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Mann arbeitet mit Laptop und Kaffeetasse

Coronavirus: Mythen und Fakten

Rund um das Coronavirus gibt es viele Ratschläge. Etliche davon sind Falschmeldungen und unbestätigte Gerüchte. Einen Fakten-Check macht medizin-transparent.at, das unabhängige Online-Service von Cochrane Österreich an der Donau-Universität Krems. 

Um sich vor dem Coronavirus zu schützen, gibt es zahlreiche Ratschläge. Sie finden sich auf Webseiten, werden in sozialen Netzwerken gepostet oder von Freunden und Verwandten weitergeleitet. Was davon auf Fakten beruht und was unbelegte Gerüchte sind, ist nicht immer einfach zu erkennen, berichtet medizin-transparent.at

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Belegte und überprüfte Informationen 

Als belegte und geprüfte Ratschläge, um sich und andere zu schützen, betrachtet Cochrane Österreich die Informationen auf

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Unseriöse Information oder Geschäftemacherei

  • Unseriös: Kolloidales Silber gegen Coronavirus, Bakterien & Co
    Webseiten bewerben kolloidales Silber als „natürliches“ Mittel gegen das Coronavirus und andere Krankheitserreger. Diese Behauptungen sind unseriös. Ob kolloidales Silber Infektionen mit dem Coronavirus und andere Krankheiten heilen kann oder vorbeugend wirkt, ist nie in aussagekräftigen Studien untersucht worden. Behauptungen zur Wirksamkeit von Silberwasser sind daher aus der Luft gegriffen. Gesichert ist hingegen, dass kolloidales Silber die Haut blau-grau verfärben kann, wenn die Metallpartikel-Lösung getrunken wird.
  • Vitamin C gegen Coronavirus: Kein Beleg für Wirksamkeit
    Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise zu Vitamin C und dem neuen Coronavirus. Derzeit wird eine Studie mit Intensivpatienten in China durchgeführt. Mit Ergebnissen ist nicht vor Ende 2020 zu rechnen. Wird das Vitamin hochdosiert geschluckt, kann das jedoch Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit zur Folge haben. Hohe Vitamin-C-Mengen könnten zudem das Risiko für Nierensteine und Nierenstörungen erhöhen.
  • Falsch: Homöopathie gegen Coronavirus
    Es gibt keine Hinweise darauf, dass Globuli vor dem neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2) schützen können. Wissenschaftlich ist das nie untersucht worden. Studien zu anderen viralen Erkrankungen, wie etwa Schnupfen, zeigen jedoch: Eine heilende Wirkung von Homöopathie ist nicht nachgewiesen. Ob Globuli gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 etwas ausrichten können, ist wissenschaftlich nie überprüft worden. Zur Wirksamkeit der Homöopathie im Allgemeinen hat Cochran Österreich bereits einen Beitrag veröffentlicht. Fazit: Anhand der verfügbaren wissenschaftlichen Studien geht das Institut derzeit davon aus, dass homöopathische Mittel selbst keine Wirkung haben. Jedenfalls nicht mehr als ein Scheinmedikament, das gänzlich frei von Wirkstoffen ist. Die Wirkungslosigkeit von Homöopathie ist besonders gut für Erkältungskrankheiten belegt, also für Infektionen mit Viren.
  • Gefährlich: MMS ist kein Wundermittel
    Das vermeintliche „Wundermittel“ MMS ist nichts anderes als Chlorbleiche. Die Abkürzung steht für „Miracle Mineral Supplement“. Weltweit warnen Fachleute davor, MMS einzunehmen. In etlichen Fällen hat das Mittel schwere Vergiftungen ausgelöst. Behauptungen über eine heilende Wirkung sind unhaltbare Gerüchte. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Substanz gegen Autismus, Malaria, Krebs, Aids oder Hepatitis wirksam ist oder gegen eine Infektion mit dem Coronavirus (Covid-19) hilft.
  • Unbelegt: Gurgeln mit Wasserstoffperoxid
    Es gibt keine Hinweise darauf, dass Wasserstoffperoxid (H2O2) als Gurgellösung einer Infektion mit dem Coronavirus vorbeugt oder dagegen hilft. Auch gegen Halsschmerzen und gewöhnliche Erkältungen wurde das nie wissenschaftlich untersucht. Wird Wasserstoffperoxid geschluckt oder eingeatmet, kann das allerdings gesundheitliche Folgen haben. Für die Anwendung im Mund wird es üblicherweise zu einer 3-prozentigen Lösung verdünnt. Gelangt die Gurgellösung versehentlich in die Luftröhre oder wird sie geschluckt, drohen Schleimhautschäden und Magenbeschwerden. Es gibt sicherere Präparate, mit denen es sich im Erkältungsfall gurgeln lässt.

 

Mag. Christian Boukal / Medizin-transparent

April 2020


Bild: shutterstock


 

Zuletzt aktualisiert am 14. April 2020