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Dickes Kind

Sport senkt bei übergewichtigen Kindern das Diabetes-Risiko

Übergewicht und Fettleibigkeit sowie Bewegungsmangel fördern die Entstehung des Typ-2-Diabetes. Sogar stark übergewichtige Kinder und Jugendliche sind vom sogenannten Altersdiabetes bereits betroffen. Abhilfe lässt sich durch mehr körperliche Aktivität und Sport schaffen, denn das senkt das Risiko einer Insulinresistenz und beugt damit Typ-2-Diabetes vor. 

Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit") ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, die zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führt. Man unterscheidet Typ-1 und Typ-2-Diabetes. Rund 650.000 Menschen leiden an Typ-2-Diabetes, das entspricht zirka acht Prozent der österreichischen Bevölkerung – Tendenz stark steigend. Früher wurde Typ-2-Diabetes als Altersdiabetes bezeichnet, weil er meist bei älteren Menschen auftrat. Dieses Bild hat sich weitgehend geändert; immer mehr Betroffene zählen zu den jüngeren Generationen, darunter auch Jugendliche und (stark übergewichtige) Kinder. 

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Wie der Zuckerstoffwechsel funktioniert 

Bei der Nahrungsaufnahme gelangt Glukose (Traubenzucker) in die Blutbahn. Die Bauchspeicheldrüse misst ständig den Blutzucker – ist dieser hoch, schüttet sie Insulin aus. Insulin sorgt für die Aufnahme der Glukose in die Körperzellen und für den Aufbau von gespeichertem Zucker in der Leber. Ist der Blutzucker niedrig, wird das Hormon Glukagon ausgeschüttet, das Glukose aus dem vorhandenen Zuckerspeicher wieder freisetzt. Durch diese Vorgänge soll ein stabiler Blutzuckerspiegel gewährleistet werden. 

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Problem mit Insulin 

Ursachen der Typ-2-Diabetes-Erkrankung sind in der Regel ein zu geringes Ansprechen der Körperzellen auf Insulin sowie erst in zweiter Linie eine zu geringe Produktion des Hormons Insulin. Bei ersterem handelt es sich um eine angeborene oder erworbene Insulinresistenz der Zellen. Hier wirkt Insulin an den Zielzellen nicht ausreichend, bei zweiterem werden durch eine Autoimmunreaktion die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüsen zerstört und somit zu wenig Insulin produziert, was an sich ein typisches Charakteristikum des Typ-1-Diabetes darstellt. „Durch Überernährung wird eine bestehende Insulinresistenz weiter verstärkt. In der Folge muss die Bauchspeicheldrüse noch mehr Insulin herstellen. Langfristig kommt es zum Ausbruch der gefürchteten Zuckerkrankheit, die beim Typ-2 weniger fulminant, sondern eher schleichend und oft unbemerkt passiert“, erklärt Dr. Beate Biesenbach, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde Linz.

In der Regel entwickelt sich Typ-2-Diabetes langsam. Weil ein hoher Blutzucker keine Schmerzen oder anderen deutlichen Symptome verursacht, vergehen bis zur Diagnose oft fünf bis zehn Jahre – eine Zeitspanne, in der die Erkrankung erhebliche Schäden anrichten kann. 

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Bewegung bietet Schutz vor Diabetes-Typ-2 

Eine Insulinresistenz, also eine verringerte Reaktion von Körperzellen auf Insulin, gilt als Risikofaktor und Vorbote einer Typ-2-Diabetes. „Daher ist es wichtig, dass es bei Kindern zu keiner Insulinresistenz kommt. Früher dachte man, dass es nur eine gute Fitness brauche, um eine Insulinresistenz zu vermeiden. Heute aber weiß man, dass auch fitte Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Risiko haben können“, sagt Biesenbach.

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Bewegung wichtiger als Fitness 

Die Studie ergab, dass es nicht auf die Fitness ankomme. Vielmehr führe ein Mehr an körperlicher Bewegung zu geringerer Insulinresistenz und diese Bewegung beuge damit Typ-2-Diabetes vor. „Wichtig ist also die Bewegung und der Sport an sich. Das gilt insbesondere auch für übergewichtige Kinder. Körperliche Aktivität und Sport beugen vor, eine Diabetes-Typ-2-Erkrankung zu bekommen. Jedes Kind sollte gefördert und gefordert werden, sich regelmäßig zu bewegen, um kein Übergewicht anzusammeln und nicht in ein metabolisches Syndrom zu rutschen“, sagt Biesenbach. Empfohlen werden pro Woche mindestens drei Mal 30 Minuten Sport.

Generell sollte der Nachwuchs von Kindesbeinen an mit Sport und körperlichem Spiel in Kontakt kommen und dies sollte auch unterstützt werden. „Kinder sollten einen bewegten Lebensstil beigebracht bekommen, indem sie viel zu Fuß gehen, mit dem Rad fahren und sich generell viel und mit Spaß bewegen. In Vereinen, privat und auch in der Schule gäbe es jede Menge an Möglichkeiten für ausreichend Bewegung, die leider viel zu wenig genützt werden. Besonders der Schulsport und hier die lange geforderte eine Stunde Sport pro Tag wären hier gefragt“, sagt die Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde. 

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Vom Übergewicht zum metabolischen Syndrom 

Im Zusammenspiel mit Bewegungsmangel und individueller Veranlagung erhöht Übergewicht das Risiko, an Diabetes-Typ-2 zu erkranken. Je höher der BMI, desto größer die Erkrankungsgefahr. Von Übergewicht spricht man bei einem Body-Mass-Index ab 25; Übergewicht ist die Vorstufe zu Adipositas (Body-Mass-Index ab 30).

Vor allem Adipositas ist ein großes Problem. Eine solche Fettleibigkeit gilt als chronische Erkrankung, die in Kombination mit Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Cholesterin- und Triglyzeridwerte), erhöhten Harnsäurewerten, Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit erhöhten Blutdrucken, erhöhten Entzündungsparameter und der gestörten Glukosetoleranz zum sogenannte metabolischen Syndrom zählt. „Viele übergewichtige Kinder leiden bereits an einem metabolischen Syndrom. Es wäre für ihre weitere Gesundheit enorm wichtig, Gewicht zu verlieren“, sagt Biesenbach. 

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Bewegung als Therapie 

Nicht nur vorbeugend ist regelmäßige Bewegung von Vorteil, Bewegung und körperliche Aktivitäten sind auch fixe und unverzichtbare Bausteine einer jeden Therapie bei Diabetes-Typ-2. „Durch Bewegung wird der Blutzuckerspiegel abgesenkt, Sport hilft den Blutzuckerspiegel zu normalisieren. Auch medikamentöse Therapie in Form von Tabletten spielen bei unseren Typ-2-Diabetikern bereits eine Rolle. Eine Änderung des Lifestyles in Richtung mehr Aktivität und weniger sitzende Passivität ist unbedingt nötig, wenn man langfristig Erfolg haben will“ sagt Biesenbach. 

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Folgen der Zuckerkrankheit 

Wie wichtig es ist, Diabetes-Typ-2 durch Prävention zu verhindern, zeigt sich, wenn man sich die möglichen Folgeschäden vor Augen führt: Diabetes-Typ-2 ist eine fortschreitende Erkrankung, deren Spätfolgen jeden Bereich des Körpers betreffen können. Bereits geringfügig erhöhte Blutzuckerwerte können zu gefährlichen Veränderungen an den Blutgefäßen des Körpers und zu Nervenschäden führen. Darum sterben zwei Drittel aller Diabetiker an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch Sehstörungen, Nierenschädigungen, Sexualstörungen und Amputationen sind häufige Spätfolgen. „Es ist daher für Kinder und Jugendliche absolut wichtig, Diabetes zu verhindern beziehungsweise möglichst frühzeitig zu erkennen und rasch geeignete Maßnahmen zu ergreifen“, appelliert die Kinderärztin.

 

Dr. Thomas Hartl

Oktober 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 14. Oktober 2020