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Ältere Frau sitzt im Gras und ist zu heiß

Hitzeperioden können Blutdruckprobleme verstärken

Bis zur Hälfte der Österreicher kennen ihren Blutdruck nicht. Dabei ist bei jedem fünften Erwachsenen in Österreich der Blutdruck zu hoch. Für Bluthochdruckpatienten sollte die Selbstmessung täglicher Begleiter sein. Vor allem im Sommer müssen Hypertoniker ihre Werte achtsam kontrollieren, weil die Gefäße auf die hohe Temperatur reagieren. Aber auch Menschen mit sehr niedrigem Blutdruck könnten im Sommer zum Beispiel vermehrt unter Schwindel und Abgeschlagenheit leiden. 

Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine Volkskrankheit, die oft zufällig festgestellt wird, weil sie lange keine Beschwerden macht. Ab 70 sind zwei von drei Personen Hypertoniker. Menschen mit Bluthochdruck, Herz- und Lungenerkrankungen, aber auch allen, die unter ihrem niedrigen Blutdruck leiden, können Hitzeperioden, die auch in Österreich keine Seltenheit mehr sind, zu schaffen machen.

Der Blutdruck ist bei den meisten Menschen im Sommer niedriger als im Winter, weil Hitze die Gefäße erweitert, was bei Gesunden meist kein Problem darstellt. Doch Menschen, die unter Hypertonie leiden, müssen diesen Effekt berücksichtigen. Wer blutdrucksenkende Medikamente einnimmt, soll seinen Blutdruck deshalb unbedingt regelmäßig im Auge behalten. Sinkt er zu weit ab, drohen Schwindel, Schwäche und im schlimmsten Fall ein Kreislaufkollaps.

Daher bei ersten Anzeichen den Hausarzt oder behandelnden Internisten informieren, um eventuell die Dosis der Medikamente wie Blutdrucksenker und Entwässerungsmittel (Diuretika) vorübergehend zu reduzieren. Bei einzelnen „Hundstagen“ im Sommer ist eine Anpassung der Dosis meist nicht notwendig.

Hypertoniker sollen vor Reisen in den Süden notwendige Kontrolluntersuchungen durchführen lassen und Medikation sowie Verhalten in heißen Gefilden mit dem Arzt besprechen.

Steigen die Temperaturen von einem auf den anderen Tag um mehr als fünf Grad, erhöht sich die Gefahr eines Herzinfarkts für Menschen mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen um rund 60 Prozent. Verantwortlich dafür sind meist Herzrhythmusstörungen, ausgelöst durch die Hitze.  

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Gefäße weniger elastisch 

„Der Organismus älterer Menschen kann sich in vielen Fällen nicht mehr so gut und rasch an Temperaturschwankungen anpassen. Jenseits von 75 Jahren sind die Gefäße bei vielen Menschen nicht mehr so elastisch, oftmals arteriosklerotisch verändert. Im Sommer kommt dazu, dass durch den Flüssigkeitsverlust beim Schwitzen, weniger Volumen da ist und da können sich Blutdruckschwankungen mehren. Daher rate ich älteren Hypertonikern die Blutdruckmedikamente eher abends einzunehmen“, sagt Primar Michael Berger, Internist und ärztlicher Leiter des Krankenhauses Sierning, das auf Altersmedizin spezialisiert ist.  

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Verhaltenstipps für Hypertoniker 

Folgende Tipps gelten besonders, aber nicht nur, für Hypertoniker:

  • Flüssigkeits- und Elektrolytmangel ausgleichen: Bei großer Hitze verliert der Körper viel Flüssigkeit und Elektrolyte wie Kalium und Magnesium. Dieser Mangel lässt sich durch ausreichendes Trinken ausgleichen. Besonders gut geeignet sind (Mineral)Wasser und etwa gespritzter Apfelsaft, aber nicht eiskalt. Auf Alkohol lieber verzichten, denn er fördert die Flüssigkeitsausscheidung zusätzlich. Patienten mit Herzschwäche sollen den Arzt befragen, welche Flüssigkeitsmenge sie im Sommer zuführen dürfen.
  • Sportliche Aktivitäten anpassen: Auch im Sommer darf Sport betrieben werden, denn das hilft den Blutdruck dauerhaft zu senken. Bei Hitze aber kürzer treten. Die Bewegungseinheit auf die frühen Morgenstunden oder den Abend legen.
  • Für Abkühlung sorgen: Moderate Abkühlung – damit ist kein Sprung ins eiskalte Wasser gemeint - entlastet das Herz. Regelmäßig kühle Räume (Vorsicht bei Klimaanlagen) oder einen schattigen Platz aufsuchen. Eine lauwarme Dusche tut ebenfalls gut.
  • Die richtige Kleidung wählen: Lockere, atmungsaktive Kleidung ist optimal.
  • Leichte Kost: Zu üppige und fette Mahlzeiten belasten den Körper unnötig. Daher mehrere kleine Portionen und leichte Kost mit frischem Obst und Gemüse essen. An heißen Tagen darf es auch für Hochdruckpatienten etwas mehr Salz sein als üblich, weil man durch das Schwitzen Salz verliert. 
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Risikofaktor niedriger Blutdruck 

„Niedriger Blutdruck ist keine Krankheit, dennoch gibt es Menschen, die unter ihrer Hypotonie leiden. Für die Patientengruppe mit primär essentieller Hypotonie gibt es therapeutisch, sprich medikamentenmäßig, nur wenig Hilfe“, sagt Berger. Er rät Senioren mit niedrigem Blutdruck (Hypotonie) und zusätzlichen Krankheiten, ihre Medikamentenliste vom Hausarzt kontrollieren zu lassen, ob Mittel darunter sind, die den Blutdruck zusätzlich senken, wie etwa bestimmte Antidepressiva. Auch das Tragen von Kompressionsstrümpfen kann sinnvoll sein.

Von Hypotonie spricht man, wenn der Blutdruck bei Männern dauerhaft unter 110/60 mmHG und bei Frauen unter 100/60 mmHg liegt. Niedriger Blutdruck schädigt – anders als hoher Blutdruck – keine Organe und ist meistens nicht pathologisch oder gefährlich, höchstens unangenehm.

Vor allem das Gehirn wird bei zu niedrigem Blutdruck nicht ausreichend mit Blut versorgt. Symptome der Kreislaufschwäche können sein: Schwindel, „Schwarzwerden“ vor den Augen, Zittern, Kopfschmerzen, Kältegefühl und Kribbeln in den Fingern und Füßen, Mattigkeit, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmung, Stiche in der Herzgegend, Schlafstörungen und/oder Konzentrationsschwäche. Stark Betroffene neigen zum Kreislaufkollaps (Synkope, kurze Bewusstlosigkeit), der sich mit Ohrensausen, Schweißausbruch, schnellem Puls und Herzklopfen anzeigen kann. Dann heißt es, sich so rasch wie möglich hinzulegen und Beine hochzulagern. Damit lässt sich die Ohnmacht oftmals verhindern. Wer öfter unter Synkopen leidet, muss diese auf jeden Fall ärztlich abklären lassen, weil sie durch andere Erkrankungen wie zum Beispiel eine Herzrhythmusstörung verursacht sein können und adäquat behandelt werden müssen.

Neben Hitze machen sich auch Wetterumschwünge, zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, langes Stehen und Bewegungsmangel bei Menschen mit niedrigem Blutdruck besonders bemerkbar. Schwangere, Jugendliche im Wachstum, sehr schlanke und große Frauen, aber auch ältere Menschen haben vermehrt niedrigen Blutdruck.

Man unterscheidet verschiedene Formen der Hypotonie:

  • Primär niedriger Blutdruck (essenzielle Hypotonie): Kommt am häufigsten vor. Man findet keine pathologische Ursache; kann erblich bedingt sein.
  • Sekundär niedriger Blutdruck: Er ist Folge einer anderen Krankheit wie Schilddrüsenunterfunktion oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Starker Durchfall, starker Flüssigkeitsmangel oder Blutverlust sowie Medikamente können ebenso für eine vorübergehende Blutdrucksenkung verantwortlich sein.
  • Orthostatisch niedriger Blutdruck: Er tritt bei Lageveränderung auf, etwa beim schnellen Aufstehen aus dem Liegen. Das Blut sackt in die Beine und das Gehirn wird kurzzeitig mit zu wenig Sauerstsoff versorgt. Folge können Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen oder im schlimmsten Fall ein Kreislaufkollaps sein. Schlanke, junge Frauen oder auch Senioren sind häufiger davon betroffen. 
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Kreislauf in Schwung bringen 

Tipps für kreislaufschwache Menschen, um ihre Gefäße zu trainieren:

  • Morgens langsam aus dem Bett kommen. Vorher im Liegen ein paar Dehnungsübungen machen oder „radfahren“.
  • Wechselduschen trainieren Kreislauf/Gefäße (mit kaltem Strahl beenden) und Bürstenmassagen (kreisend und zum Herzen hin) fördern die Durchblutung.
  • Regelmäßig Sport betreiben. Nicht jede Sportart ist gleich gut geeignet. Extremes Krafttraining ist zum Beispiel nicht empfehlenswert. Es treibt den Blutdruck rasch hoch und danach fällt er wieder ab. Dieses Auf und Ab kann Schwindel und Übelkeit auslösen. Ausdauersport wie Schwimmen, Radfahren, zügiges Nordic Walken, Tanzen etc. sind ein optimales Kreislauftraining.
  • Kneippkur und Saunabesuche.
  • Wer lange stehen muss, kann zwischendurch Übungen durchführen, die die Durchblutung anregen, wie etwa mit den Füßen vom Ballen auf die Zehen wippen.
  • Ausreichend Wasser trinken, ausreichend Salz zuführen.
  • Der Hausarzt kann Kompressionsstrümpfe verordnen.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten am Tag essen.
  • Wenig Alkohol trinken.

 

Bringen Lebensstilmaßnahmen keine Verbesserung, kann der Arzt Menschen, deren Lebensqualität durch die Hypotonie beeinträchtigt ist, kreislaufstärkende Medikamente verschreiben. Hilfreich können auch Arzneien mit Ginseng, Weißdorn und Rosmarin sein.

 

Mag. Christine Radmayr

Juli 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 20. Juli 2020