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Cellulitebehandlung

Cellulite – was tun gegen Orangenhaut?

Cellulite ist kein Schicksal. Auch wenn die Veranlagung eine gewisse Rolle spielt, ist der Lebensstil entscheidend, ob sich die unerwünschten Dellen auf Beinen und Po zeigen oder nicht. Mit einem Bündel an Maßnahmen lassen sich Verbesserungen erzielen. 

Cellulite ist eine nicht entzündliche Veränderung des Unterhautfettgewebes. Nicht nur Übergewichtige sind von Cellulite betroffen, auch schlanke Menschen leiden mitunter an dieser Erscheinung, die man umgangssprachlich Orangenhaut nennt. Diese Erhebungen (Dellen) sind übergroße Fettzellen, die vom Bindegewebe nicht mehr in der Unterhaut gehalten werden. Sie blockieren den Abfluss von Lymphe und Blut und das Gewebe schwillt an.

Cellulite tritt fast ausschließlich bei Frauen auf, weil diese einen anderen Hautaufbau aufweisen als Männer. Bei Frauen sind die Stränge des Bindegewebes feiner und auch grobmaschiger geknüpft als bei Männern. Durch diese groben Maschen können sich die Fettzellen nach außen durchwölben und kleine Kuppen bilden. Verstärkt wird dies durch die Fähigkeit weiblicher Fettzellen, sich bis zum Zehnfachen ihres Volumens aufzublähen. Dies führt dazu, dass auch Wasser in die betroffenen Hautpartien eingelagert wird. 

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Schon Jugendliche mit Orangenhaut 

Cellulite zeigt sich vor allem an Beinen und Po. Je nach Erscheinungsbild wird Cellulite in vier Schweregrade eingeteilt. Während manche Frauen nur wenige und kaum sichtbare Hautunebenheiten aufweisen, haben andere starke bis sehr starke Dellen. Die Grade drei und vier sind meist mit Adipositas verbunden.

Betroffen sind fast ausschließlich Frauen, wobei sich das Problem häufig schon bei Jugendlichen zeigt. „Oft haben schon 16-jährige Mädchen große Probleme mit Orangenhaut, diese Probleme zeigen sich also nicht erst in mittleren Jahren“, sagt Dr. Sabine Wied-Baumgartner, Allgemeinärztin in Linz. 

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Diagnose 

Im Arztgespräch werden primär die Lebensgewohnheiten ermittelt. Was isst die Patientin, wie viel bewegt sie sich? „Wichtig ist auch, ob der Lymphfluss in Ordnung ist. Unter Umständen ist ein pathologischer Prozess im Gang. Das muss man mit einem Blutbild abklären. Zum Beispiel, ob die Schilddrüse in Ordnung ist oder ob sich vielleicht Zysten auf den Eierstöcken befinden. Manchmal ist auch ein Hormontest sinnvoll“, so Wied-Baumgartner. 

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Ursachen 

Orangenhaut ist geprägt von genetischer Veranlagung, jedoch beeinflusst der Lebensstil das Ausmaß des Auftretens erheblich. „In manchen Fällen spielen die Gene sicher eine große Rolle. Dies ist dann der Fall, wenn sich eine Betroffene sehr gut ernährt und auch viel Sport betreibt, aber alles nichts nützt. In den meisten Fällen ist Orangenhaut aber ein Lifestyle-Problem“, sagt Wied-Baumgartner. 

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Dauerhafte Änderung des Lebensstils 

Dauerhafte Erfolge erzielt man mit einer dauerhaften Lifestyleverbesserung. Zusätzlich sind Maßnahmen nötig, die die Durchblutung der Haut und den Lymphfluss vorantreiben. Sollte man übergewichtig oder gar adipös sein, ist Gewichtsreduktion unerlässliche Voraussetzung im Kampf gegen Cellulite.

Ernährung: Die richtige Ernährung ist unverzichtbarer Baustein einer schönen Haut. „Es ist wirklich schlimm, wie schlecht sich Teenager und junge Frauen ernähren. Manche von ihnen sporteln zwar, aber das nützt ihnen wenig, wenn sie sich von Fastfood und Cola ernähren“, warnt Wied-Baumgartner.

Um Einlagerungen im Bindegewebe durch eine falsche Ernährung zu vermindern, sollten Zucker und Fett reduziert, Softdrinks völlig weggelassen, Alkohol vermieden, Salz durch Gewürze ersetzt werden. Generell sollte viel Wasser getrunken, Obst, Gemüse und Salate gegessen werden. „Positiv wirkt auch Fasten, das entgiftet den Körper und hilft auch bei Cellulite“, sagt die Ärztin.

Bewegung und Sport: Ebenso wichtig ist Sport. Denn Bewegung sorgt für eine bessere Durchblutung, verbrennt Kalorien und trainiert die Muskulatur unter den Fettzellen, wodurch das Gewebe straffer wird.

Am besten wirkt eine Kombination aus Ausdauersport und Muskelaufbau. Muskelaufbau sollte unbedingt die Problemzonen umfassen, also Beine, Bauch und Po. Die Ausdauer kann man auch Indoor trainieren, etwa auf einem Hometrainer, Ergometer etc. „Schwimmen ist eine hervorragende Möglichkeit, sein Gewebe zu straffen. Hier zeigen sich oft beachtliche Erfolge“, so die Ärztin.

Dabei ist Geduld gefragt: Von heute auf morgen wird man Cellulite auch mit dem härtesten Training nicht los. Straffung, Fettabbau und Muskelaufbau ist ein Prozess, der sich über Wochen und Monate erstreckt. 

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Weitere Maßnahmen 

Folgende Maßnahmen fördern die Durchblutung und Straffung des Bindegewebes. Massagen; manuelle Lymphdrainagen; Cellulite-Massage-mit Bürsten; mit Massagehandschuh unter der Dusche die gewünschten Stellen rubbeln; Wechselduschen und Kneippen. Kontraproduktiv ist ausgedehntes, heißes Baden.

Ob Cremes helfen, darüber gibt es verschiedene Meinungen. „Manche Kollegen sagen, sie helfen überhaupt nicht, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem koffeinhaltige Cremes durchaus positive Effekte haben, weil sie die Durchblutung anregen“, sagt die Ärztin. 

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Kombination statt Einzelaktion 

Es ist die Summe der Maßnahmen, die Änderung des Lebensstils, die letztendlich den Erfolg bringen. Sport alleine wird ebenso wenig ausreichen, wie ständig nur zu bürsten. Man muss mehrere Dinge tun, und zwar so viele wie möglich. Unentbehrlich sind aber vor allem zwei Dinge: Die richtige Ernährung plus körperliche Bewegung.

Alle hier angeführten Maßnahmen wirken so lange, wie man sie auch durchführt. „Dran bleiben, weitermachen, neue, bessere Gewohnheiten dauerhaft etablieren, das ist der Schlüssel für nachhaltig schönere Haut“, empfiehlt Wied-Baumgartner. 

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Therapien 

Haben all die genannten Maßnahmen keine sichtbaren Verbesserungen bewirkt, stehen verschiedene therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung. Diese sind jedoch zum Teil mit beträchtlichen Kosten verbunden und der Effekt hält nur begrenzte Zeit.

Schröpfen: Dabei wird die Durchblutung angeregt und die Lymphfließgeschwindigkeit erhöht. „Das ist schmerzfrei und wirkt erstaunlich gut“, erläutert die Ärztin. Eine moderne Art des Schröpfens nennt sich Pneumatische Pulsationsmassage, wobei eine hohe Schwingungsfrequenz erzeugt wird, um das Lymphsystem anzuregen und die Blutzirkulation zu beschleunigen.

Mesotherapie: Mit feiner Nadel werden Wirkstoffe in die betroffenen Bereiche injiziert. „Eine gute Möglichkeit, die Lymphe in Schwung zu bringen. Hier zeigen sich schöne Erfolge bei Cellulite mit Grad eins und zwei“, sagt Wied-Baumgartner.

Lipolyse (Fett-weg-Spritze): Häufig wird die Mesotherapie mit einer Lipolyse kombiniert, um einen intensiveren lokalen Fettabbau zu erreichen. „Ich injiziere dabei ein natürliches Soja-Lezithin. Die Haut wird dabei im behandelten Bereich gestrafft und die Fettdepots werden nach und nach mobilisiert und ausgeschieden“, so die Ärztin.

Celfina: Minimalinvasiver Eingriff, bei dem Bindegewebsfasern gelockert werden. „Bei manchen, eher schlanken Frauen wirkt das gut. Diese Methode passt jedoch nicht, wenn man adipös ist.“

Laser: Kurzfristig gute Erfolge möglich, nicht nachhaltig.

Wellentherapie: Akustische Wellen werden in die betroffenen Körperzonen eingeleitet. „Dadurch wird der Abbau von Fettmolekülen beschleunigt. Die Sache ist schmerzfrei, es sind aber einige Sitzungen nötig, um Erfolge zu sehen“, sagt Wied-Baumgartner.

Fett absaugen: Invasiver Eingriff. Nicht nachhaltig, sobald man sich wieder falsch ernährt, nimmt man wieder an Gewicht zu und der Effekt geht verloren.

 

Eines haben all diese Maßnahmen gemein: Da Cellulite nicht krankheitswertig ist, werden die Behandlungskosten von keiner Krankenversicherung übernommen und müssen aus eigener Tasche bezahlt werden.

Diese Maßnahmen haben nur dann Sinn, wenn langfristig Übergewicht durch diätische und sportliche Maßnahmen abgebaut wird. Erfolgt dies nicht, wird der Erfolg ein kurzfristiger sein, der mit viel Geld und möglichen Nebenwirkungen erkauft wird.

 

Dr. Thomas Hartl

August 2020


Bild: shutterstock


 

Zuletzt aktualisiert am 12. August 2020