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Klimaanlage

Klimaanlagen: Beteiligung an der Corona-Übertragung

Seit einiger Zeit steigen die CoViD-19-Fälle im gesamten Süden der USA rapide an – dies trotz warmer sommerlicher Temperaturen. Einige Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass es einen wichtigen, aber bislang übersehenen Faktor bei der Ausbreitung des Virus in der Region geben könnte. Nun berichtet die deutsche Ausgabe der Medizinplattform medscape.com, dass er scheinbar gefunden wurde: Klimaanlagen. 

Es verhält sich bei der herrschenden Hitze ähnlich wie bei kalten Wintertemperaturen: Sie bringt die Menschen dazu, sich stundenlang in geschlossenen Räumen aufzuhalten, wo sich Erreger leicht verbreiten können, wenn die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen.

„Man geht wegen der Abkühlung nach drinnen, so wie man im Winter wegen der Wärme hineingeht – und in beiden Fällen führt das dazu, dass soziale Distanzierung weniger greift“, sagt Prof. Dr. Edward Nardell, Pneumologe und Professor für Immunologie und Infektionskrankheiten an der T.H. Chan School of Public Health an der Harvard Universität in Boston. „Es ist dann wahrscheinlicher, dass Sie die gleichen Oberflächen berühren, die von anderen durch Sprechen, Husten usw. kontaminiert wurden“, argumentiert er. 

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Und das ist nicht das einzige Problem 

Die Luftkühlung ist aber auch aufgrund der Arbeitsweise der Klimageräte riskant. Denn wenn die Außentemperaturen extrem sind, passen HVAC-Systeme (HVAC: Heating, Ventilation, and Air Conditioning) die Mischung der Frischluft an, die sie ansaugen, um Energie zu sparen.

Je heißer es also draußen ist, desto mehr Raumluft zirkuliert, was wiederum bedeutet: „Sie atmen einen höheren Prozentsatz derselben Luft ein, die andere Menschen ausatmen“, so Nardell. Wenn jemand im Gebäude das Coronavirus ausscheidet, kann es sich so in der Umgebungsluft ansammeln. Es ist offensichtlich, dass die Ventilatoren der Klimaanlagen die Luft herumwirbeln. Das gibt den kleinsten Viruspartikeln zusätzlichen Auftrieb, so dass sie noch länger in der Luft schweben. „Die Luftströmungen, die von Klimaanlagen, aber auch von Ventilatoren erzeugt werden, können die Partikel weiter tragen, als sie sonst gelangen könnten“, sagt er. Klimaanlagen entziehen der Luft auch Feuchtigkeit, „und wir wissen, dass Viren trockene Luft bevorzugen“. In bestimmten Situationen kann diese Kombination verschiedener Faktoren so die perfekten Bedingungen für eine Ansteckung schaffen. 

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Beweise für die Übertragung über die Luft zeichnen sich ab 

Studien zu Klimaanlagen – und ihre Rolle bei der Verbreitung von Coronaviren – sollten durchgeführt werden, sobald sich mehr Beweise für die Verbreitung von SARS-CoV-2 über die Luft ergeben, meint der Wissenschaftler. In einem Kommentar, der Anfang Juli 2020 in der Zeitschrift Clinical Infectious Diseases“ veröffentlicht wurde, hat eine internationale Gruppe von 239 Wissenschaftlern an „nationale und internationale Gremien“, darunter die Weltgesundheitsorganisation, appelliert, das Potenzial für eine Ausbreitung der Erreger über Aerosole stärker zu beachten.

„Auf der Grundlage unserer Bewertungen von Ausbrüchen, der Entnahme von Luftproben und Tierversuchen haben wir ebenso viele Beweise dafür, dass die Übertragung über die Luft stattfindet wie für eine Übertragung über Oberflächen. Und daher brauchen wir klare Leitlinien, wie wir dem begegnen können“, sagt Prof. Dr. Shelly Miller, Professorin für Maschinenbau, die an der University of Colorado in Boulder zur Raumluftqualität forscht und den Kommentar unterstützt.

In ihrem letzten Pressebriefing reagierten die WHO-Experten nun darauf und sagten, man werde in Kürze einen wissenschaftlichen Bericht veröffentlichen, der die wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammenfasse.

„Wir erkennen an, dass es auf dem Gebiet neue Erkenntnisse gibt“, sagte Dr. Benedetta Allegranzi, die bei der WHO die Abteilung für Infektionsprävention und -kontrolle leitet. „Wir glauben, dass wir für diese Erkenntnisse offen sein und ihre Auswirkungen auf die Übertragungswege und die zu treffenden Vorkehrungen verstehen müssen“, sagte sie. 

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Die Rolle der Klimaanlagen  

Bislang gibt es nur wenige Studien, die auf die Rolle von Klimaanlagen bei der Verbreitung von CoViD-19 hinweisen. Es ist eindeutig weitere Forschung in diesem Bereich erforderlich.

In einer Studie, die noch nicht von Fachkollegen begutachtet worden ist, nahmen Forscher Abstriche an 3 verschiedenen HVAC-Einheiten des Oregon Health and Science University Hospital in Portland vor. Dann untersuchten sie ihre Proben auf das Vorhandensein von SARS-CoV-2. Die Abstriche waren bei einer von 4 entnommenen Proben positiv. „Wir haben Virusmaterial an mehreren Stellen innerhalb der Klimageräte gefunden“, berichtet Studienautor Prof. Dr. Kevin Van Den Wymelenberg, Direktor des Instituts für Energieforschung in Gebäuden an der Universität von Oregon in Eugene.

Van Den Wymelenberg räumt jedoch ein, die Studie könne nicht beweisen, dass die Viruspartikel, die sie gefunden hatten, tatsächlich jemanden infiziert haben könnten. Um das zu beweisen, hätte man mit den Proben Zellen in einer Petrischale infizieren müssen. Aber Van Den Wymelenberg sagt, seine Studie zeige, dass Virusmaterial in die Klimaanlagen von Kliniken gelangen kann, sogar in solche, die gute Filter verwenden. Er meint, das sollte Gesundheitsexperten dazu veranlassen, Klimaanlagen als Vehikel für die Verbreitung des Virus zu betrachten. 

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Schritte hin zu einer sichereren Raumluft  

Miller sagt, das einfachste Mittel, um die Ansammlung des Virus in Innenräumen zu verhindern, ist die Zufuhr von mehr Außenluft. In Wohnungen bedeutet das, Fenster und Türen regelmäßig zu öffnen, um frische Luft hereinzulassen. In gewerblichen Gebäuden ist das schwieriger zu bewerkstelligen. „Was wir zur Risikominimierung in Innenräumen empfohlen haben, ist die Zuführung von 100 Prozent Außenluft; das kann man nicht umsetzen, wenn man heizen oder kühlen will, weil es einfach viel zu viel Geld kostet“, stellt sie fest.

Eine weitere Strategie das Infektionsrisiko in Innenräumen zu verringern, ist die Abtötung luftübertragener Viren mit speziellen an der Wand oder Decke montierten Boxen, die UV-Strahlung mit kurzer Reichweite abgeben. Diese Art von UV-Licht schädigt die Haut nicht so wie Sonnenlicht, zerstört aber schädliche Keime. Luftreiniger mit UV-Strahlung haben erfolgreich Ausbrüche anderer luftübertragener Viren wie Tuberkulose kontrolliert, sagt Nardell.

Man könnte in einen solchen Luftfilter investieren. Miller warnt allerdings davor, dass man vor der Anschaffung einiges prüfen muss, sich z.B. über die Filterfunktion der Maschine informieren sollte, erklärt die Maschinenbauerin Miller. Ionisierende Luftreiniger funktionieren übrigens nicht, fügt sie hinzu. Für die Vereinigten Staaten hat der Verband der Hausgerätehersteller (Association of Home Appliance Manufacturers, AHAM) eine Webseite eingerichtet, auf der Luftreiniger zu finden sind, die zu Hause oder im Büro funktioniert, so Miller.

 

Der gesamte Artikel wurde am 3. August 2020 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal

September 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 30. September 2020