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Mann raucht schwangere Frau

Weltnichtrauchertag: Auch Passivrauchen in der Schwangerschaft gefährlich

In Österreich rauchen 20 bis 30 Prozent aller Schwangeren, obwohl die gesundheitlichen Auswirkungen auf das ungeborene Kind bekanntermaßen drastisch sind. Nicht nur das Risiko für Komplikationen und die Wahrscheinlichkeit einer Früh- oder Totgeburt sind durch das Rauchen signifikant erhöht. 

Aus einer US-amerikanischen Studie der Pennsylvania State University vom Dezember 2019 geht hervor, dass Kinder ein erhöhtes Risiko für Hyperaktivität und Verhaltensprobleme aufweisen, wenn in ihrer Umgebung geraucht wird. Sogar passiver Rauch schädigt also das Kind im Bauch der Mutter, warnen Experten des Pyhrn-Eisenwurzen Klinikums Steyr anlässlich des Weltnichtrauchertags am 31. Mai. 

In der aktuellen Studie, an der über 1.000 Kinder teilnahmen, wurde ein Stoffwechselprodukt im Speichel der Kinder untersucht. Es konnte ein Effekt der Nikotinbelastung auf die laufende Gehirnentwicklung in Regionen, die Hyperaktivität und Impulsivität beeinflussen, nachgewiesen werden. Prim. Dr. Oliver Wagner, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde: „Viele Folgen des Rauchens in der Schwangerschaft zeigen sich erst später im Kindesalter. Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft geraucht haben, leiden zudem häufiger an Infektionen, Atemwegserkrankungen, Allergien, Diabetes und Augenerkrankungen. Auch das Krebsrisiko, beispielsweise für Blut- oder Nierenkrebs, ist bei ihnen höher.“ 

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Nikotin: Gift für Kind und Mutter 

Rauch enthält ungefähr 4.000 giftige und krebserregende Substanzen, unter anderem Kohlenmonoxid, Benzol, Blei und Kadmium. Die möglichen Folgen des Nikotinkonsums für den Embryo sind umfangreich. Univ.-Prof. Prim. DDr. Hermann Enzelsberger, Leiter der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Pyhrn-Eisenwurzen Klinikum Kirchdorf Steyr, betont: „Was vielen werdenden Müttern nicht bewusst ist: Auch Passivrauchen in der Schwangerschaft beeinflusst die Gehirnentwicklung von Babys und Kleinkindern. Die Auswirkungen auf die geistige und körperliche Entwicklung können massiv sein.“

Auch das Risiko für plötzlichen Kindstod in den ersten Lebensmonaten ist bei Kindern rauchender Mütter eindeutig erhöht. Außerdem erschwert die durch das Rauchen verursachte Schadstoffkonzentration in der Gebärmutterschleimhaut die Befruchtung und Einnistung einer Eizelle. „Wer also plant, schwanger zu werden, sollte daher schon frühzeitig zu rauchen aufhören“, Enzelsberger. 

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Pflaster und E-Zigarette keine Alternative 

Nikotinpflaster oder E-Zigaretten sind keine Alternative zu einem Rauchstopp. Denn Nikotin ist ein Nervengift, das unabhängig von der Art der Aufnahme wirkt. Unterstützung bieten sanfte Methoden wie Akupunktur oder Hypnose. Rat und Hilfe bekommen Frauen bei ihrer behandelnden Ärztin beziehungsweise ihrem behandelnden Arzt. Im Idealfall sollte auch der Partner im gemeinsamen Haushalt aufhören zu rauchen, damit der Rauchstopp einfacher wird. Außerdem haben Nikotinablagerungen auf der Kleidung und in der Wohnung eine gesundheitsschädigende Wirkung.

„Die Gesundheit des Kindes sollte der oberste Wunsch sein. Eine langfristige Raucherentwöhnung der Eltern lohnt sich in jedem Fall“, machen die beiden Experten einhellig Mut.

 

Mag. Christian Boukal / OÖGesundheitsholding

Mai 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 03. Juni 2020