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Kurkuma

Kurkuma ist kein Diabetes-Wundermittel

Kurkuma ist kein Diabetes-Wundermittel, Roter Reis schon gar nicht. Zur Cholesterinsenkung sollte statt dem Hefereis am besten ein synthetisch hergestelltes und dosierungssicheres Statin eingesetzt werden, sagte am Montag bei der 53. Wissenschaftlichen Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming (bis 11. März) Hermann Stuppner vom Institut für Pharmazie in Innsbruck.

Rund um die Zuckerkrankheit gibt es immer wieder und oft wechselnde "Hypes" zu "natürlichen" Nahrungsmittelergänzungen etc., die vor allem eine Blutzucker-senkende Wirkung haben oder haben sollen. Die Problematik laut Stuppner: "Die wissenschaftliche Grundlage für die Wirksamkeit bei Erkrankungen des metabolischen Syndroms ist mangelhaft." Viele der frei verkäuflichen Nahrungsergänzungen hätten auch völlig unterschiedliche Inhaltsstoff-Konzentrationen.

Bei Kurkuma-Extrakten ist die Sache noch relativ klar. Da gibt es beispielsweise eine klinische Studie mit 240 Probanden mit Prädiabetes, bei denen in der Placebo-Gruppe zehn Prozent innerhalb von drei Monaten das Vollbild von Diabetes entwickelten. Bei der anderen Hälfte der Probanden mit zweimal drei Kapseln zu 250 Milligramm Kurkuma-Extrakt war das bei keinem der Getesteten der Fall. Metaanalysen von vielen Studien scheinen einen Blutzucker-senkenden Effekt ebenfalls zu belegen.

Typ-2-Diabetiker haben sowohl eine Insulinresistenz mit zu hohen Blutzuckerwerten als auch zumeist einen zu hohen Blutdruck sowie zu hohe Blutfettwerte, was unter dem sogenannten metabolischen Syndrom subsumiert wird. Hier ist Roter Reis in der jüngeren Vergangenheit buchstäblich "gehypt" worden. Es handelt sich um normalen Reis, der per Rotschimmel fermentiert wird. Dann enthält er Monacolin K.

"Monacolin ist strukturell ident mit Lovastatin", sagte Stuppner. Lovastatin ist das klassische Cholesterin-senkende Statin-Medikament (auch Simvastatin). Der Hefereis hat eine ähnliche Wirksamkeit bei der Reduktion der "bösen" LDL-Blutfettwerte, welche Atherosklerose etc. begünstigen. Doch Roter Reis hat auch die Nebenwirkungen der Statine, zum Beispiel Muskelschmerzen und Muskelschädigungen bis hin zu lebensgefährlichen Komplikationen (Rhabdomyolyse; Auflösung der quergestreiften Muskeln).

Bei 26 Produkten aus Rotem Reis wurden extrem hohe Schwankungen an Monacolin-Gehalt registriert, zitierte der Experte eine Bewertung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC). Der Konsument kann also nicht so wirklich wissen, was er bei Konsum der Produkte so wirklich "abbekommt".

"Natürlich, aber nicht harmlos", sagte Stuppner. Bei der Cholesterinsenkung auf dem Wege der HMG-CoA-Reduktase-Hemmer (Statine) sollte man besser auf die weltweit milliardenfach erprobten synthetischen Medikamente mit exakter Dosierung vertrauen. Zimt hilft laut wissenschaftlichen Studien überhaupt nichts bei der gewünschten Senkung der Blutzuckerwerte.

 

Quelle: Schladming (APA) - 2020-03-10/13:48

Bild: APA (dpa/gms/Christin Klose)


Zuletzt aktualisiert am 22. Mai 2020