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Wenn Jugendliche Trinken, Rauchen oder Kiffen – Tipps für Eltern

Wenn Jugendliche Trinken, Rauchen oder Kiffen – Tipps für Eltern

Klar ist: Jugendliche sollten weder Alkohol trinken, rauchen oder gar Cannabis oder andere Drogen konsumieren. Tatsache ist aber, dass ein Teil dieser Altersgruppe dies dennoch macht. Eltern sind oft besorgt über das Verhalten der eigenen Kinder und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen. Von Profis kommen einige Lösungsvorschläge. 

Der Trend ist folgender: Im Großen und Ganzen gleicht sich das Konsumverhalten bei Alkohol und Nikotin bei Mädchen und Burschen immer mehr an. Burschen rauchen immer weniger, auch der Alkoholkonsum ist leicht rückläufig. Mädchen dagegen rauchen heute mehr als vor zehn Jahren, sie greifen mittlerweile sogar häufiger zur Zigarette als Burschen. „Stark im Trend liegt Cannabis. Immer mehr Jugendliche konsumieren dieses illegale Rauschmittel“, sagt Primar Dr. Kurosch Yazdi, Leiter der Suchtabteilung am Neuromed Campus des Kepler Universitätsklinikums Linz. 

Wie sinnvoll sind Verbote? 

Jugendliche lassen sich den Konsum von Alkohol und Zigaretten von den Eltern in der Regel nicht verbieten. Es macht also wenig Sinn, solche Verbote aufzustellen. Man könnte die Einhaltung der Verbote auch nicht durchgängig kontrollieren.

Grenzen zu setzen ist aber sinnvoll und auch nötig. So kann man Regeln für das Verhalten zu Hause aufstellen, etwa, dass in der Wohnung generell nicht geraucht und Alkohol getrunken wird.

In der Praxis gilt es einen Kompromiss zu finden, wie etwa folgender: Unter der Woche gar nicht rauchen und kein Schluck Alkohol, dafür ist eines oder beides davon beim Ausgehen am Wochenende erlaubt. 

Das Verhalten des Kindes als Maßstab 

Verantwortungsbewusste Eltern stellen sich oft die Frage, ob sie in das Konsumverhalten ihrer jugendlichen Kinder mit Verboten eingreifen sollen. Es gibt jedoch keine Faustregel, wieviel man einem Jugendlichen zugestehen kann, wie viel er trinken oder rauchen darf. Ist das „Kind“ generell vernünftig und verlässlich – absolviert es Schule oder Lehre ohne größere Probleme, ist es sozial integriert und treibt, wenn möglich auch Sport – gibt es für Eltern in der Regel keinen Grund, sich Sorgen zu machen und Verbote aufzustellen, wenn der Nachwuchs an den Wochenenden ausgeht und im Rahmen des Üblichen mit Gleichaltrigen feiert.  

Wenn das Kind allerdings in seinem ganzen Verhalten unvernünftig ist, wenn es risikobereit ist und in vielerlei Hinsicht häufig über die Stränge schlägt, dann sollte man das Ausgehverhalten und den möglichen Konsum von Alkohol, Zigaretten, Cannabis und möglicher anderer Drogen genau beobachten. „In diesem Alter lassen sich viele nicht mehr beeinflussen und tun, was sie und ihre Freunde für richtig halten. Verbote bringen hier oft nichts, besser ist es, ständig im Gespräch zu bleiben, einen guten Kontakt zu halten und auch immer wieder dieses problematische Thema anzusprechen“, sagt Primar Yazdi. 

Modeerscheinung Cannabis 

Der Konsum von Cannabis (z.B. in Form von Marihuana) wird zunehmend zur Modeerscheinung auch unter jungen Menschen. Leider unterschätzen Jugendliche meist mögliche Gefahren des Cannabiskonsums. Dazu kommt noch, dass der Cannabis-Wirkstoff THC in Österreich verboten ist. Zu den potenziellen gesundheitlichen Gefahren drohen somit auch Probleme mit Polizei und Justiz. Auch hier gilt es, als Eltern wertschätzend „lästig“ zu bleiben und das Thema immer wieder zu besprechen. Aber eine Verteufelung dieser Droge mit Aussagen wie „Wenn Du weiter kiffst, wirst du bald ein heroinsüchtiger Obdachloser sein“ sind nicht hilfreich. Wenn keine Veränderung ersichtlich ist, sollte der Weg zu einer Drogenberatungsstelle frühzeitig eingeschlagen werden. 

Beratung für auffällige Jugendliche 

Jugendliche, die keine Grenzen kennen und immer wieder Probleme bekommen, weil sie zu viel trinken und dann dumme oder illegale Sachen machen oder in Gefahr geraten, sollte man, wenn möglich rasch Hilfe anbieten. Gespräche mit professionellen Beratern (betreffend Alkohol und Sucht) werden von Jugendlichen zum Teil gut angenommen, vor allem dann, wenn sie die Eltern als Gesprächspartner nicht mehr akzeptieren. Eine Beratung wird einen Jugendlichen zwar nicht dazu bringen, sofort auf seine Suchtmittel zu verzichten, doch es schafft ein Problembewusstsein, welches vielen Jugendlichen oft völlig fehlt. Der Jugendliche erkennt durch Beratung sein Problem deutlicher als bisher und sieht sein Verhalten vielleicht kritischer. 

Suchtexperte Yazdi: „Je älter der Nachwuchs wird, desto schwieriger ist es, ihn zu einer professionellen Beratung zu überreden. Natürlich kann man Jugendliche nicht dazu zwingen, aber man kann mit ihnen verhandeln. Man kann etwa sagen: Wenn du wirklich möchtest, dass ich dir ein neues Handy kaufe, dann komme bitte mit zur Beratung. Das ist meine Bedingung.“ 

Einfluss ist möglich 

Als Eltern wird man keine Wunder bewirken, aber man sollte tun, was man kann, damit das Kind einen vernünftigen Umgang mit Alkohol & Co erlernt und nicht in die Sucht abgleitet. Auch wenn der Nachwuchs mit 16 oder 17 Jahren bald volljährig ist, so ist es dennoch in einem gewissen Rahmen möglich, weiterhin auf ihn Einfluss zu nehmen. 

Das Wichtigste ist: Im Gespräch bleiben. Und wertschätzend kommunizieren. Das Kind nicht abwerten, indem man ihm vermittelt, wie dumm sein Verhalten sei. Dem Kind zu verstehen geben: Ich mag dich. Dein Konsum von Alkohol & Co macht mir aber Sorgen. Wenn ich dir lästig erscheine, zeigt das nur, wie wichtig du mir bist. 

Sich vom Kind abzuwenden und ihm die Aufmerksamkeit, Anerkennung und Liebe zu entziehen, wäre das gänzlich falsche Signal. „Jugendliche sind meist ziemlich verunsichert. Je cooler sie sich geben, desto unsicherer sind sie in Wahrheit. Sie brauchen auch weiterhin in einem gewissen Ausmaß die Führung der Eltern, die ihnen den Weg weisen. Eine Abkehr vom Kind wäre völlig falsch“, sagt Primar Yazdi. 

Um Jugendliche verstehen und mit ihnen besser reden zu können, ist es wichtig, ihre Motivation zu kennen, warum sie häufig trinken, rauchen und/oder kiffen. Fragt man danach, heißt es oft vorschnell, dass die Freunde sich genau so verhalten würden. „Alle feiern. Mein Verhalten ist ganz normal.“ Dennoch ist es sinnvoll, die Frage nach dem Warum öfter zu stellen, um Problembewusstsein zu erzeugen. 

Bedenklicher Konsum 

Hält man das Verhalten des Nachwuchses für bedenklich, hilft es wenig, wenn man gesundheitliche Argumente ins Spiel bringt. Kontraproduktiv sind auch Vorwürfe, Beschimpfungen, Drohungen mit Zwangsmaßnahmen und Bestrafungen. In diesen Fällen wird sich das Kind meist noch mehr in die Welt der Suchtmittel flüchten.

Dagegen kann sanfter Druck manchmal wirksam sein. Man kann etwa sagen: Solange du so viel trinkst, zahle ich dir den Führerschein nicht. Dafür erscheinst du mir im Moment noch nicht reif.

Man kann auch zu bedenken geben, dass man durch den Konsum/Missbrauch körperlich abbaut und im Sport schlechtere Leistungen erbringt. Oder man versucht es besorgt und freundschaftlich, indem man sagt: Ich finde es nicht gut, dass du trinkst (etc.), aber du hast im Moment sicher gute Gründe, warum du das im Augenblick für gut hältst.

Ein jedes Kind ist anders und Eltern müssen ausprobieren, auf welche Weise sie ihr Kind noch erreichen und positiv beeinflussen können.

Erkennt man, dass das Kind gewillt ist, seinen Konsum einzuschränken, das aber nicht schafft, sollte man anbieten, gemeinsam professionelle Hilfe aufzusuchen. 

Dranbleiben 

Ein einziges „Aufklärungsgespräch“ mit dem Kind über sein Konsumverhalten bringt wohl kaum Veränderung. Als Eltern gilt es, den Nachwuchs bis zur Volljährigkeit – und darüber hinaus – mit Gesprächen zu begleiten. Und auch bei dem Thema Suchtmittel heißt es bei Bedarf ständig „lästig“ zu sein. Die Kommunikation muss jedoch wertschätzend erfolgen. Man kann auch direkt sagen: Du bist mir so wichtig, daher bleibe ich an der Sache dran. Der Nachwuchs weiß dann, dass er zwar unter einer gewissen Beobachtung steht, er weiß aber auch, dass er den Eltern nicht egal ist. 

Vorbild sein 

Jugendliche wollen erwachsen wirken. Sie beobachten, wie die Eltern und andere Erwachsene mit Suchtmitteln umgehen. Oft glauben sie, Alkohol und Zigaretten lässt sie erwachsener erscheinen. Man sollte also als Eltern Vorbild sein und zeigen, dass man als Erwachsener weitgehend auch ohne Suchtmittel leben kann und dass es einen dabei gut geht. Es ist daher sinnvoll, einen maßvollen Alkoholkonsum vorzuleben und vor den Kindern möglichst nicht zu rauchen. 

Freundeskreis 

Vater und Mutter können dem jugendlichen Kind dessen Freundeskreis nicht vorschreiben oder verbieten. Würde man eine solche Ausgrenzung versuchen, würde man wohl den gegenteiligen Effekt erzielen, da sich das Kind nun „jetzt erst recht“ seinen Freunden zuwendet. „Besser wäre es, mit den Freunden in Kontakt zu kommen. Wenn man mit ihnen wertschätzend redet, kann man auch Einfluss nehmen, indem man auch über das Verhalten beim Feiern spricht und ob sie aufeinander aufpassen“, rät Primar Yazdi. 

Eine andere Möglichkeit wäre es, wenn man im Freundeskreis sportlichen Ambitionen weckt oder fördert. Wer sportlich ist und auch sportliche Erfolge feiern möchte, lebt meist freiwillig gesünder als Nichtsportler. Zwar bilden sich auch beim Sport Freundeskreise, die in diesem Alter wahrscheinlich auch gerne ausgehen, jedoch ist die Gefahr von Alkoholexzessen und Drogenkonsum geringer.

 

Dr. Thomas Hartl
Juni 2022


Bild: Pressmaster/shutterstock.com

 

 

Zuletzt aktualisiert am 22. Juni 2022