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Frau legt die Hand auf die Brust

Kein erhöhtes Risiko durch Blutdrucksenker bei COVID-19

Bestimmte Blutdrucksenker standen in der letzten Zeit unter Verdacht, das COVID-19-Risiko zu erhöhen. Wissenschaftler stellten Anfang Mai 2020 im New England Journal of Medicine in einer Studie fest, dass weder ACE-Hemmer noch Angiotensin-Rezeptor-Blocker das Sterberisiko von COVID-19-Patienten erhöhten, berichtet Das Deutsche Gesundheitsportal. Anders sah es bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, COPD und Rauchen aus. 

Wer zählt bezüglich der Coronavirus-Pandemie zur Risikogruppe? Diese Frage ist von besonderer Bedeutung und wird umfangreich untersucht. Es ist bereits bekannt, dass bestimmte Vorerkrankungen das Risiko erhöhen und dass COVID-19 schwer verlaufen kann. Auch bestimmte Medikamente sind in den Geruch gekommen, das Risiko zu erhöhen – allen voran ACE-Hemmer. Wissenschaftler aus den USA gingen diesem Verdacht nach und führten eine entsprechende Studie durch. 

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Daten von COVID-19-Krankenhauspatienten analysiert 

Um an die Daten von COVID-19-Patienten zu gelangen, nutzten die Wissenschaftler eine internationale Datenbank (Surgical Outcomes Collaborative). Die Patienten, deren Daten in die Analyse einflossen, wurden in 169 verschiedenen Krankenhäusern in Asien, Europa und Nordamerika behandelt. Für die Analyse nutzten die Wissenschaftler nur die Daten von abgeschlossenen Fällen. Das bedeutet, dass die Patienten, die zwischen dem 20. Dezember 2019 und dem 15. März 2020 ins Krankenhaus aufgenommen wurden, bis zum 28 März 2020 entweder gestorben sind oder das Krankenhaus verlassen konnten. Dies traf auf 8910 COVID-19-Patienten zu. 515 von ihnen verstarben (5,8 Prozent) und 8395 Patienten konnten das Krankenhaus verlassen. Die Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Erkrankungen bzw. deren Behandlung mit dem Risiko, im Krankenhaus zu sterben. 

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Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhten das Sterberisiko 

Die Wissenschaftler identifizierten Faktoren, die das Risiko, im Krankenhaus zu sterben, erhöhten: Dazu gehörte ein höheres Alter. Patienten, die älter als 65 Jahre alt waren, verstarben nämlich signifikant häufiger (10 Prozent) als Patienten, die 65 Jahre oder jünger waren (4,9 Prozent). Aber auch Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems erhöhten das Risiko. Patienten, die an einer koronaren Herzkrankheit (KHK) litten, hatten statistischen Analysen zufolge ein 2,7-mal so hohes Sterberisiko wie Patienten ohne eine solche Erkrankung. Auch Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen erhöhten das Risiko – und zwar um das 2,5-Fache bzw. um das 2-Fache. 

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Rauchen und COPD erhöhten ebenfalls das Sterberisiko 

Doch nicht nur die Herz-, sondern auch die Lungengesundheit hatte einen Einfluss auf das Sterberisiko der COVID-19-Patienten. So hatten COPD-Patienten im Vergleich zu Patienten ohne COPD statistischen Analysen zufolge ein 3-mal so hohes Risiko, im Krankenhaus zu sterben. Rauchen erhöhte ebenfalls das Sterberisiko. 9,4 Prozent der Raucher verstarben im Vergleich zu 5,6 Prozent der Patienten, die entweder nie oder früher geraucht hatten. 

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Weder ACE-Hemmer noch Angiotensin-Rezeptor-Blocker erhöhten das Sterberisiko 

Die Einnahme bestimmter Blutdrucksenker erhöhte hingegen nicht das Risiko der COVID-19-Patienten, im Krankenhaus zu sterben. Das galt sowohl für ACE-Hemmer als auch für Angiotensin-Rezeptor-Blocker. 

Herz-Kreislauf-Erkrankungen, COPD und Rauchen erhöhten somit das Risiko, an COVID-19 zu sterben. Anders sah es bei bestimmten Blutdrucksenkern aus, die in letzter Zeit in Verruf geraten waren. Weder ACE-Hemmer noch Angiotensin-Rezeptor-Blocker erhöhten das Sterberisiko der Patienten, die mit COVID-19 im Krankenhaus lagen.

 

Mag. Christian Boukal / DeutschesGesundheitsPortal.de

Mai 2020


Bild: shutterstock



Zuletzt aktualisiert am 20. Mai 2020