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Patient liegt im Krankenhausbett und Arzt spricht mit ihm

Wissen oder Fake News – Mangelndes Gesundheitswissen

Fast jeder zweite Bürger aus Deutschland hat offenbar Schwierigkeiten, digitale Gesundheitsangebote zu finden, zu verstehen und für sich zu nutzen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) zur digitalen Gesundheitskompetenz in Deutschland hervor, berichtet die deutsche Ausgabe der Medizinplattform medscape.com Ende Dezember 2020. In Österreich ist die Lage ähnlich.

 

Den Ergebnissen zufolge verfügt mehr als die Hälfte der Befragten über eine eingeschränkte digitale Gesundheitskompetenz (52,4 Prozent). Und fast jeder Zweite hat Probleme zu beurteilen, ob Informationen zuverlässig sind oder nicht (48,4 Prozent). 40 Prozent finden es zudem „schwierig“ oder „sehr schwierig“, herauszufinden, ob hinter den Gesundheitsinformationen kommerzielle Interessen stehen.

Um herauszufinden, wie gut digitale Gesundheitsinformationen im Alltag bewertet und genutzt werden können, wurden deutschlandweit 8.500 Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 75 Jahren dazu befragt – in einer ersten bundesweiten repräsentativen Studie in der BRD.

 

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Geschlecht und Bildung spielen eine Rolle

 

Die Ergebnisse zeigen, dass demografische Merkmale nur einen geringen Einfluss auf die digitale Gesundheitskompetenz haben. So steigt der Anteil der Menschen mit einer eingeschränkten digitalen Gesundheitskompetenz mit zunehmendem Alter nur unwesentlich an. Auch zwischen Frauen und Männern finden sich geringe Unterschiede, allerdings mit einem besseren Ergebnis für das weibliche Geschlecht.

Die Herkunft spielt keine wesentliche Rolle: Menschen mit Migrationshintergrund haben eine etwas geringere digitale Gesundheitskompetenz als Menschen ohne Migrationshintergrund. Bei der Bildung dagegen zeigt sich mit höherem Abschluss auch eine bessere digitale Gesundheitskompetenz. Und nicht zuletzt: Je niedriger das Einkommen, desto niedriger ist auch die digitale Gesundheitskompetenz.

 

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Digitale Kompetenz – ein Schlüssel zur Gesundheit

 

Deutlich sei vor allem der Zusammenhang von Gesundheitszustand und digitaler Gesundheitskompetenz, heißt es er Studienzusammenfassung. Bei den Befragten, die ihren Gesundheitszustand als schlecht einschätzen, haben 60,3 Prozent nur eingeschränkte digitale Gesundheitskompetenzen, in der Gruppe mit sehr gutem Gesundheitszustand sind es nur 40,6 Prozent.

Legt man den Fokus auf chronische Erkrankungen, so wird deutlich, dass Chroniker eine schlechtere digitale Gesundheitskompetenz haben als Menschen ohne chronische Erkrankung. Der Effekt wird laut Studie durch die Anzahl der chronischen Erkrankungen noch verstärkt.

 

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Dringender Handlungsbedarf

 

„Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass bei der digitalen Gesundheitskompetenz der Menschen dringender Handlungsbedarf besteht“, sagt Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg. Damit es nicht zu einer Spaltung zwischen „Informierten“ und „Uninformierten“ kommt, fordert die AOK neben einem niederschwelligen Zugang zu elektronischen Hilfsmitteln, auch mehr verlässliche und leicht verständliche Informationen. „Gerade in Corona-Zeiten sollten Menschen in der Lage sein, zu erkennen, welche Angebote im Netz zuverlässig sind, damit sie nicht falsch informiert und dadurch gesundheitlich vielleicht sogar gefährdet werden“, betont Mohrmann.

Die gesamte Umfrage der deutschen AOK kann auf deren Seite geladen werden.

 

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Lage in Österreich

 

Das Wissen der Österreicher ist nach Informationen der Gesundheit Österreich (GÖG) leider auch eher bescheiden. So schreibt die GÖG auf ihrer Webseite über eine österreichische Untersuchung aus dem Jahr 2016: „Im Rahmen der europäischen Health-Literacy-Studie (2012; herausgegeben vom HLS-EU Consortium) wurde im Jahr 2011 erstmals die Gesundheitskompetenz der österreichischen Bevölkerung erhoben. Die österreichischen Ergebnisse waren im Ländervergleich unterdurchschnittlich und wiesen starken Nachholbedarf in Sachen Gesundheitskompetenz auf. Eine Konsequenz daraus war die Formulierung des Gesundheitsziels 3 (Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken) und auch die Einrichtung der Österreichischen Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK).“ Diese Plattform veranstaltete zuletzt 2019 unter dem Titel „Digitalisierung braucht Gesundheitskompetenz“ ihre 5. Konferenz.

 

Als Ziele definiert die GÖG unter anderem: „Gesundheitskompetenz (Health-Literacy) wird zunehmend als zentrale Determinante für Gesundheit und gesundheitliche Chancengleichheit aller Bürgerinnen und Bürger angesehen. Die Entwicklung ‚gesundheitskompetenter‘ Organisationen und Lebenswelten sowie die Entwicklung persönlicher Kompetenzen sollen die Menschen dabei unterstützen, im Alltag selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen, die ihre Gesundheit fördern.

Die Stärkung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung kann nicht nur über das Gesundheitswesen erfolgen, sondern muss verschiedene gesellschaftspolitische Bereiche miteinbeziehen. Dies wurde in der Entwicklung der Gesundheitsziele Österreich erkannt und dort als höchstpriorisiertes Handlungsfeld eingestuft.

Inzwischen wurden mit der Einrichtung der Österreichischen Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK) und der Strategie „Verbesserung der Gesprächsqualität in der Krankenversorgung“ zwei wesentliche strategische Grundlagen für eine bundesweite Umsetzung geschaffen, so die GÖG.

 

Der Teil des Artikels, der die Lage in der BRD betrifft, erschien am 22. Dezember 2020 auf Medscape Deutschland und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal / medscape.com

März 2021


Bild: Monkey Business Images/shutterstock.com



Zuletzt aktualisiert am 01. März 2021