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Hände desinfizieren statt waschen

Hände desinfizieren statt waschen

Beim Betreten des Supermarkts oder anderer Einrichtungen wird momentan jeder dazu aufgefordert, sich ausführlich die Hände zu desinfizieren. Ist es jedoch ratsamer, sich – gerade zu Hause – lieber die Hände zu waschen anstatt gleich zum Desinfektionsmittel zu greifen? Die Reinigung mit Seife strapaziert die Haut mehr als Händedesinfektionslösungen, erklärt ein Spezialist der Universitätsklinik Erlangen.

„Eine Händedesinfektion ist sinnvoller als das Händewaschen – sowohl hinsichtlich der Hautirritationen als auch in Anbetracht der Tatsache, dass die Zahl der Krankheitserreger auf der Haut durch Desinfizieren deutlich besser reduziert wird“, erklärt Dr. Andreas Maronna, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Hautklinik des Universitätsklinikum Erlangen. 

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Ein Vergleich 

Zum Vergleich: Eine 30-sekündige, korrekt durchgeführte Händedesinfektion mit einer ausreichenden Menge der Lösung verringert die Anzahl der potenziell infektiösen Keime, abhängig von ihrer Art, etwa 100- bis 1.000-fach so gut wie ein 30-sekündiger Waschvorgang mit Seife. 

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Hautbarriere weggespült 

„Durch Händewaschen mit Seife werden die hauteigenen Fette ab- und ausgewaschen. Dadurch nimmt die Hautbarriere auf Dauer Schaden und die Haut reagiert teilweise mit Entzündungen, um potenzielle Eindringlinge wie Bakterien, Pilze oder Viren abzuwehren“, erklärt der Dermatologe. „Der in Desinfektionsmitteln enthaltene Alkohol löst zwar ebenfalls die Fette aus der Haut, diese werden jedoch nicht wie beim Händewaschen mit Seife weggespült, sondern beim Einmassieren des Desinfektionsmittels in die Haut ebenfalls wieder ‚zurückmassiert‘. Außerdem enthalten Händedesinfektionsmittel mitunter pflegende und rückfettende Substanzen.“ Diese Bestandteile unterstützen die Haut dabei, ihre natürliche Barriere zu bewahren und wiederaufzubauen, damit das Organ seine Schutzfunktion weiterhin erfüllen kann. 

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Keine Flächendesinfektion verwenden 

Der Dermatologe rät jedoch dringend davon ab, Flächendesinfektionsmittel anstatt spezieller Händedesinfektionsprodukte zu verwenden: „Einige Hersteller weisen sogar darauf hin, dass während der Reinigung mit ihren Produkten Schutzkleidung zu tragen ist – insbesondere geeignete Handschuhe.“ 

Um der Hautbarriere möglichst wenig zu schaden, lassen sich sensitive bezeihungsweise milde Seifen verwenden, denn Kernseifen führen zu einem stärkeren Austrocknungseffekt. Daneben finden sich in Drogerien auch sogenannte Arzt- oder antibakterielle Seifen. „Mitunter enthalten diese Seifen zwar bakterienhemmende Zusätze. Diese haben jedoch keinen nennenswerten Nutzen, da sie zu gering dosiert sind“, erklärt Maronna. „Letztlich wirken alle Seifen antibakteriell, da wir uns mit ihnen Keime von der Hautoberfläche abwaschen.“ Das dauerhafte Tragen von Latex- oder Nitrilhandschuhen ist daneben auch keine Lösung, weil sich unter den Handschuhen der Schweiß der Hände staut und somit eine Art feuchte Kammer entsteht. Diese wirkt ebenfalls irritierend auf die Haut und begünstigt Handekzeme. 

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Hautpflege ist essenziell 

Sich mehrmals täglich die Hände einzucremen, ist die effektivste Maßnahme, um trockener Haut entgegenzuwirken. Prinzipiell sind fettbasierte Produkte wie Salben, Repair- oder Fettcremes besser rückfettend wirksam als wasserbasierte. Cremes, Lotionen oder Hautmilch sind dagegen deutlich einfacher in den Alltag zu integrieren, weil sie – anders als fettere Substanzen – schneller einziehen und keinen Ölfilm hinterlassen. „Bevor die Hautpflege aufgrund der Praktikabilität komplett unterbleibt, sollten Sie als Kompromiss lieber ein weniger fettes Produkt verwenden als gar keins“, rät Maronna. „Achten Sie bei der Wahl der Creme auf den Inhaltsstoff Urea, er gibt der Haut zusätzlich Feuchtigkeit zurück. Vorsicht geboten ist jedoch bei bestimmten pflanzlichen Substanzen wie der Ringelblume – Calendula kann mitunter kontaktallergische Reaktionen auslösen“, so der Experte. Sollten Rötung, Schuppung oder Hauteinrisse an den Händen trotz guter Pflege nicht innerhalb von ein bis zwei Wochen vergehen, sollte ein Hautarzt zu Rate gezogen werden.

 

Mag. Christian Boukal / Uni Erlangen

Juli 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 03. Juli 2020