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Frau hält Deos in der Hand

Aluminium in Lebensmitteln und Verbrauchsprodukten

Zahnpasta, Instant-Tee und Sonnencreme – Verbraucher können potenziell gesundheitsschädliche Aluminiumverbindungen aus den verschiedensten Quellen aufnehmen. 

In einer kürzlich veröffentlichten Stellungnahme hat das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nun erstmals die Gesamtaufnahmemenge für unterschiedliche Altersgruppen (Säuglinge, Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene) abgeschätzt und gesundheitlich bewertet, berichtet die deutsche Ausgabe der Medizinplattform medscape.com. Dabei hat sich gezeigt, dass der gesundheitliche Richtwert in allen Altersgruppen leicht überschritten werden kann. 

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Kosmetika, Teegetränke und Schokolade – so gelangt Aluminium in den Körper 

Bei der Risikobewertung legte das BfR die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) abgeleitete tolerierbare wöchentliche Aluminiumaufnahmemenge (TWI-Wert – Tolerable Weekly Intake) von einem Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht zugrunde.

Die Mehrheit der Bevölkerung – Jugendliche und Erwachsene – schöpfen demnach im Durchschnitt über Lebensmittel bereits die Hälfte des TWI-Werts aus. Der Haupteintrag kommt dabei aus Instant-Tee-Getränken mit einem Anteil von 11 Prozent an der Gesamtaufnahme. Weitere relevante Quellen sind zubereitete Rohkostsalate, Teegetränke und Kakao- und Schokoladenerzeugnisse sowie Mehrkornbrot.

Kommen dann noch Aluminium-Aufnahmen aus Kosmetika oder Kochutensilien wie unbeschichteten Aluschalen oder Backblechen hinzu, ist der TWI-Wert schnell überschritten. 

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Richtwert wird leicht überschritten – in allen Altersgruppen 

Besondere Risikogruppe schöpfen den gesundheitlichen Richtwert bereits über den Verzehr von Lebensmitteln oder durch ihre Verhaltensweise komplett aus. Dazu zählen etwa Säuglinge, die nicht gestillt werden, und Kleinkinder, die spezielle Soja-basierte, lactosefreie oder hypoallerge Säuglingsnahrung erhalten. Wenn dann noch eine Aluminiumaufnahme aus Kosmetika wie Sonnenmilch hinzukommt, kann der TWI-Wert um bis zum 3,5-fachen überschritten werden. Ähnliches gilt für Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren, die hohe Mengen an aluminiumhaltigen Lebensmitteln verzehren.

Auch junge Frauen, die über Kosmetikprodukte hohe Mengen an Aluminium aufnehmen, gehören zu den Risikogruppen. Aluminiumsalze werden zum Beispiel als Aluminiumchlorohydrat wegen der schweißhemmenden Wirkung in Antitranspiranten eingesetzt. Aber auch als Farbpigment in Lippenstiften und in Form von Aluminiumfluorid in Zahnpasta kann der Stoff zur Anwendung kommen. Hohe Mengen an Aluminium können auch in Zahnpasten mit Weißeffekt enthalten sein. 

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Plazentagängig 

Da Aluminium sehr lange im Körper gespeichert wird und auch plazentagängig ist, könnten bei einer Schwangerschaft die ungeborenen Kinder ebenfalls einer erhöhten Konzentration an Aluminium ausgesetzt sein. Jede Aluminiumaufnahme aus einer vermeidbaren Expositionsquelle über einen längeren Zeitraum sollten junge Frauen aus Sicht des BfR daher kritisch abwägen. 

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Dauerhaft hohe Belastung reduzieren 

Eine hohe Aufnahme von Aluminium und seinen Verbindungen kann, so das BfR, unter anderem neurotoxische Entwicklungsstörungen sowie Schäden an Nieren, Leber und Knochen verursachen. Das Institut stellt in dem Zusammenhang jedoch klar, dass eine kurzfristige Überschreitung eines TWI-Werts noch nicht gleich eine Gesundheitsgefährdung darstellt. Um das Risiko einer dauerhaft hohen Aluminiumaufnahme zu reduzieren, empfiehlt das BfR u.a.:

  • Den sparsamen Umgang mit aluminiumhaltigen Antitranspiranten und aluminiumhaltigen Zahnpasten.
  • Für Lebensmittel rät das Institut, sich abwechslungsreich zu ernähren sowie Produkte und Marken zu wechseln. Das könne dazu beitragen, dass das Risiko einer dauerhaft hohen Aluminiumaufnahme durch einzelne hochbelastete Produkte reduziert wird.
  • Von der Zubereitung und Lagerung von insbesondere sauren und salzigen Lebensmitteln in unbeschichteten Aluminiumgefäßen oder Alufolie rät das BfR generell ab.
  • Außerdem empfiehlt das BfR – auch aus anderen Gründen –, wenn möglich, das ausschließliche Stillen von Säuglingen in den ersten sechs Lebensmonaten.

Bei Reduzierung der genannten und vermeidbaren Einträge seien für die meisten Verbraucherinnen und Verbraucher gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht zu erwarten, so das BfR. 

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Verschiedene Unsicherheiten 

Das Institut stützt sich bei seiner Abschätzung der Aluminiumaufnahme aus Lebensmitteln auf die aktuellsten Verzehrs- und Gehaltsdaten in Deutschland: Diese werden mittels Verbraucherbefragung erhoben und geben Auskunft darüber, welche Lebensmittel und wie viel davon von den verschiedenen Verbrauchergruppen gegessen werden. Die verwendeten Gehaltsdaten zeigen, wie hoch die Aluminiumgehalte durchschnittlich in den verschiedenen Lebensmittelkategorien sind.

Für Nicht-Lebensmittelprodukte wie Kosmetika oder Verpackungen liegen ebenfalls Daten zu Aluminiumgehalten in den Produkten vor. Zudem wurden typische Anwendungsformen und -mengen betrachtet.

Das BfR räumt in seiner Stellungnahme allerdings ein, dass noch hohe Unsicherheiten bei der Risikobewertung bestehen. Denn wichtige Daten würden noch fehlen oder unterschiedlich interpretiert werden können. Dies betrifft beispielsweise die Frage, wie viel Aluminium tatsächlich über die Haut (z.B. aus Sonnencremes) aufgenommen wird, sowie das mögliche Auftreten bestimmter Langzeitfolgen einer chronischen Aluminiumexposition.

 

Der gesamte Artikel wurde am 21. Februar 2020 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal / medscapemedizin.de

April 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 17. April 2020