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Männergesundheit: Urologische Tumor-Erkrankungen im Blick

Männergesundheit: Urologische Tumor-Erkrankungen im Blick

Prostatakrebs ist mit 27 Prozent die häufigste bösartige Erkrankung unter Österreichs Männern, über zehn Prozent der krebsbedingten Todesfälle gehen auf ein Karzinom der Vorsteherdrüse zurück. Die Erkrankung betrifft meist Männer ab dem 50. Lebensjahr. Im Vergleich dazu ist Hodenkrebs eine seltener auftretende Erkrankung, er betrifft allerdings in der Regel junge Männer, berichtet das Klinikum Wels-Grieskirchen in einer Aussendung.

 

In westlichen Industrieländern ist das Prostatakarzinom die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung beim Mann. Nach Angaben von Statistik Austria wurden in Österreich im Jahr 2018 über 6.000 bösartige Tumore der Vorsteherdrüse diagnostiziert, so das Klinikum Wels-Grieskirchen.

 

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Symptomlos im Anfangsstadium 

Ein Prostatakarzinom im Frühstadium kann nur im Rahmen von Früherkennungsuntersuchungen mit regelmäßiger Ermittlung des PSA‐Wertes im Blut, Tast- und Ultraschalluntersuchungen beziehungsweise durch weiterführende Bildgebungen wie die Magnetresonanztomographie durch einen Facharzt entdeckt werden. „Denn in jenem Stadium, in dem es behandelbar und somit heilbar ist, verursacht es per se meist keine Beschwerden“, erklärt Prim. Dr. Clemens G. Wiesinger, Leiter der Abteilung für Urologie am Klinikum Wels‐Grieskirchen. „Symptome, wie häufiges und nächtliches Wasserlassen oder ein verlangsamter Harnstrahl, sind meist einer gutartigen Vergrößerung der Prostata zuzuschreiben. Bei der bösartigen Erkrankung treten sie jedoch erst auf, wenn der Tumor bereits in umliegende Organe, Gewebe und Knochen gestreut hat.“

Wichtig ist also, die Gewebeveränderung zu erkennen, wenn sie noch auf die Prostata begrenzt ist. „Denn dann stehen uns individuell auf den Patienten abgestimmt effektive Behandlungsmethoden zur Verfügung, um den Tumor gezielt zu behandeln und gesundes Gewebe maximal zu schonen.“ Die Bandbreite der Therapieoptionen ist heute groß und reicht von der aktiven Überwachung über eine Operation bis hin zur medikamentösen Behandlung, Chemotherapie und Bestrahlung bei fortgeschrittenen Erkrankungen. Neben der onkologischen Gesundheit ist auch der Erhalt der Lebensqualität ein wichtiger Parameter in der Therapieplanung.

 

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Hodentumor: Junge Männer betroffen

Vergleichsweise seltener sind Männer von Hodentumoren betroffen. „Hier haben wir es mit einem durchschnittlich sehr frühen Erkrankungsalter zu tun“, so Wiesinger. „Überwiegend betrifft es Männer zwischen dem 20. und 45. Lebensjahr, seltener Männer ab 50.“ Die Risikofaktoren für die Entstehung von Hodenkrebs sind nicht eindeutig geklärt, können aber zum Beispiel eine familiäre Veranlagung oder auch ein Hodenhochstand in der Kindheit sein.

Zu den Symptomen zählen zum Beispiel ziehende Schmerzen im Hoden und der Leiste. „Wichtig ist die regelmäßige Selbstuntersuchung: Bei einer auffälligen Vergrößerung oder Verhärtung, sprich bei einer tastbaren Veränderung im Gewebe, heißt es: Sofort zur Abklärung!“, rät der Urologe. „Dabei wird vom Facharzt eine Blutuntersuchung sowie eine Ultraschalluntersuchung vorgenommen.“ Die Heilungschancen bei einem Hodentumor sind gut und liegen bei über 90 Prozent. Je nach Ausprägung wird der betroffene Hoden operativ entfernt beziehungsweise sind eine Chemotherapie oder Bestrahlung notwendig, um die bösartig veränderten Zellen zur Gänze zu vernichten.

 

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Blasenkarzinom: Auch bei Frauen 

Eine bösartige Veränderung der Blase kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen auftreten. „Betroffen sind überwiegend ältere Menschen, deshalb steigt die Anzahl der Patienten auch kontinuierlich. Hauptrisikofaktor ist das Rauchen“, so Wiesinger. Die Krebsform kann selten familiär gehäuft auftreten oder in manchen Fällen auch berufsbedingt durch krebserregende Stoffe ausgelöst sein. In manchen Fällen ist ein Blasenkarzinom eine Spätfolge einer Strahlentherapie eines umliegenden Gewebes, zum Beispiel der Prostata. „Anzeichen können eine schmerzlose Blutbeimengung im Harn, aber auch wiederkehrende Blasenentzündungen sein“, beschreibt der Welser Urologe. „Blut im Harn gilt übrigens immer als Alarmzeichen und muss abgeklärt werden: Neben einer Entzündung oder einem Steinleiden kann es auch Symptom eines Tumors sein.“ Auch beim Blasenkarzinom gilt: Je früher die bösartige Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Ausschlaggebend ist vor allem, in welche Schichten der Tumor bereits vorgedrungen ist. Je nach Erkrankungsstadium, Alter und Gesundheitszustand der Patient:innen reichen die individuellen Therapieoptionen von der lokalen Abtragung des Tumorgewebes über die Entfernung der gesamten Harnblase und Bestrahlung bis zu intravenösen Chemo‐ und Immuntherapien.


Klinikum Wels-Grieskirchen / Mag. Christian Boukal
Dezember 2021


FOTO: © Klinikum Wels‐Grieskirchen / Nik Fleischmann

 


Zuletzt aktualisiert am 27. Dezember 2021