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Verband wird am Knie angelegt

Nach der Meniskus-Operation – Dos & Don'ts

Der Meniskusriss ist eine der häufigsten Knieverletzungen. Wird ein gerissener Meniskus operiert, sollte man in den Tagen und Wochen nach der Operation bestimmte Verhaltensregeln beachten, um den Heilungsverlauf und die künftige Kniegesundheit zu optimieren. 

Ein Meniskusriss passiert häufig dann, wenn das Knie bei hoher Belastung verdreht wird. Dabei wird der Innenmeniskus überlastet und kann einreißen. Auch der Außenmeniskus kann einreißen, ist aber seltener betroffen. 

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Patienten vorab informieren 

Kein Patient sollte sich operieren lassen, ohne zu wissen, was auf ihn zukommt und vor allem, wie es nach der Operation weitergeht. Eine ausführliche ärztliche Information bereits vor einer Meniskus-Operation ist wichtig. Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus bekommen viele Patienten einen ärztlichen Nachbehandlungsplan, in dem festgehalten wird, was nach der Operation zu tun ist.

„Arzt und Patient sollten schon vor der Operation festlegen, wie es danach weitergeht. Der Patient soll wissen, welche Therapien sinnvoll sind, wann Sport und Arbeit wieder möglich sein werden und wie er sich verhalten soll. All das sollte gut erklärt werden, denn diese Aufklärung ist der Schlüssel zum Erfolg. Der Patient soll Verständnis entwickeln für das, was in und mit seinem Knie geschieht und kann dadurch auch realistische Erwartungen entwickeln. Und vor allem geht es auch darum, einen Patienten nicht alleine zu lassen, sonst entstehen Ängste und falsche Verhaltensweisen“, sagt Dr. Milan Toljan, Kniespezialist und Leiter des Sportmedizinischen Institutes in Linz. 

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Verhalten nach Teilentfernung 

Auch wenn die Situation von Patient zu Patient etwas differieren kann und es Unterschiede im Heilungsverlauf und der Therapie gibt (beispielsweise spielt das Alter eine Rolle und ob die Ursache des Meniskusrisses eine Sportverletzung ist oder ein degeneratives Problem, und ob bereits ein Knorpelschaden vorliegt), so lassen sich doch auch allgemeine Aussagen darüber treffen, wie es nach einer Meniskus-Operation weitergeht.

Im Folgenden wird der häufigste Fall einer Meniskus-Operation dargestellt, die Teilentfernung. Ist ein Zusammennähen nicht möglich, werden die gerissenen Teile des Meniskus entfernt. Es erfolgt eine Teilentfernung der beschädigten Teile und keine komplette Entfernung, damit möglichst große Teile des Meniskus erhalten bleiben, um dessen Pufferfunktion nicht ganz zu verlieren (der Meniskus fungiert als eine Art Stoßdämpfer im Knie). 

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Infos und Tipps für die Zeit zu Hause 

Kurze Schonung: Operierte werden in der Regel am Tag nach dem chirurgischen Eingriff wieder nach Hause entlassen. Nach einer Meniskus-Operation treten in aller Regel nur geringe Schmerzen auf. In den Tagen und Wochen danach verheilt die Wunde, Schmerzen sollten sich dabei keine zeigen. „Dennoch sollte man sich in den ersten Tagen schonen und nicht, wie manchmal empfohlen wird, das operierte Knie sofort wieder voll belasten. Eine Woche lang sollte man Stützkrücken beim Gehen verwenden und damit das Knie teilentlasten“, sagt Toljan.

Simple und effektive Übung: Zumindest folgende Übung sollte jeder Operierte in den ersten Tagen zuhause machen: Dabei wird das gestreckte Bein im Liegen angespannt, indem man es leicht anhebt und wieder sinken lässt. Dieser Wechsel von Spannung und Lockerung sollte zehnmal wiederholt werden. „Das ist eine simple und effektive Übung, die die Durchblutung im Knie verbessert, die Schwellung abbaut und die Venen komprimiert, was eine Thromboseprophylaxe bedeutet. Man sollte diese Übung mehrmals täglich machen, dabei aber nicht übertreiben“, rät der Kniespezialist.

Physiotherapie und Lymphdrainage: Sinnvoll ist für alle Patienten eine Physiotherapie, die wenige Tage nach der Operation beginnen kann. Auch eine Lymphdrainage ist in den ersten Tagen nach dem Eingriff sinnvoll und wird meist als angenehm empfunden.

Überflüssiges weglassen: Schienen (Orthesen) müssen nicht angelegt werden, auch Thrombosestrümpfe sind in der Regel nicht nötig. Man kann das Knie auch kühlen, wenn es sich gut anfühlt, zwingend ist aber auch diese Maßnahme nicht. Auch abschwellende Medikamente sind nur im Einzelfall nötig. 

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Wiedereinstieg in den Alltag 

Arbeiten und Autofahren: Nach zwei Wochen ist es in der Regel wieder möglich, mit dem Auto zu fahren und seiner Arbeit nachzugehen – es sei denn, es handelt sich um schwere körperliche Arbeit, dann sollte die Karenzzeit länger ausfallen.

Sport: Wenn das Knie nicht mehr geschwollen ist und wenn Beugung und Streckung annähernd frei sind, kann man wieder langsam mit Sport beginnen. Für die Funktionsfähigkeit der Knie ist es sogar hilfreich und nötig, wenn man sich nach zwei bis drei Wochen wieder körperlichen Aktivitäten widmet. Man kann wieder spazieren gehen und Radfahren, schließlich auch joggen und laufen. Wichtig ist, dass man auf seinen Körper hört und sich nicht überfordert.

„Nach einer simplen Meniskusteilentfernung kann man bei intaktem Knorpel wieder alles machen, was man vorher an Sport gemacht hat. Freilich sollte man auf jene Bewegungen achtgeben, die den Riss des Meniskus verursacht haben. Das sind in der Regel beugende und drehende Kniebewegungen. Solche kniebelastenden Bewegungen sollte man, soweit das möglich ist, vermeiden. Im Alltag betrifft das zum Beispiel das Ein- und Aussteigen aus dem Auto, aber auch stundenlanges Sitzen im Büro ist für ein lädiertes Kniegelenk belastender, als man glauben möchte“, sagt Toljan. 

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Arthrose-Risiko gering 

Die meisten Operationen lassen keine Beeinträchtigung der Bewegung und des Befindens zurück. Auch das Risiko, eine Arthrose im Knie zu entwickeln, ist bei intaktem Knorpel gering. „Wenn ich ehemalige Patienten wiedersehe, wissen sie oft nicht einmal mehr, welches Knie operiert wurde. Und genauso soll es sein, denn dann weiß man, dass Arzt und Patient alles richtig gemacht haben“, so der Unfallchirurg.

Wichtig für dauerhafte Beschwerdefreiheit ist auch, dass die Beinachse in Ordnung ist, also keine X- oder O-Beine vorliegen. Fehlstellungen sollten korrigiert werden. Zudem sollte man Normalgewicht anstreben, um die Kniegelenke zu schonen. 

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Genähter Meniskus benötigt lange Nachbehandlung 

Anders als bei einer Teilentfernung benötigt das Zusammennähen der gerissenen Meniskusteile eine längerdauernde Nachbehandlung. Bei Patienten unter 50 Jahren, deren Knorpel in gutem Zustand ist, wird angestrebt, die gerissenen Teile des Meniskus nicht zu entfernen, sondern zusammenzunähen. Der Vorteil dieser Methode ist, dass der vollständige Meniskus erhalten bleibt, was für eine nachhaltige Kniegesundheit von Vorteil ist. Der Nachteil ist, dass die erforderliche Nachbehandlung wesentlich länger dauert als bei einer Teilentfernung. „Es ist sehr wichtig, dem Patienten im Vorfeld einer solchen Operation ganz genau zu erklären, was ihn erwartet. Er muss wissen, dass die Heilung und Nachbehandlung in diesem Fall sechs Monate dauert und dass er in den ersten Wochen das Knie nicht über 90 Grad hinaus abbiegen darf. Erst nach einem halben Jahr darf er wieder mit Sport beginnen“, erklärt Toljan.

 

Dr. Thomas Hartl

September 2020


Bild: shutterstock


 

Zuletzt aktualisiert am 04. September 2020