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Junger Mann wird von einer Ärztin geimpft

Umfrage: Mehrheit der Ärzte ließe sich impfen

Die Umfrage der deutschen Medizinplattform Medscape zeigt, dass sich die Mehrheit der Ärzte gegen Corona impfen lassen würde. Aber auch, dass sich viele davon Sorgen machen. 

Mitarbeiter im Gesundheitswesen sollen zu den ersten gehören, die sich – nach den Plänen der nationalen bundesdeutschen Impfstrategie – gegen Corona impfen lassen können. Aber werden sie auch motiviert, oder gar mutig, sein und mitmachen, sobald einer oder mehrere Impfstoffe verfügbar sind? 

Blitzumfrage: Für eine Impfung, aber…vielleicht doch nicht ganz gleich 

Die Offenheit für eine Schutzimpfung gegen CoViD-19 ist groß: In der Summe würden sich 81 Prozent der über tausend Teilnehmer der Medscape-Umfrage impfen lassen (Auswertung Stand 17.11.2020). Die Umfrage wurde gleich nach der Ankündigung des Impfstoffs durch Pfizer/Biontech online durchgeführt.

Allerdings wollen nur 42 Prozent der Befragten gleich bei der ersten Möglichkeit an der Impfung teilnehmen. 39 Prozent würden lieber noch eine Weile warten, bis sie sich den völlig neuen Wirkstoff injizieren lassen. Aber nur 19 Prozent lehnen es überhaupt ab, sich gegen SARS-CoV-2 impfen zu lassen.

Von den gut 1.000 Teilnehmern der Umfrage sind insgesamt 81 Prozent im Gesundheitswesen tätig. 58 Prozent gaben an, dass sie als Arzt oder Ärztin arbeiten, weitere 23 haben einen anderen Job im Gesundheitswesen, 2 Prozent in der Pflege und 18 in weiteren Berufen.

Besorgt zeigten sich die Befragten, dass der Impfstoff unter dem bestehenden Zeitdruck nicht ausreichend getestet wurde: 64 Prozent Besorgte stehen 36 Prozent Unbesorgten gegenüber. 69 Prozent äußern zudem, dass sie durchaus Angst vor Nebenwirkungen des ersten mRNA-Impfstoffs haben.

Eine verpflichtende Impfung lehnen 70% der Mediziner ab. 

Überzeugen die Studien? 

Nach Aussagen der Hersteller Pfizer/Biontech erreichen sie in ihren Studien einen 94%igen Schutz – zumindest laut derzeitiger Analyse.

Der US-amerikanische Konkurrent Moderna setzt danach noch einen Prozentpunkt drauf: Diese Firma spricht von fast 95%er Schutzwirkung. Beides sind Quoten, die Impfstoffe in der Regel nicht erreichen. Die Messlatte hängt extrem hoch für die Mitbewerber in der Pharma-Industrie. 

Wer sich gleich impfen lassen soll 

Die Befragten sind bei dieser Frage (mehrere Antworten waren möglich) der Meinung, dass sich vor allem Pflegepersonal (66 Prozent) unbedingt impfen lassen sollte, noch vor Ärzten und Ärztinnen (55). Auch Lehrer und Erzieher (55) werden als eine Zielgruppe angesehen, die Vorrang haben sollte.

Für eine der wichtigsten Risikogruppen, den Bewohnern von Altenheimen und Betreuungseinrichtungen, entscheiden sich nur 33 Prozent, ebenso viele wie für die Gruppe der Senioren im Allgemeinen. Aber nur rund jeder 5. ist dafür, unbedingt Schulkinder gegen das SARS-CoV-Virus zu impfen.

Befragte Ärzte setzen in dieser Frage andere Prioritäten: Die Mediziner plädieren zu 72 Prozent dafür, dass sich Ärzte unbedingt impfen lassen sollten. Ähnlich dringend ist ihrer Meinung nach die Notwendigkeit für Pflegepersonal (74) und Bewohner von Betreuungseinrichtungen (76). 

Verpflichtende Impfung für Mitarbeiter im Gesundheitswesen? 

Diese heikle Frage beantwortet immerhin fast jeder 3. Umfrageteilnehmer mit „ja“. Allerdings gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass ein Zwang zur Impfung (in der BRD) politisch gewollt ist. 

Persilschein für Geimpfte? 

Eine weitere sehr umstrittene Idee ist, dass man als Geimpfter mit einem entsprechenden Nachweis möglicherweise eine Art Persilschein bekommt, und damit eventuell Vorteile gegenüber Nichtgeimpften erhält – etwa bei Flugreisen, Versicherungen oder Jobangeboten. Ein Impfnachweis als Auswahlkriterium – für was auch immer – befürwortet nur jeder 6. Teilnehmer (15 Prozent). 44 Prozent sind strikt dagegen. Aber 41 Prozent räumen ein, dass ein solches Vorgehen in manchen Bereichen vielleicht sinnvoll wäre.

 

Der gesamte Artikel wurde am 18. November 2020 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal / medscapemedizin.de
November 2020


Bild: Halfpoint/shutterstock.com


Zuletzt aktualisiert am 27. November 2020