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Schreckgespenst Frau

Schreckgespenst FrauMit gestärktem Selbstwertgefühl gegen die Gynophobie. Frauenhelden à la Julio Iglesias haben ein Pendant: Männer, die krankhafte Angst vor Frauen haben. Diese Angst hat einen Namen: Gynophobie. Sie gehört zu der großen Gruppe der Sozialphobien.
 

Die Auslöser der Angst vor Frauen sind vielfältig. "Es kann ihr eine ungelöste Mutterproblematik ebenso zugrunde liegen wie eine negative Erfahrung mit einer Frau", berichtet Dr. Hans Morschitzky; klinischer Psychologe und Psychotherapeut an der Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg, Linz, der sich auf die Behandlung derartiger Angststörungen spezialisiert hat. Auch sexuelle Unsicherheit kann dazu führen. Selbstwertgefühl wird bei Phobikern meist sehr klein geschrieben.

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Furcht vor Ablehnung

Grundsätzlich fürchten Betroffene, dem Vergleich mit Geschlechtsgenossen in den unterschiedlichsten Bereichen im Leben mit einer Frau nicht standhalten zu können. Letztendlich führt diese Furcht so weit, dass sie es eher in Kauf nehmen, auf den Kontakt mit der Angebeteten zu verzichten, als eine Abfuhr zu riskieren. Logische Folge: Betroffene werden zunehmend unsicher, verlieren jegliche Spontaneität und ziehen sich immer mehr zurück. Demnach ist wohl nicht jeder eingefleischte Junggeselle dies auch aus Überzeugung. "Viele Betroffenen leiden bereits in jungen Jahren an den Folgen der Phobie", so Morschitzky. Das kann sich darin äußern, dass sie scheinbar kein Interesse am anderen Geschlecht haben und zu Kompensationen neigen, etwa extremes Bergsteigen. Andere greifen zur Flasche, um sich Mut anzutrinken. Lebt ein Gynophobiker mit einer Frau in einer Beziehung, die vornehmlich auf ihre und weniger auf seine Initiative zurückzuführen ist, so neigt er oft zu starker Eifersucht. Morschitzky: "Die Eifersucht ist als Ausdruck seiner übergroßen Verlustangst zu verstehen." Auch wenn es paradox klingt: So mancher "Frauenheld" leidet tatsächlich an einer Gynophobie. "Er braucht die zahlreichen Beziehungen als Bestätigung, zieht sich jedoch aus Furcht, sexuell nicht die Erwartungen zu erfüllen, in letzter Konsequenz immer wieder zurück", so Morschitzky.

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Training des Selbstwertgefühls

Weil die Einsicht, dass die Angst vor Frauen übertrieben ist, auch bei Gynophobie gegeben ist, suchen viele Betroffene professionelle Hilfe. Diese wird von Psychoanalytikern wie Verhaltenstherapeuten mit unterschiedlichen Therapieansätzen geboten. Beide fungieren dabei als Steigbügelhalter zur Selbsterkenntnis. Ziel ist es, dass Betroffene zu ihrer Persönlichkeit finden und lernen, ihre Schwächen als Teil ihrer Individualität zu akzeptieren. "Gemeinsam stärken wir Schritt für Schritt das Selbstwertgefühl und verbessern damit die Beziehung zu uns selbst", erläutert Morschitzky die prinzipielle Vorgangsweise. Wird die krankhafte Angst vor Ablehnung zu einer "gesunden" Restangst, ist die Phobie bewältigt. Ist der Phobiker von gestern also überzeugt, dass er sich dank seiner Individualität nicht mit anderen messen muss, wenn er sich nicht jedes Problem einer Beziehung auf die eigenen Fahnen heftet und es nicht mehr als unzumutbaren persönlichen Makel betrachtet, hat er langfristig gewonnen.

Gabriele Beran
April 2006

Foto: mauritius, privat

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Kommentar

Schreckgespenst Frau"Ursache jeder Sozialphobie ist ein zu schwach ausgeprägtes Selbstwertgefühl. Ziel jeder Therapie ist es, das Selbstwertgefühl entsprechend zu stärken. Es geht im Kern darum, die Beziehung zu sich selbst zu stärken."
Dr. Hans Morschitzky
Klinischer Psychologe und Psychotherapeut, Landes-Nervenklinik Wagner-Jauregg, Linz

Zuletzt aktualisiert am 11. Mai 2020