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CoViD-19 Schnelltest

Wie gut sind CoViD-19-Schnelltests tatsächlich

Schnelltests erscheinen heute vielen als probates Mittel, um trotz steigenden Corona-Zahlen, das öffentliche Leben und speziell die Bildungseinrichtungen offen zu halten. Doch wie gut sind die verfügbaren Tests tatsächlich? Vorab: Viele erfüllen Standards nicht. 

Dies haben Wissenschaftler an der Universität Birmingham in einem nun aktualisierten Cochrane-Review zu Schnelltests auf CoViD-19 untersucht, berichtet die deutsche Ausgabe der Cochrane Collaboration in einer Presseaussendung. 

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Tests wirken bei Menschen mit Symptomen zuverlässiger 

Ein wichtiges Ergebnis: Generell sind diese Tests bei Menschen mit Symptomen deutlich besser geeignet, CoViD-19 korrekt zu identifizieren, als bei denjenigen, bei denen sie derzeit besonders häufig eingesetzt werden – nämlich symptomlosen Personen.

Leider gibt es zwischen verschiedenen Herstellern große Unterschiede in der Genauigkeit. Noch schlimmer: Nur wenige erfüllen die von der WHO festgelegten Mindeststandards. 

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Hintergrund 

Für einen raschen Nachweis von SARS-CoV-2 wurden 2 Arten von Schnelltests entwickelt, die in kurzer Zeit Ergebnisse liefern können. Beide verwenden eine Probe aus Nase oder Rachen.

  • Antigen-Tests identifizieren Proteine des Virus. Sie werden ähnlich wie Schwangerschaftstests in Einweg-Plastikkassetten geliefert, die Ergebnisse liegen innerhalb von 30 Minuten vor.
  • Molekular-Tests weisen das genetische Material des Virus nach und verwenden Desktop-Analysegeräte oder kleine Handgeräte. Sie liefern Ergebnisse binnen 30 Minuten bis 2 Stunden.

 

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Forscher werten 64 Studien aus 

Die Forscher um Dr. Jacqueline Dinnes, Senior Researcher in Public Health, Epidemiologie und Biostatistik an der Universität Birmingham analysierten, wie genau solche Schnelltests eine Infektion bei Menschen mit und ohne CoViD-19-Symptomen nachweisen.

Die erste Version des Reviews wurde bereits im Sommer 2020 veröffentlicht und schloss 22 Studien ein, die aktualisierte Version umfasst die Ergebnisse von 64 Studien. 

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Bei Patienten mit Symptomen im Schnitt 72% korrekt identifiziert 

Die Auswertung ergab, dass Antigentests bei Personen mit Symptomen besser geeignet waren, CoViD-19 zu identifizieren, als bei symptomfreien Personen. Bei symptomatischen Personen wurden im Durchschnitt 72 Prozent der Personen mit CoViD-19 korrekt als infiziert erkannt. Am besten schnitten diese Tests in der ersten Woche nach Symptombeginn ab, dann wurden 78 Prozent der Personen mit CoViD-19 entdeckt.

Bei Personen ohne Symptome erkannten die Antigentests im Durchschnitt 58 Prozent der Infizierten richtig.

Die WHO hat Leistungsstandards für Tests festgelegt, die eine Infektion bei symptomatischen Personen nachweisen. Dazu muss ein Test mindestens 80% der Menschen mit einer Infektion korrekt identifizieren und eine Infektion bei 97% der nicht infizierten Menschen korrekt ausschließen. 

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Infiziert, trotz negativem Test 

Erstautorin Dr. Jacqueline Dinnes „Unsere Übersichtsarbeit zeigt, dass einige Antigen-Tests nützlich sein können, wenn bei Menschen mit Symptomen ein Verdacht auf CoViD-19 besteht. Diese Tests scheinen bei Menschen, die keine Symptome von CoViD-19 haben, nicht so gut zu funktionieren. Die Bestätigung eines positiven Ergebnisses aus einem Schnelltest mit einem RT-PCR-Test kann, insbesondere bei einer geringen Häufigkeit von CoViD-19-Fällen, helfen, unnötige Quarantäne-Maßnahmen zu vermeiden. Alle Antigentests übersehen einige Personen mit einer Infektion. Daher ist es wichtig, Personen, die ein negatives Testergebnis erhalten, klarzumachen, dass sie trotzdem infiziert sein können.“ 

Es gebe einige neue Hinweise darauf, dass die Genauigkeit des Tests davon beeinflusst werde, wer ihn durchführe. Künftige Studien sollten den Zusammenhang zwischen der Erfahrung der Person, die den Test durchführt, und der Empfindlichkeit des Tests untersuchen, so Dinnes. Auch sollten Molekular-Tests nicht nur im Labor, sondern auch in den Settings evaluiert werden, in denen sie tatsächlich eingesetzt werden. 

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Nur ein kleiner Teil der Tests erfüllt die WHO-Mindeststandards 

„Es ist gut, dass wir Evidenz dafür finden konnten, dass einige Testmarken die von der WHO festgelegten minimalen Leistungsstandards für die Untersuchung von Menschen mit Symptomen erfüllen. Allerdings machen diese nur einen sehr kleinen Teil der kommerziell erhältlichen Tests aus“, erklärt Prof. Dr. Jon Deeks, Biostatistiker an der Universität Birmingham und Ko-Autor der Studie. 

Die gesamte Aussendung wurde am 24. März 2021 veröffentlicht und ist in voller Länge hier  abrufbar.

 

cochrane.de/ Mag. Christian Boukal
April 2021


Bild: Jan von nebenan/shutterstock.com



Zuletzt aktualisiert am 12. April 2021