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Suizid: Risikofaktor Mann

Suizid: Risikofaktor MannMänner behalten „persönliche Probleme” eher für sich. Während Frauen sich noch um Hilfe bemühen, entschließen Männer sich bereits fest dazu, sich das Leben zu nehmen. Suizid ist eine typisch männliche Reaktion auf Depression und Vereinsamung.

Zwischen 60 und 70 Jahre alt, depressiv, männlich: Wenn diese drei „Risikofaktoren“ zusammentreffen, steigt die Gefahr für eine Selbsttötung sprunghaft an. Doch auch bei den jüngeren Altersgruppen sind es vor allem Männer, die durch einen Suizid sterben. Zwar stehen ihnen die Frauen bei der Anzahl der Suizidversuche in nichts nach, den Männern gelingt der Versuch allerdings doppelt bis drei mal so häufig. Und zwar in allen Altersgruppen – auch bei den Kinderselbstmorden ist die männliche Dominanz weit höher. Das liegt vor allem daran, dass bei Frauen suizidale Handlungen weit öfter als ein Hilfeschrei zu werten sind. Außerdem bevorzugen Männer die sogenannten harten Methoden wie Erschießen, während Frauen eher die sogenannten weichen Methoden wie eine Überdosis Schlaftabletten wählen.

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Hauptursache Depression

Neun von zehn Männern, die durch einen Suizid sterben, leiden an einer Depression, die entweder nicht erkannt oder falsch behandelt wurde. Ältere Männer sind dann besonders betroffen, wenn sie ihren Selbstwert vor allem aus ihrem Beruf bezogen haben und die sich in der Pension ausgeschlossen und isoliert fühlen. Generell gilt, dass Männer persönliche Probleme eher für sich behalten und seltener ärztliche Hilfe suchen. Sie kommen mit Krisen offenbar schlechter zurecht als Frauen. Viele weigern sich aus falschem Stolz, die notwendige ärztliche Hilfe anzunehmen. So wird die dahintersteckende Krankheit bei Männern einfach nicht erkannt und daher auch nicht behandelt. Dabei lassen sich Depressionen, die Hauptauslöser für den Suizid, heute sehr gut mit Antidepressiva und anderen Medikamenten behandeln (die im übrigen meist sehr gut vertragen werden und vielen Menschen, die im Gefängnis der Depression stecken, so etwas wie ein zweites Leben schenken). Besonders gut bewähren sich Antidepressiva in Kombination mit einer Psychotherapie, der Männer leider mit weit größerer Skepsis als Frauen gegenüberstehen.

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Wie man helfen kann

Experten empfehlen, selbstmordgefährdete Menschen direkt auf die Thematik anzusprechen. Auch dann, wenn diese das Thema nicht von sich aus zur Sprache bringen. Denn angekündigt wird der Suizid, im Gegensatz zur landläufigen Meinung, gerade bei Männern nur eher selten. Man sollte allerdings keinesfalls selbst in die Rolle eines Psychotherapeuten schlüpfen, sondern den Betroffenen dazu bewegen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erste Anlaufstelle kann hier der praktische Arzt, der Neurologe, die neurologische Abteilung eines Krankenhauses oder der psychiatrische Notfalldienst sein.

Dr. Regina Sailer
August 2010


Foto: Bilderbox, privat

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Kommentar

Suizid: Risikofaktor Mann„Suizidprävention geht jeden an! Denken Sie daran, wenn Sie damit konfrontiert werden, dass jemand nicht mehr leben will, oder wenn Sie spüren, dass bei einem Bekannten etwas nicht stimmt! Wenn etwas in Ihnen solche Sorge auslöst, dann dürfen Sie das offen aussprechen. Sie können derjenige sein, der den Betroffenen dazu bringt, professionelle Hilfe zu suchen.”
Dr. Reinhold Fartacek
Leiter des Forschungsprogramms für Suizidprävention an der Medizinischen Privatuniversität Paracelsus in Salzburg

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020