstinfektion der Mutter. Von diesem Drittel haben etwa 20 Prozent das Risiko, Langzeitschäden zu entwickeln. Es ist daher wichtig, darauf hinzuweisen, dass die Wahrscheinlichkeit, ein gesundes Kind zu bekommen, deutlich höher liegt“, sagt Salzer.

Mögliche Folgen einer Infektion bemerkt man meist erst Monate oder Jahre nach der Geburt, etwa wenn sich das Kind nur langsam entwickelt. Ein Nachweis, dass das CMV dafür verantwortlich war, ist schwierig. 

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Aufklärung wichtig 

Es ist wichtig, dass „seronegative“ Schwangere hinsichtlich des Virus und dessen Übertragungsrisiko aufklärt werden. Dies gilt vor allem für beruflich exponierte Schwangere (z.B. Mitarbeiterinnen in Kindergärten und Krabbelstuben). Sie sollten ihren CMV-Antikörperstatus kennen. Eine Schutzimpfung existiert leider nicht. „Man weiß aber aus Studien, dass das strikte Einhalten von Hygienemaßnahmen, wie das konsequente Händewaschen, eine ebenso banale wie wirkungsvolle Schutzmaßnahme ist. Ebenso wichtig ist es, dass man keine Angst vor dem Virus entwickelt, Hysterie ist fehl am Platz. Man sollte sich die Freude an der Schwangerschaft nicht trüben lassen“, rät Salzer. 

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Vorbeugende Maßnahmen 

Schwangeren (besonders im ersten Drittel der Schwangerschaft) und Menschen mit stark herabgesetzten Immunsystem (s. u.) werden folgende vorbeugenden Maßnahmen empfohlen:

Hände waschen: Nach einem möglichen Kontakt mit Körperflüssigkeiten (z.B. Urin, Speichel) von Säuglingen und Kleinkindern oder nach Kontakt mit Gegenständen, mit denen diese in Kontakt waren, sollte man sich die Hände mit warmem Wasser und Seife gründlich waschen. Das Waschen der Hände sollte möglichst sofort nach dem Kontakt geschehen, bevor man sich also mir einer Hand, auf der sich die Viren befinden können, selbst ins Gesicht fasst und den Viren damit die Möglichkeit gibt, durch die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den eigenen Körper einzudringen. „Wenn man die Handhygiene streng einhält, reduziert sich die Gefahr einer Ansteckung deutlich, das ist durch Studien belegt“, sagt Salzer.

Beispiele: Wenn eine Schwangere einem Baby die Windeln wechselt, Kinderspielzeug berührt, einem Baby den Mund wäscht, Besteck, Teller oder Trinkgefäße eines Kleinkindes berührt, sollte sie sich danach die Hände waschen.

Hände desinfizieren: „Seronegative“ Schwangere mit beruflichem Kontakt zu Säuglingen und Kleinkindern wird empfohlen, sich die Hände nicht nur mit Wasser und Seife zu waschen, sondern ein Mittel mit antiviralem Wirkstoff zu verwenden. „Während normalerweise eine Reinigung mit Wasser und Seife ausreicht, ist bei schwangeren Mitarbeiterinnen in Krabbelstuben und Kindergärten eine Desinfektion der Hände sehr sinnvoll“, hält Salzer fest. 

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Auf CMV testen lassen 

Frauen, die schwanger sind oder werden wollen, können sich auf CMV testen lassen. Der Bluttest zeigt, ob ein Schutz für sich und den kommenden Nachwuchs besteht. Solche Tests werden in aller Regel nicht routinemäßig durchgeführt, sondern man muss selbst aktiv werden. 

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Risiko vermindertes Immunsystem 

Zur zweiten Risikogruppe zählen Menschen mit stark verminderten Immunsystem. Das liegt bei Menschen vor, die zum Beispiel eine Chemotherapie erhalten oder wegen einer Stammzellentherapie schwer immunsupprimierenden Medikamente zu sich nehmen müssen. Auch AIDS-Patienten oder Empfänger einer Organtransplantation können betroffen sein.

Sogenannte Immunsuppressiva – das sind Medikamente, die das Immunsystem herabsetzen – werden auch bei vielen anderen Erkrankungen eingesetzt (zum Beispiel bei Rheuma). Sie vermindern das Immunsystem zumeist aber nicht in einem solchen Ausmaß, dass die Betroffenen deshalb in diese Risikogruppe der schwer immunsupprimierten Personen fallen würden.

Werden dagegen schwer immunsupprimierte Menschen mit CMV infiziert, kann das Virus schwere Probleme bereiten und die Organe befallen. Mehrheitlich ist die Lunge betroffen, schwere Lungenentzündungen sind keine Seltenheit. Auch in Magen-Darm-Trakt, Gehirn, Rückenmark oder Augen kann es zu einer Infektion kommen. Therapiert wird mit Virostatika, das sind Medikamente, die das Wachstum von Viren hemmen können.

 

Dr. Thomas Hartl

Februar 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 24. Februar 2020