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Mann und Frau putzen sich die Zähne

Mundhygiene nach Maß

Zahnpasten und Mundspülungen versprechen viel. Am besten man berät sich mit dem Zahnarzt über die individuelle Mundpflege. 

Zahnpasten bedienen laut Werbung viele Bedürfnisse: Gegen Parodontitis, für sensible oder weißere Zähne, ohne Chemie. „Auf jeden Fall soll die Zahnpaste fluoridhaltig sein. Über Inhaltsstoffe, individuelle Mundhygiene und Putztechnik am besten mit dem Zahnarzt sprechen“, sagt Primar DDr. Michael Malek, Vorstand der Klinik für Mund-, Kieferund Gesichtschirurgie im Kepler Universitätsklinikum Linz. 

Ohne richtige Pflege breiten sich zahnschädliche Mikroorganismen aus, die Karies und Erkrankungen des Zahnhalteapparates auslösen. „Erst 30 Minuten nach dem Essen Zähne putzen, sonst drohen Schäden am Schmelz. Am besten den Mund nach dem letzten Bissen mit reinem Wasser ausspülen“, rät Primar Malek. Keinesfalls auf die Zahnzwischenräume vergessen! 

Diese sollten mit Zahnseide oder, wenn das Zahnfleisch schon zurückgewichen ist, mit Reinigungsbändern und Zahnzwischenraumbürsten gereinigt werden. So wird Karies an den Kontaktpunkten der Zähne verhindert. Alternativ kann statt Zahnseide eine bakterienhemmende Mundspülung verwendet werden. 

„Sie ist zwar weniger effektiv, aber besser als nichts“, sagt der Experte, der aber vor übermäßigem Gebrauch warnt: „Medizinische Mundspülungen aus der Apotheke sollen zeitbegrenzt etwa nach kieferchirurgischen Eingriffen, bei Entzündungen im Mundbereich oder nach einer Strahlentherapie in dieser Region angewendet werden. Die Lösungen enthalten desinfizierende und keimtötende Stoffe wie hochdosiertes Chlorhexidin und können vorübergehend das Zähneputzen ersetzen.“ Bei länger dauernder Anwendung kann es zu Problemen an Zähnen, am Zahnfleisch und an der Zunge kommen. Auch der Geschmacksinn kann leiden. Ganz wichtig ist, dass zur Mundhyghiene nur ein fluoridhaltiges Präparat angewendet wird – entweder in der Zahnpaste oder in der Mundspülung.  

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Qual der Pastenwahl 

Bei der Zahnpaste gilt es eine Variante mit geringerem Abrieb zu verwenden. Beispiele für Spezialpasten:

  • Extra weiße Zähne: Zahnweißcremes können aggressive abrasive Stoffe enthalten, die den Zahnschmelz abscheuern und für sensible Zähne oder freiliegende Zahnhälse bedenklich sind.
  • Zahnfleischbluten: Dieses ist ein Hinweis auf eine Entzündung und muss abgeklärt werden. „Mancher meint, er putze zu fest. Dabei kann das Gegenteil der Fall sein“, sagt Primar Malek. Inhaltsstoffe wie Allantoin oder Salbeiextrakte können vielleicht die Heilung unterstützen, aber Parodontitis nicht beseitigen.
  • Empfindliche Zähne: Wirkstoffe wie Kaliumnitrat oder Strontiumchlorid können übersensible Zähne etwas unempfindlicher machen, weil sie die Reizübermittlung zum Zahnnerv bremsen. Die Ursache für empfindliche Zähne muss abgeklärt werden.
  • Ohne Chemie: Pur schmirgelt Schlämmkreide die Zähne stärker als herkömmliche Paste ab und kann mit der Zeit – wenn mit viel Druck geputzt wird – den Zahnschmelz abtragen.
  • Schwarze Zahnpaste mit Aktivkohle gegen Verfärbungen: Zähne sollen damit ohne Bleich- und Schmirgelstoffe weißer werden. Objektive Studien über Vorteile und Risiken gibt es noch nicht.
  • Spezielle Kinderzahnpasten können auch geschluckt werden. Mit Färbetabletten soll man immer wieder einmal die Wirksamkeit der Putztechnik überprüfen. 

 

Mag. Christine Radmayr

Februar 2021

 

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Kommentar 

Mundhygiene nach Maß Kommentarbild Primar DDr. Michael Malek„Der Trend geht hin zur maßgeschneiderten Mundhygiene, die jeder mit seinem Zahnarzt besprechen soll.“

Primar DDr. Michael Malek

Vorstand der Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, Kepler Universitätsklinikum Linz


Bilder: wavebreakmedia/shutterstock.com; privat


 

Zuletzt aktualisiert am 19. Februar 2021