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Mountainbiken: Schutzausrüstung und gute Fahrtechnik wichtig

Mountainbiken: Schutzausrüstung und gute Fahrtechnik wichtig

Mountainbiken erlebt einen regelrechten Boom. Mit der Beliebtheit dieses Trendsportes steigen aber auch die Unfallzahlen, so das KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit). Allerdings könnten durch das Tragen passender Schutzausrüstung und die Verbesserung der Fahrtechnik viele Verletzungen verhindert werden. Eine aktuelle Studie des KFV und des ÖKAS (Österreichisches Kuratorium für Alpine Sicherheit) bietet Einblick in das Nutzungsverhalten und Unfallgeschehen.  

Mit den frühlingshaften Temperaturen startet auch wieder die Mountainbike-Saison. Gerade in den vergangenen Jahren wurde diese temporeiche Sportart zum Trend, der allerdings auch Gefahren birgt. Ein Blick auf die KFV-Unfalldatenbank Injury Database (IDB) Austria zeigt, dass sich jedes Jahr rund 6.500 Personen so schwer beim Mountainbiken verletzen, dass sie im Spital behandelt werden müssen – weitere sieben Personen sterben laut Alpinunfalldatenbank durchschnittlich an den Folgen ihrer Verletzungen.  

Sicherheitsmaßnahmen 

„Seit dem Jahr 2015 hat sich die Zahl verletzter Mountainbikerinnen und Mountainbiker mehr als verdoppelt – dies ist primär auf die wachsenden Ausübungszahlen zurückzuführen. Trotzdem ist es äußerst wichtig, sich den Gefahren beim Mountainbiken bewusst zu werden, um auch entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergreifen zu können. Diese umfassen unter anderem eine solide Tourenplanung, die Verbesserung der eigenen Fahrtechnik und das Tragen passender Schutzausrüstung,“ erklärt Dr. Peter Paal, Präsident des ÖKAS. Die allermeisten Unfälle geschehen bei der Abfahrt. Obwohl laut einer Online-Befragung von KFV und ÖKAS von rund 2.000 Bikern nur 14 Prozent angeben, Bike-Parks regelmäßig zu nützen, ist laut Alpinunfalldatenbank rund ein Drittel der Unfälle diesem Bereich zuzurechnen. Das zeigt, dass die anspruchsvollen Abfahrten in Bike-Parks mit einem höheren Verletzungsrisiko verbunden sind. Die Schulter ist beim Biken am häufigsten von Verletzungen betroffen. 

Männerdomäne 

„Unsere Studienergebnisse zeigen auch, dass der Trendsport mit einem Männeranteil von 77 Prozent immer noch Männerdomäne ist. Das spiegelt sich auch in den Unfallzahlen wider: 78 Prozent der Verletzten sind männlich, bei tödlichen Unfällen sind es sogar 98 Prozent. Unter den, seit 2015, 42 tödlich verunglückten Bikerinnen und Bikern starb eine Frau,“ erläutert Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV. Die Befragung ergab zudem, dass Personen mit stärkerem Fokus auf Downhill, Thrill und Action häufiger verunfallen. Bezüglich der Unfallursache gibt rund die Hälfte der Bikerinnen und Biker an, Fehleinschätzungen bzw. Fahrfehler gemacht zu haben (z.B. zu starkes Bremsen). Unerwartete Bodenbeschaffenheiten (z.B. Löcher oder Äste) verursachen ein Viertel aller Unfälle. 

Hohe Geschwindigkeiten – hohe Risiken       

Im Zuge von Geschwindigkeitsmessungen mit Seitenradargeräten hat sich gezeigt, dass durchschnittlich gesehen Bikerinnen und Biker mit 29 km/h am schnellsten in Bike-Parks unterwegs sind (Trails: ø 24 km/h, Fahr-/Forstwege: ø 26 km/h). Mit bis zu 70 km/h wurden die höchsten Geschwindigkeiten jedoch auf Fahr- und Forstwegen gemessen – wobei hier im Besonderen die Breite und Geradlinigkeit der Wege zum Schnellfahren einlädt. Auf den meist selektiveren Trails sind die Geschwindigkeiten niedriger (ø 24 km/h, max. 37 km/h). Während 39 Prozent der Männer 30 km/h oder mehr beim Abfahren erreichen, sind es bei den Frauen nur 14 Prozent.  

Schutzausrüstung  

Allgemeines Gefahrenbewusstsein beim Biken zeigt die hohe Helmtragequote von 95 Prozent – das ging aus der Beobachtung seitens des KFV/ÖKAS von rund 662 Mountainbikerinnen und –bikern hervor. Dass Bike-Parks mit vielen Sprüngen und Steilkurven ein höheres Risiko als andere Routen bergen, lässt sich auch am Tragen von Schutzausrüstung beobachten. Denn dort werden häufiger und vor allem mehr Protektoren getragen als auf Fahr/-Forstwegen und Trails. Dies gilt insbesondere für Knieschützer, Vollvisierhelme, Ellbogenschützer sowie Rücken- oder Rumpfprotektoren. Auf Forstwegen und Trails tragen außer einem Helm nur wenige eine entsprechende Schutzausrüstung.  

E-Antrieb  

Mittlerweile ist rund jeder Fünfte mit einem E-Mountainbike unterwegs, wie die KFV/ÖKAS Befragung ergab. „Durch den E-Bike-Boom in den letzten Jahren ist der Anteil an E-MTB-Unfällen in den letzten Jahren (2015-2020) von ein auf elf Prozent gestiegen. Auch wenn bereits einige Hersteller ABS-Bremssysteme für E-MTBs anbieten, werden diese nur sehr selten verwendet. So sind unserer Umfrage zufolge weniger als ein Prozent der E-MTBs damit ausgerüstet,“ so Paal.

 

Präventionstipps, um sicher durch die Mountainbike Saison zu kommen:

  • Solide Tourenplanung! Schwierigkeit der Tour an Fitness und Können anpassen. Wertvolle Hilfsmittel dafür sind (digitale) Fachliteratur und Kartenmaterial sowie diverse Navigations-Apps. Zeitdruck vermeiden und Intensität sowie Schwierigkeit der Touren nur langsam steigern.
  • Bike Check! Das Bike regelmäßig warten und einmal jährlich in einer Fachwerkstätte überprüfen lassen. Auf das Körpergewicht abgestimmte Dämpfer und ein auf den Untergrund angepasster Reifendruck bieten mehr Kontrolle.
  • Passende Schutzausrüstung verwenden! Helm, Sportbrille, Handschuhe, Knie- und Ellbogenschützer sollten beim Biken immer getragen werden. Bei anspruchsvollen Abfahrten bieten Rumpfprotektor und Vollvisierhelm zusätzlichen Schutz. Mit bunter Kleidung, Reflektoren und Klingel/Hupe auf sich aufmerksam machen.
  • Tempo kontrollieren! Geschwindigkeit der jeweiligen Situation anpassen. Stets aufmerksam und bremsbereit fahren, da jederzeit mit unerwarteten Hindernissen zu rechnen ist.
  • Fahrtechnik verbessern – Kursangebot nutzen! Dosiertes Bremsen, die richtige Abfahrtsposition, sicheres Kurvenfahren sowie kontrollierte Sprünge: All das lässt sich in MTB-Fahrtechnikkursen lernen, z.B. bei den alpinen Vereinen und Bike-Akademien.
  • Für den Notfall bereit sein – besonders dann, wenn man allein unterwegs ist! Die geplante Tour Angehörigen mitteilen. Mit einem vollen Handyakku starten, um im Ernstfall einen Notruf absetzen zu können (140 alpiner Notruf Österreich, 112 Euro-Notruf). Mit Notruf-Apps (z.B. SOS EU-Alp) lassen sich Standort und Gesundheitsdaten auf einfache Weise an die Rettungskräfte senden.
  • Rücksichtnahme auf Natur, Mensch und Tier! Nur für das Mountainbiken vorgesehene Wege benützen. Auf andere Wegnutzer*innen Acht geben. Beschilderung und Verhaltensregeln beachten (z. B. Wegsperren, Schutzzonen).


Cornelia Schobesberger
April 2022


Bild: Gutesa/shutterstock



Zuletzt aktualisiert am 29. April 2022