DRUCKEN
Ohrstöpseln

Badeotitis: Ohrenentzündung durch häufiges Baden

Endlich Ferien oder Urlaub und nach Herzenslust Schwimmen und Baden. In manchen Fällen wird diese Freude allerdings jäh getrübt – meist in der Nacht machen heftige Schmerzen im Ohr bei den Kleinen auf eine Entzündung des Gehörgangs aufmerksam. Dr. Thomas Rasse, Oberarzt an der Abteilung für Hals‐, Nasen‐ und Ohrenkrankheiten am Klinikum Wels‐Grieskirchen, erklärt, warum vor allem Kinder und Diabetiker ein erhöhtes Risiko für Badeotitis haben. 

Betroffen ist dabei die Haut des äußeren Gehörgangs bis zum Trommelfell. „Diese ist in der Regel durch eine Schicht aus Ohrenschmalz geschützt“, erklärt Rasse. Bei längerem Kontakt mit Wasser kann sich diese allerdings aufweichen und Krankheitserreger durchbrechen die Hautbarriere. „Dies geschieht unabhängig von der Qualität des Badewassers, denn diese Bakterien, Viren oder Pilze tragen wir stets auf unserer Hautoberfläche mit uns. Erst durch die aufgeweichte Hautoberfläche haben sie die Möglichkeit einzudringen.“ Vor allem der enge Gehörgang trocknet nach dem Baden nicht so schnell wie zum Beispiel eine freiliegende Hautfläche an Armen oder Beinen. Im feuchtwarmen Milieu des äußeren Ohres vermehren sich die Erreger dann schnell und dringen in den Körper ein. Auch bei einer Reizung oder Verletzung der Haut des Gehörgangs steigt das Risiko für eine Entzündung. „Zum Beispiel eine unsachgemäße Reinigung des Gehörgangs durch Wattestäbchen oder mit Seife beziehungsweise auch In‐Ear‐Kopfhörer tragen dazu bei“, so der HNO‐Experte. Eine erhöhte Anfälligkeit weisen Patienten mit Hauterkrankungen und Diabetes mellitus auf. „Bei geschwächtem Immunsystem und nicht intakter Hautbarriere können die Krankheitserreger leichter eindringen und Entzündungen verursachen.“ 

up

Schmerzhaft, aber kein Notfall 

Die Badeotitis betrifft das äußere Ohr bis hin zum Trommelfell. „Genaugenommen handelt es sich dabei nicht um eine Ohrenentzündung, sondern vielmehr um eine Entzündung der Haut im Ohr“, erklärt Rasse. „Sie tritt eher rasch, bereits einige Stunden nach Eindringen der Krankheitserreger auf. Die Otitis kann sehr schmerzhaft ausfallen, da die Schwellung wenig Raum hat sich auszubreiten und so gegen die Beinhaut drückt.“ Auch wenn die Beschwerden stark sind, handelt es sich bei der Entzündung um keinen Notfall. Der Experte rät: „Treten nach ausgiebigem Baden in der Nacht Schmerzen im Ohr auf, greift man am besten auf ein gängiges entzündungshemmendes Schmerzmittel zurück und sucht am nächsten Tag einen Facharzt auf.“ Die Badeotitis dauert in der Regel eine Woche. „Nach drei bis sieben Tagen sollten die Beschwerden wieder abklingen“, so der Mediziner. „Wichtig ist dabei, die Ohren möglichst trocken zu halten, deshalb ist das Untertauchen beim Schwimmen vorübergehend nicht erlaubt. Nach dem Duschen und Haare waschen empfiehlt sich das Ausföhnen der Gehörgänge. Die heiße Luft trocknet die Haut und stoppt somit das Wachstum der Keime.“ Ist der Gehörgang mit Ohrenschmalz gefüllt, soll das Material durch den Facharzt abgesaugt werden. 

up

Keine Wattestäbchen 

„Keinesfalls darf der Gehörgang mit einem Wattestäbchen gereinigt werden, da so das Cerumen [Ohrenschmalz] die Öffnung verschließt und Wasser und Erreger somit regelrecht eingeschlossen werden.“ Zeigen entzündungshemmende Schmerzmitteln und eine lokale Therapie mit antibiotischen Tropfen nicht die entsprechende Wirkung, werden Antibiotika als Infusion verabreicht. 

up

Schutz vor einer Badeotitis 

Menschen mit starker Ohrenschmalzproduktion empfiehlt der Experte: „Lassen Sie sich regelmäßig und vor allem bereits vor der Badesaison Ihre Gehörgänge vom Fachmann reinigen“, so Rasse. „Es ist sicherer, dies unter Sicht zu machen, als womöglich zuhause selbst mit diversen Gegenständen zu experimentieren – eine Verletzung des Trommelfells kann gravierende Folgen haben“, warnt der HNO‐Arzt. Sportliche Schwimmer schützen sich durch das Tragen einer Schwimmotoplastik vor Entzündungen. 

up

Risikofaktoren für eine Badeotitis

  • Reinigung mit Wattestäbchen
  • besonders enge Gehörgänge
  • Tauchen im Chlorwasser
  • Hauterkrankungen, Diabetes mellitus oder ein geschwächtes Immunsystem.

 

Mag. Christian Boukal / Klinikum Wels-Grieskirchen

August 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 03. August 2020