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Obst und Gemüse und Hanteln

Gewichtsreduktion für eine fitte Leber

Gewichtsreduktion, körperliche Aktivität und eine leichte, gesunde Mischkost bringen eine schlappe Leber wieder in Form. Und natürlich das Weglassen von Alkohol. Blitzdiäten machen keinen Sinn, dauerhafte Verbesserungen der Lebensgewohnheiten hingegen sind der Schlüssel zum Erfolg. 

Eine leistungsfähige Leber ist für die Gesundheit des Menschen unerlässlich. Sie ist das größte Organ und wiegt rund 1,5 Kilogramm. An die zweitausend Liter Blut strömen im Lauf des Tages durch sie hindurch. Das Blut mitsamt seiner unzähligen Inhaltsstoffe wird in der Leber gefiltert und weiterverarbeitet. Nährstoffe werden umgewandelt und gespeichert, schädliche Substanzen wie Toxine, Alkohol und Medikamente in verträgliche Stoffe umgewandelt und ausgeschieden.

Damit die Leber all die Jahre ihre ständigen Höchstleistungen erbringen kann, darf sie durch einen abträglichen Lebensstil nicht dauerhaft geschwächt werden. Diese Schwächung schlägt sich in den ersten Jahren in Form einer Fettleber nieder. Diese kann durch zu viel Alkoholkonsum und/oder durch Übergewicht verursacht werden. Dabei lagert sich immer mehr Fett in der Leber ein, wodurch diese träge wird und mit der Zeit immer weniger ihre Aufgaben erfüllen kann. Dieser Verlauf bleibt meist unbemerkt, da er keine Schmerzen oder andere deutliche Symptome verursacht. Erst wenn die Leber sehr stark geschädigt ist, treten Erkrankungen wie Leberzirrhose oder Leberkrebs auf. 

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Gewicht reduzieren 

Der wichtigste Schritt, die Leber fit zu machen ist es, Übergewicht zu vermeiden. Schleppt man über längere Zeit zu viel Kilos mit sich herum, was vor allem bei einem Body-Mass-Index über 30 der Fall ist, hat man mit Sicherheit bereits eine Fettleber entwickelt. Es wird geschätzt, dass ein Drittel bis die Hälfte aller erwachsenen Österreicher eine Fettleber hat. Alarmierend ist, dass auch immer mehr Jugendliche und sogar Kinder davon betroffen sind. 

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Regelmäßige Bewegung 

Körperliche Aktivität, Bewegung und Sport sind die einzigen Möglichkeiten, überflüssige Kalorien abzubauen, um damit das Körpergewicht zu reduzieren und die Fettleber abzubauen. Dabei spielt die Regelmäßigkeit eine entscheidende Rolle. „Am besten absolviert man täglich zumindest 30 Minuten Sport. Wenig hilfreich ist es dagegen, wenn man nur am Wochenende bei Schönwetter trainiert. Denn sporadische Aktivität beeinflusst das Körpergewicht kaum und hilft daher auch nicht der Leber“, sagt Prim. Dr. Bernhard Mayr, Leiter der Abteilung für Innere Medizin am Salzkammergut-Klinikum in Gmunden. 

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Essen und Trinken 

Generell wird eine gesunde Mischkost oder auch eine Mittelmeerdiät empfohlen. Der Schwerpunkt der Ernährung sollte pflanzenbasiert sein, diese sollte also viel (v.a. rohes) Gemüse und Obst enthalten, möglichst regional und biologisch. Fertiggerichte und Fastfood sollten gemieden werden. Süßspeisen sollten in Maßen genossen werden, mit Zucker gilt es generell sehr sparsam umzugehen.

In der Werbung und in vielen Medienberichten werden einzelne Nahrungsmittel als besonders förderlich für die Leber angepriesen. Das betrifft zum Beispiel Kurkuma, Zitronen, Leinöl und Knoblauch. „Das Hervorheben einzelner Lebensmittel ist zwar beliebt, wichtiger ist aber, sich generell und dauerhaft gut zu ernähren“, sagt Mayr.

 

Wasser statt Bier: Man sollte viel Wasser trinken, täglich mindestens ein bis zwei Liter. Bier, Wein und anderer Alkohol ist bekanntermaßen Gift für die Leber und sollte möglichst gemieden werden.

Kaffee: Ob Kaffee schlecht für die Leber ist, darüber gibt es differenzierende Meinungen. „Ein bis zwei Tassen Kaffee pro Tag dürften ihr jedenfalls nicht schaden“, sagt der Internist.

Nahrungsergänzungsmittel: Heilpflanzen wie Löwenzahn und Mariendistel haben eine positive Wirkung, sie können als Tee oder in Form von Nahrungsergänzungsmittel zu sich genommen werden. „Aber auch sie können eine gute Ernährung nicht ersetzen. Eine Kombination von gesundem Essen und Trinken und der Einnahme solcher Präparate ist in Ordnung. Wenn aber jemand meint, dass ihm ein paar Bier am Abend nicht schaden, weil er am Morgen Mariendistel zu sich nimmt, dann ist das ein gewaltiger Irrtum“, so Mayr.

Fruchtzucker: Fruchtzucker kann schädlich sein, muss er aber nicht. So ist der Verzehr von Obst nicht schädlich, man kann und soll es regelmäßig essen, da Obst viele positive gesundheitliche Effekte hat. Ganz anders sieht die Sache aus, wenn man Fruchtzucker in flüssiger Form zu sich nimmt. High-Fructose-Sirup kann schädlich für die Leber sein. „Man sollte von solchem Maissirup unbedingt die Finger lassen. Auch in Smoothies ist extrem viel Fruchtzucker enthalten. Generell sollte man keine gesüßten Getränke wie etwa Limonade, Cola, Eistee etc. trinken, sie sind Kalorienbomben “, sagt der Internist.

Der Low-Carb-Irrtum: Diäten, die Kohlenhydrate weitgehend meiden und stattdessen weitgehend auf Eiweiß und Fett setzen, sind für die Leber nicht gesund, im Gegenteil, es gilt als sicher, dass sie ihr schaden. Da Fett sehr kalorienreich ist, sollte man mit Fetten in der Ernährung sehr sparsam umgehen und tierische Fette möglichst meiden. 

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Fasten kontra generelle Ernährungsgewohnheiten 

Fastentage, Fastenwochen, Fastenkuren, Intervallfasten – Fasten und Kuren haben eine lange Tradition und sind auch heute noch beliebt. Ob die zeitlich befristete Reduktion von Nahrung für die Leber eine positive Wirkung hat, beurteilt Primar Mayr folgendermaßen: „Wenn man nur einmalig ein paar Tage fastet und danach wieder schlecht und viel isst, hat das kaum einen Effekt. Auch bringt es nichts, wenn man ein paar wenige Tage keinen Alkohol trinkt und das Ende dieser Abstinenz mit umso mehr Alkohol feiert. Fasten in welcher Form auch immer bringt nur dann etwas, wenn man es regelmäßig macht, sich dabei seiner Lebensführung immer bewusster wird, und in diesem Sinne seinen Lebensstil nachhaltig verbessert. Denn nur das langfristige Weglassen von Schädlichem und das dauerhafte Etablieren von Fördernden ist der Schlüssel zum Erfolg. Nur dadurch verliert man Kilos, entlastet die Leber und auch alle anderen Organe. Wer es dagegen mit einer radikalen Blitzdiät oder ähnlichem versucht, erleidet in der Regel Schiffbruch.“ 

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Weitere Maßnahmen, um die Leber fit zu machen 

Nicht Rauchen, keine Drogen. Viele der in Zigaretten und allen anderen Drogen enthaltenen Giftstoffe gelangen in die Leber, um dort gefiltert zu werden. Das belastet das Organ zusätzlich, das ohnehin schon mit der Entgiftung von Umweltgiften und Schadstoffen aus der Ernährung ständig in hohem Ausmaß gefordert wird.

Genug schlafen. Ausreichender und erholsamer Schlaf ist günstig für die Leber. Durchschnittlich braucht der Mensch acht Stunden Schlaf; keinesfalls sollte man regelmäßig weniger als sechs Stunden schlafen. Während des Schlafes kann die Leber ohne störenden Input von außen ihre Aufgaben erledigen (Toxine entfernen etc.).

Entspannt leben. Eine bewusste, entspannte Lebensführung bringt auch der Leber einen Vorteil. Denn gestresste Menschen ernähren sich oft von Fastfood, trinken Energydrinks und zu viel Kaffee, und zur Entspannung häufig Alkohol, und sie bewegen sich wenig. Das alles sind Faktoren, die zu Übergewicht und einer Fettleber führen.

 

Dr. Thomas Hartl

Juni 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 15. Juni 2020