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Frau misst ihren Bauch mit einem Maßband

Weißes und braunes Fettgewebe – "gutes" und "böses" Fett

Fett ist aufgrund des hohen Kaloriengehalts ein idealer Energielieferant und erfüllt wichtige Funktionen. Problematisch ist jedoch die permanente Zufuhr von zu viel Energie, denn das schädigt die Gesundheit langfristig. Doch Fett ist nicht gleich Fett. Neben dem bekannten weißen Fettgewebe besitzt der Mensch in kleinen Mengen auch braunes Fettgewebe, welches Energie nicht speichert, sondern verbrennt – eine Hoffnung im Kampf gegen Adipositas. Die Forschung versucht daher, weißes in braunes Fett umzuwandeln – mit ersten Erfolgen.

Der Mensch braucht für alle seine Körperfunktionen Energie. Diese wird durch die Nahrungsmittel in Form von Kohlenhydraten, Proteinen (Eiweiß) und Fetten zugeführt. Am energiereichsten sind Fette – ein Gramm Fett liefert circa neun Kilokalorien, Kohlenhydrate und Proteine nur etwa die Hälfte.

Zwei Arten von Fettgewebe

Man unterscheidet zwei Arten von Fettgewebe – weißes und braunes. Kurz gesagt, lässt es sich folgendermaßen auf den Punkt bringen: Weißes Fettgewebe speichert Kalorien, braunes Fettgewebe verbrennt Kalorien.

Weißes Fettgewebe mit vielen Funktionen

Weißes Fettgewebe hat viele Funktionen. Als Energiespender stellt es die Energieversorgung sicher. Es umgibt die Organe und stellt damit einen schützenden Puffer vor äußeren Einwirkungen dar. Das Fettgewebe ist auch eine Art Wärmedämmung gegen Unterkühlung. Fette sind zudem ein wichtiger Baustoff für die Zellen. Auch sind sie wichtig für die Hormonsynthese. Sie beeinflussen auch unser Immunsystem und den Wasserhaushalt. Wichtig sind Fette auch für die Aufnahme der Vitamine A, D, E und K, die ohne Fette im Körper nicht weiterverarbeitet werden können.

Energiespeicher für schlechte Zeiten

Weißes Fettgewebe ist aber vor allem ein Energiespeicher. Der Körper speichert überschüssige zugeführte Kilokalorien, welche er im Moment nicht verbrauchen kann. Von diesen gespeicherten Kalorien kann der Organismus bei Bedarf zehren. Das ist dann der Fall, wenn längere Zeit keine fetthaltige Nahrung zugeführt wird und folglich gespeicherte Fettzellen als Energielieferant verbrannt werden müssen. „Evolutionsbiologisch macht das durchaus Sinn. Früher gab es in den Wintermonaten oft lange Hungerperioden, da war es überlebensnotwenig, körperliche Fettreserven aufzubauen, um in kargen Zeiten davon zehren zu können. Diese Phasen des Hungers sind bei uns aber weitgehend verschwunden, dennoch essen viele von uns weiterhin so, als müssten sie sich für schlimme Zeiten rüsten“, sagt Oberärztin Dr. Petra Wolfinger, Leiterin der Stoffwechselambulanz des Ordensklinikums Linz.

Krankheitsgefahr Entzündungen

Fett hat also durchaus wichtige Eigenschaften, problematisch wird es aber dann, wenn es im Überfluss zugeführt wird und sich folglich im Übermaß in und um die Organe und in den Blutgefäßen anlegt. Die eingelagerten, gespeicherten Fettzellen können sich bis zum 200-fachen ihrer normalen Größe ausdehnen, ja richtiggehend aufblähen, um genügend Speicherplatz zur Verfügung zu stellen. Sie werden also immer größer und sind dann als Fettgewebe gut wahrnehmbar, vor allem um den Bauch oder an den Oberschenkeln.

Im Übermaß vorhandenes weißes Fettgewebe – vor allem das sogenannte viszerale Fett (Bauchfett) in und um die Organe der Körpermitte – fördert Entzündungsprozesse. „Diese können langfristig zu vielen schweren Erkrankungen wie Gefäßverkalkung, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen“, erklärt die Stoffwechselexpertin Dr. Wolfinger.

Entzündungen entstehen folgendermaßen: Fettzellen werden über feine Blutgefäße mit Sauerstoff versorgt. Wachsen diese Zellen immer weiter an, können sie irgendwann nicht mehr ausreichend versorgt werden und sterben aufgrund Sauerstoffmangels teilweise ab. Das ruft Immunzellen auf den Plan, welche am Ort des Geschehens Entzündungsfaktoren ausschütten – eine sogenannte stille Entzündung (silent inflammation) entsteht. Für eine derartige stille Entzündung ist es nicht nötig, dass jemand übergewichtig oder gar adipös ist, sie kann auch bei Normalgewicht und sogar bei einem schlanken Menschen ablaufen – falls dieser viel viszerales Fett im Bauchraum, also in und um die Organe hat. Es ist daher für jedermann wichtig, möglichst wenig Bauchfett zu haben.

Braunes Fett verbrennt Kalorien und schützt vor Kälte

Braunes Fett ist stark durchblutet und enthält im Gegensatz zum weißen Fett eine große Anzahl von Mitochondrien – die Kraftwerke der Zellen. Durch die hohe Konzentration an Mitochondrien sieht diese Art von Fett unter dem Mikroskop dunkel aus und wird daher „braunes Fett“ genannt.

Die Mitochondrien dienen nicht der Energieumwandlung, sie produzieren durch die Oxidation von Fettsäuren auch Wärme. Dank ihrer „Brennkraft“ kommt es zu einer Steigerung der Kalorienverbrennung. Während weiße Fettzellen als Energiespeicher dienen, wird in braunem Fettgewebe also überschüssige Energie verbrannt. Sie erzeugt aus dem gespeicherten Fett Wärme und hält damit die Körpertemperatur stabil.

Braunes Fett ist bei erwachsenen Menschen aber kaum vorhanden, nur wenige Gramm finden sich im Bereich der Schultern, des Nackens und der Wirbelsäule. Säuglinge jedoch verfügen über eine große Menge an braunem Fettgewebe – bis zu fünf Prozent des Körpergewichts. Das ist auch nötig, weil sie viel mehr Wärme als Erwachsene benötigen. Das braune Fett verhindert, dass sie auskühlen. Während der ersten Lebensjahre bildet es sich zurück.

Umwandlung von weißen in braunes Fett

Da zu viel weißes Fett ungesund ist und ein Übermaß zu einer Fettleber, Adipositas und vielen schweren Erkrankungen führen kann, versucht die medizinische Forschung, weißes in braunes Fettgewebe zu verwandeln. Das Ziel: Durch seine Funktion als Wärmekraftwerk des Körpers soll das braune Fettgewebe große Mengen an Energie, welche ansonsten im weißen Fettgewebe gespeichert wird, verbrennen. Vor allem im Kampf gegen Adipositas ist die mögliche Umwandlung von weißen in braunes Fett ein Hoffnungsträger.

Hemd spannt am Bauch eines Mannes

Forschung läuft

Es gibt bereits zahlreiche Publikationen aus der Grundlagenforschung, die sich neuen potenziellen Mechanismen zur Aktivierung oder Vermehrung des menschlichen braunen Fettgewebes widmen. So arbeitet man an der Entwicklung eines Systems mit Stammzellen, die es ermöglichen weißes „böses“ Fett in braunes „gutes“ Fett umzuwandeln.

Forscher haben auch herausgefunden, dass weißes Fett durch Kälte gebräunt werden kann – wobei eine Zwischenform, das sogenannte beige Fett entsteht. Dieses kann Energie verbrauchen, was für Übergewichtige vorteilhaft ist. Man experimentiert nun damit, wie man Kälte gezielt einsetzen kann, um diesen Effekt zu nutzen.

„Es gibt dazu erste Studien, aber keine praktischen Anwendungen. Generell ist die Umwandlung von weißen in braunes Fett wissenschaftlich sehr interessant, es ist derzeit aber noch ein Zukunftsthema, das in der Praxis noch nicht anwendbar ist“, sagt Dr. Wolfinger. Es liegt demnach weiterhin an uns Menschen, uns mittels Lebensstils nicht zu viel Fett um die Hüften und in die Organe zu legen.

Weg mit dem Fett

Eine Gewichtsreduktion mit dem Ziel Normalgewicht ist daher erstrebenswert. Die Mittel der Wahl sind eine nachhaltige Ernährungsumstellung bzw. Reduktion der Kalorienaufnahme und regelmäßige Bewegung in Form von Ausdauersport im Ausmaß von mindestens 150 Minuten in der Woche. „Idealerweise stellt man seine Ernährung nachhaltig, also lebenslag um, um den Körper nur jenes Maß an Fett zuzuführen, das er braucht, um gut zu funktionieren“, rät Dr. Wolfinger.

Fasten wirkt

Im Kampf gegen zu viel Fette und Gewicht ist auch Fasten zielführend und zu empfehlen.

Es gibt viele verschiedene Varianten des zeitweiligen Essensverzichts:

* Am einfachsten durchzuführen ist es, wenn man seine Essensaufnahme auf drei Mahlzeiten pro Tag reduziert. Zwischen den Mahlzeiten sollte gar nichts gegessen und auch auf kalorienhaltige Getränke (Limonade etc.) verzichtet werden. „Bereits nach drei bis vier Stunden ohne Nahrungszufuhr greift der Körper auf seine Fettreserven zurück. Man sollte daher nicht den ganzen Tag dieses und jenes essen, eine Kleinigkeit hier und eine da – dann ist schon viel gewonnen“, sagt Dr. Wolfinger.

* Eine andere Möglichkeit ist das Intervallfasten. Man unterscheidet dabei die 16:8-Methode und die 5:2-Methode.

* Bei der 16:8-Methode isst man innerhalb von 24 Stunden nur zwei Mahlzeiten in einem Zeitraum von acht Stunden; die restlichen 16 Stunden gibt es keine feste Nahrung und auch keine gesüßten Getränke.

* Die 5:2-Methode besagt, dass man an fünf Tagen in der Woche normal isst, an zwei Tagen dagegen nur sehr wenig (Nahrungszufuhr bei Frauen zwischen 500 bis 800, bei Männern 600 bis 850 Kalorien).

* Ideal wäre es zudem, einmal oder zweimal pro Jahr eine Fastenwoche einzulegen. Anfängern wird ein durch Experten geführtes Gruppenfasten empfohlen, denn Fasten auf eigene Faust ist schwierig und nicht für jedermann durchführbar.

 

Dr. Thomas Hartl
März 2022

Bilder: BillionPhotos/Gina Sanders/AdobeStock

Zuletzt aktualisiert am 30. März 2022