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Herzoperation

Neuartiger Eingriff zur Reparatur von Herzklappenprothesen

Biologische Herzklappenprothesen sind einem Alterungsprozess unterworfen. Wenn eine Herzklappenprothese nicht mehr richtig funktioniert, dann ist eine neuerliche Herzoperation wegen der Vernarbungen im Brustkorb und des fortgeschrittenen Alters mit einem höheren Risiko verbunden. Eine neue Methode wurden im Februar 2020 erstmals am Klinikum Wels-Grieskirchen durchgeführt. 

Durch die Weiterentwicklung minimalinvasiver Methoden kann eine neue Herzklappenprothese heute auch von der Leiste aus – ohne Eröffnung des Brustkorbes – direkt in eine alte Prothese implantiert werden. Eine neue Methode zur „Reparatur“ der alten Herzklappe stellt die sogenannte „BASILICA‐Prozedur“ dar. Der etwas sperrige Name „Bioprosthetic or native Aortic Scallop Intentional Laceration to prevent Iatrogenic Coronary Artery obstruction“ kann etwa – auch nicht viel griffiger – mit Bioprothesen- oder AortenklappenSegel Interventionelle Lazeration (beabsichtigter Riss) zur Vorbeugung Iatrogenen (behandlungsbedingten) Coronar-Arterien-Verschlusses übersetzt werden. Sie wurde am Klinikum Wels-Grieskirchen am 7. Februar 2020 erstmalig in Österreich durchgeführt. 

Die im Februar operierte 78‐jährige Patientin hat vor vielen Jahren eine biologische Aortenklappenprothese erhalten. Die wurde damals im Rahmen einer Herzoperation eingesetzt. Über die Zeit ist es sowohl zu einer erneuten Verengung als auch zu einer Durchlässigkeit der Prothese gekommen, was sich bei der Patientin durch Luftnot und Brustschmerzen bemerkbar gemacht hat. 

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Es gilt abzuwägen 

Die Situation der Patientin wurde im interdisziplinären „Heart Team“ bestehend aus Herzchirurgen und Kardiologen besprochen. Das Team kam zum Schluss, dass eine erneute Operation am offenen Herzen für die Patientin ein zu hohes Risiko darstellen würde. „Aufgrund der speziellen Situation der Herzkranzgefäße der Patientin war auch eine minimalinvasive direkte Implantation einer neuen Herzklappenprothese in die alte Prothese mit einem zu hohen Risiko für eine Durchblutungsstörung des Herzens verbunden“, erläutert Prim. Priv.-Doz. Dr. Ronald Binder, Leiter der Kardiologie und Intensivmedizin, am Klinikum Wels‐Grieskirchen. 

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Neuartige Vorgehensweise 

Um die minimalinvasive Implantation einer neuen Herzklappenprothese, also mittels Kathetertechnik ohne Eröffnung des Brustkorbes zu ermöglichen, wurde von den Herz‐ und Gefäß‐Spezialisten beschlossen, ein neuartiges Prozedere („BASILICA‐Prozedur“) anzuwenden. In einem mehrstündigen vielschichtigen Eingriff hat das Team der Kardiologie Wels diesen Eingriff erfolgreich vorgenommen. „Es wurden von beiden Leisten und dem rechten Handgelenk aus fünf Katheter eingeführt und vorübergehend zwei Filter in die Halsschlagadern eingesetzt“, erklärt Binder das Vorgehen. „Danach wurden zwei Segel der alten Herzklappenprothese am schlagenden Herzen durchtrennt und schließlich von der Leiste aus eine neue Herzklappe in die alte Prothese implantiert“, so der Spezialist. 

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Neue Hoffnung für Patienten mit alten Klappenprothesen 

Der Patientin ging es nach dem Eingriff gut und sie konnte wenige Tage darauf das Krankenhaus verlassen. Dieser neuartige minimalinvasive Eingriff – in Fachkreisen unter „Doppel‐BASILICA-Prozedur“ bekannt – ermöglicht mittels Modifikation der alten Herzklappenprothese, eine neue Prothese in die bestehende einzusetzen. Diese innovative Vorgehensweise ist ein weiterer Schritt in der minimalinvasiven Behandlung von Herzklappen und eine neue Hoffnung für Patienten mit alten Herzklappenprothesen. 

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Mechanische und biologische Herzklappenprothesen 

Man unterscheidet zwei Arten von Herzklappenprothesen: Mechanische, die großteils aus Metall bestehen, und biologische Klappen. Diese unterscheiden sich nicht nur in der Lebensdauer, sondern auch in einigen weiteren Punkten, was immer eine individuell auf den Patienten abgestimmte Auswahl erforderlich macht. Eine mechanische Prothese hat zwar eine sehr gute Haltbarkeit, weswegen sie bei jüngeren Patienten eingesetzt wird, sie erfordert aber eine lebenslange Blutverdünnung. Biologische Herzklappenprothesen haben im Vergleich eine weniger lange Haltbarkeit, doch sie machen keine starke Blutverdünnung nötig, weswegen diese bei älteren Patienten vorteilhaft sind.

 

Mag. Christian Boukal / Klinikum Wels‐Grieskirchen

März 2020

 

FOTO: © Klinikum Wels‐Grieskirchen

Zuletzt aktualisiert am 16. März 2020