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Obst und Gemüse

Verdauung entlasten, ohne zu fasten

Im Frühling nimmt die Motivation zum Fasten, Abnehmen und Reinigen Fahrt auf. Auch wenn Studien, dem Vollfasten einen gesundheitsfördernden Aspekt zusprechen, ist es nicht jedermanns Sache etwa eine Woche lang auf feste Nahrung zu verzichten. Auch ein regelmäßiger Entlastungstag oder vorwiegend basische Kost gönnen unserer Verdauung Zeit zur Regeneration. 

Eine Fastenwoche bewirkt eine Veränderung im Stoffwechsel, stärkt das Immunsystem und hilft Übergewicht abzubauen. Auch Allergien und chronische Magen-Darm-Störungen können sich verbessern. „Der größte Fastennutzen wird aus ärztlicher Sicht erreicht, wenn anschließend an die Fastenwoche eine einmonatige Ernährungsumstellung etwa mit glutenfreier bekömmlicher und basischer Kost eingehalten wird. Auf Dauer wird sich eine Verbesserung bei Beschwerden nur einstellen, wenn man seine Essgewohnheiten langfristig verändert und auch regelmäßige Bewegung in seinen Alltag einplant“, erklärt die Allgemeinmedizinerin und Kneipp Kurärztin Dr. Margarethe Fließer vom Curhaus in Bad Mühllacken.

Vollfasten ist für Schwangere, Stillende, Kinder, Menschen mit Essstörungen, psychisch Kranke und alle, die schwer unterernährt sind oder sich in einem Erschöpfungszustand befinden, kontraindiziert. Nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall, darf man erst nach mindestens drei Monaten an eine sanfte Form des Fastens denken. Krebskranke, Diabetiker oder andere Menschen mit chronischen Erkrankungen, sollen immer mit dem Arzt abklären, ob sie fasten dürfen. 

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Urlaub für den empfindlichen Darm

Intensives Fasten sollte mit Entschleunigung verbunden sein und ist neben der Arbeit nicht sinnvoll. Wer dem Verdauungstrakt neben dem Job Regeneration gönnen will, kann das zum Beispiel mit einer leichten, betont pflanzlichen und bekömmlicher Kost tun. Diese ist besonders für Menschen mit empfindlicher Verdauung geeignet.

Falsche Kost, Stress und hektisches Schlingen bekommt unserem Darm nicht gut. Denaturierte Kost, billige Fette, Fast-Food, einseitige Diäten etc. bringen oftmals Mangelerscheinungen und Verdauungsprobleme wie Völlegefühl, Sodbrennen, Verstopfung, Gastritis mit sich. Die heilsame Kost ist frisch, biologisch, saisonal, regional, einfach und glutenfrei. Gut kauen, abwechslungsreich zu würzen und in Muße zu essen. „Mindestens ein Monat lang muss man diese Kostumstellung beibehalten, um einen nachhaltigen Effekt zu erzielen. Danach soll man zu 80 Prozent ausgewogen basisch essen. Natürlich darf auch gesündigt werden. Das Essen soll immer ein sinnlicher Genuss bleiben“, sagt Fließer.

Wird der Darm entlastet, stärkt das auch die Selbstheilungskräfte des Körpers.

„Ich rate eher zu drei Mahlzeiten, sodass man dazwischen ein Hungergefühl entwickelt und der Körper dann die aufgenommenen Nährstoffe gut aufspaltet und verwertet“, sagt Fließer, die auch die Angst vor Fetten nimmt. Der Nahrungsbrei bleibt durch Nahrungsfett länger im Magen, wodurch er besser anverdaut wird, was den Darm bei der Aufspaltung der Nährstoffe unterstützt. Man sollte hochwertige Fette/Öle wie etwa Lein-, Raps-, Hanf- und Olivenöl, verwenden. 

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Kriterien der bekömmlichen Kost

  • Milch und Milchprodukte reduzieren. Milchfett in Form von Butter, Obers und Butterschmalz ist gut verträglich. Sojaprodukte eher meiden.
  • Der sensible Darm braucht Streicheleinheiten in Form von weich gekochtem, gebratenem, gedünstetem oder gedämpftem Gemüse.
  • Obst als Kompott oder Mus essen.
  • Gut verträglich sind glutenfreie Getreidesorten wie Reis, Mais/Polenta, Hirse und Buchweizen.
  • Fleisch (Geflügel) maximal ein- bis zweimal pro Woche in kleiner Portion (=handtellergroß) auftischen.
  • Salz sehr sparsam verwenden, lieber frische Kräuter und Gewürze verwenden. 
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Anti-Aging mit Basenkost 

Eine Basenfastenkur oder vorwiegend basische Dauerkost hilft den Säure-Basenhaushalt auszubalancieren, verringert freie Radikale, kurbelt Hormon- und Immunsystem an. Wer täglich zu viel tierisches Eiweiß und zu wenig basisches Obst und Gemüse isst, produziert einen erheblichen Säureüberschuss im Körper. Limonade und Cola, Bewegungsmangel, Stress, Rauchen, zu viel Kaffee und Alkohol, süße Sünden, auch Leistungssport und Schlafmangel, tun das Ihre zu einer latenten Übersäuerung. Diese belastet die Nieren und kann sich mit Infektanfälligkeit, Hautunreinheiten, Abgeschlagenheit, brüchigen Nägeln, Sodbrennen, Verstopfung, depressiver Verstimmung und Kopfschmerzen zeigen.

Der Organismus hat Puffersysteme, um den ph-Wert des Blutes konstant zwischen 7,36 und 7,44 zu halten. Bei latenter Übersäuerung holt sich der Körper Mineralstoffe aus den Knochen, was auf Dauer zu Mikronährstoffmangel und Osteoporose führen kann. 

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Einteilung der Nahrungsmittel 

Basenbildend

  • Kartoffeln
  • Obst, Dörrobst, Mandeln
  • Rohe Milch, Obers
  • Mineralwasser ohne CO2
  • Gemüse (Wurzel-, Blatt und Wildgemüse)
  • Gewürzkräuter

Neutral

  • Leitungswasser
  • Butter, Tofu, Schafmilch, Kokosmilch
  • Walnüsse, Erdnüsse
  • Preiselbeeren
  • Naturbelassene, hochwertige Öle (Oliven-, Distel- Raps- Hanf- und Sonnenblumenöl)
  • Vollkorngetreide, Honig, Hülsenfrüchte

Säurebildner

enthalten selbst keine Säuren, lassen sie aber bei der Verstoffwechselung entstehen:

  • Zucker, Bohnenkaffee, Limonaden, Alkohol


Säurelieferanten

bringen einen Überschuss an sauren Mineralstoffen wie Phosphor, Schwefel, Chlor, Jod, Fluor oder Silizium und manche erzeugen im Stoffwechselprozess zusätzlich Säuren.

  • Geflügel, Wild, Fleisch und Innereien
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Eier (der Dotter ist basisch)
  • Käse (besonders Schmelzkäse), Topfen
  • hochprozentiger Alkohol
  • Milchprodukte
  • Obst- und Gemüsekonserven
  • gehärtete, raffinierte Fette, Margarine

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Empfehlungen für den vorwiegend basischen Alltag

  • Einmal Obst, Gemüse und Salat pro Tag essen
  • Regelmäßig bewegen, weil dabei säurebildendes Kohlendioxid abgeatmet wird
  • Wenig Eiweiß, mehr hochwertiges Fett und Kohlehydrate (Obst, Gemüse, Getreide)
  • Ballaststoffreich mit hohem pflanzlichem Anteil essen, wenig salzen
  • Einfach, regional und saisonal kochen
  • Zu viel Fleisch, Fisch, Hartkäse, Überbackenes, Frittiertes, Gebratenes, Konserviertes, Fertiggerichte meiden
  • Für Koffeinliebhaber: Espresso ist bekömmlicher als Kaffee miG_ Milch und Zucker
  • Ausreichend trinken (Wasser, Kräutertees, gut verdünnte Fruchtsäfte)


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Entlastungstage 

Ein Reis- oder Obsttag kann Teil eines Entspannungswochenendes sein und hilft das Gewicht zu kontrollieren. 


Vitamintag

Man darf über den Tag verteilt, drei Kilo Obst und/oder Gemüse zu sich nehmen. Gute Kombination sind etwa frischer Spargel und Erdbeeren oder Melonen. Wer es verträgt, kann einen Teil als Rohkost zu sich nehmen.

Frühstück: Teller frischer Früchte oder warmes Fruchtmus.

Mittag: Obstteller oder eine große Schüssel Salat mit kalt gepresstem Oliven- oder Leinöl, Naturessig oder Zitronensaft essen. Dem Dressing kein Salz, dafür aber Kräuter und Sonnenblumen- oder Kürbiskerne zugeben.

Wer keine Rohkost mag, kann saisonales Gemüse dünsten.

Abend: Wieder Rohkost oder gedünstetes Gemüse oder eine klare Gemüsesuppe mit frischen Kräutern essen.

 

Reistag – für sensible Verdauung besonders zu empfehlen

150 g Naturreis als Tagesration kochen. Den Reis auf drei Mahlzeiten aufgeteilt mit gedünstetem Apfelkompott oder Mus süß essen bzw. mit Gemüse pikant genießen.

 

Kartoffeltag

600 bis 700 g Kartoffel auf drei Mahlzeiten am Tag aufteilen. Man kann sie als Pell- oder Ofenkartoffel zubereiten. Zu den Kartoffeln kann man gedünstetes Gemüse genießen oder sie mit frischen Kräutern schnabulieren.

 

Ein Leberwickel macht Entlastungstage noch effektiver, weil er die Durchblutung des Organs und somit die Entgiftung fördert. Außerdem entspannt er.

Anleitung für Leberwickel: Ein Badetuch auf dem Bett ausbreiten. Dann ein Handtuch zuerst der Breite und dann der Länge nach falten. Den Mittelteil in warmes Wasser tauchen und Handtuch auswringen. Eine Wärmflasche in das Handtuch einschlagen und das Paket mit der feuchten Seite auf den rechten Oberbauch legen. Sich auf das Badetuch drauflegen und zur Fixierung herumwickeln.

Gut zudecken und mindestens 30 Minuten ruhen, bevor man den Wickel abnimmt. Man kann das Baumwolltuch/Handtuch für den Wickel auch in einem Kräutersud, etwa aus Schafgarbe, tränken.


Mag. Christine Radmayr

Oktober 2020


Bild: shutterstock



Zuletzt aktualisiert am 09. Oktober 2020