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Marillen und Marillenkerne

Marillenkerne: Gefährlich und kein Mittel gegen Krebs

Obwohl sie giftiges Amygdalin enthalten, werden geschälte bittere Marillenkerne immer wieder als Snack verkauft. Schon die Menge, die in wenigen Kernen enthalten ist, kann gesundheitsschädlich sein. Doch Marillenkerne erfreuen sich nicht nur als Knabberei einer gewissen Beliebtheit, berichtet medizin-transparent.at, das unabhängige Online-Service von Cochrane Österreich an der Donau-Universität Krems. 

Im Internet kursiert der Mythos, dass Marillenkerne Krebs bekämpfen könnten. Marillen sind gesund, das Innere ihrer Kerne nicht. Trotzdem werden sie als „pflanzliche Chemotherapie“ beworben. Immer wieder gibt es Menschen, die auf die vermeintlich heilende Anti-Krebs-Wirkung vertrauen und dann mit einer Vergiftung im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Im Februar 2020 entdeckte die österreichische Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) drei Marillenkern-Produkte mit gesundheitsschädlich hohen Mengen an Amygdalin, so medizin-transparent (LINKLINKLINK https://www.medizin-transparent.at/marillenkerne-krebs/). 

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Unwissenschaftlicher Mythos 

Es ist ein Mythos, dass der Verzehr von bitteren Marillenkernen Krebs heilen oder vorbeugen kann. Stattdessen ist belegt, dass das darin enthaltene Amygdalin giftig ist. Durch den Verzehr von bitteren Marillenkernen kann es zu schweren Vergiftungen kommen, die mitunter tödlich enden.

Tatsächlich gibt es keine Hinweise auf eine krebsheilende oder vorbeugende Wirkung. Den Experten von Cochrane ist keine aussagekräftige Studie bekannt, in der die Anti-Krebs-Wirkung von Marillenkernen oder dem darin enthaltene Amygdalin untersucht worden. Das gilt auch für die im Labor hergestellte Form Lätril (englisch: laetrile).

Es gibt lediglich Berichte über Einzelfälle. Vereinzelt beschreiben diese zwar auch eine Besserung der Krebserkrankung, die scheinbar auf die Marillenkern-Wirkung zurückzuführen sind. Das Problem bei solchen Fallberichten ist der fehlende Vergleich mit weiteren Betroffenen, die weder Marillenkerne, Amygdalin oder Lätril erhalten haben. Dass sich die Erkrankung auch ohne diese Mittel gebessert hätte, lässt sich somit nicht ausschließen.

Berichte über einzelne Schicksale sind auch deshalb nicht aussagekräftig, weil sich von ihnen nicht auf andere Betroffene schließen lässt. Es gibt also keine Belege für eine Wirkung gegen Krebs. Doch wie kommen Befürworterinnen und Befürworter dieser „Behandlungsmethode“ überhaupt auf diese Idee? 

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Warum Amygdalin gefährlich ist 

Amygdalin kommt in natürlicher Form nicht nur in Marillenkernen vor, sondern auch in den Kernen anderer Steinfrüchte wie Pfirsiche oder Zwetschken. Auch in rohen Bittermandeln ist die Substanz in hoher Konzentration enthalten.

Giftig ist Amygdalin, weil während ihrer Verdauung Blausäure entsteht. Blausäure hindert die Körperzellen daran, Sauerstoff zu verwerten. Bekommen menschliche Zellen „keine Luft mehr“, können sie in Folge absterben. Je nach Schwere der Vergiftung reichen die Beschwerden von Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen über Atemnot bis hin zu Koma und Tod.

Die gleichzeitige Einnahme von Vitamin C könnte das Risiko für eine Vergiftung erhöhen. Bei einem Vitamin-B-12-Mangel, wie er besonders bei einer veganen Ernährung vorkommen kann, ist dieses Risiko ebenfalls groß. 

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Krebszellen sind nicht empfindlicher als andere Zellen 

Anhänger des Mythos glauben, dass die entstehende Blausäure Krebszellen bevorzugt schädigt. Diese seien empfindlicher als gesunde Körperzellen. In Laborexperimenten lässt sich diese Theorie jedoch nicht bestätigen. 

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Angebliches „Vitamin B17“ 

Einer weiteren haltlosen Theorie zufolge ist Krebs eine Stoffwechselkrankheit, die angeblich durch einen Mangel des in der Wissenschaft unbekannten „Vitamin B17“ verursacht wird. Diese irreführende Bezeichnung verwenden Marillenkern-Fans oft für Amygdalin. Tatsächlich gibt es ein Vitamin mit diesem Namen nicht.

Vitamine sind Stoffe, die der Körper zum Überleben benötigt. Amygdalin ist jedoch für den Stoffwechsel in keiner Weise notwendig und darf daher auch nicht als Vitamin bezeichnet werden. Es existieren lediglich acht B-Vitamine mit den Bezeichnungen: B1, B2, B3, B5, B6, B7, B9, B12. 

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Süße und bittere Marillenkerne 

Bittere Marillenkerne mit ihrer hohen Amygdalin-Konzentration stammen aus der säuerlichen Wildmarille.

Im Handel findet man auch süße Marillenkerne. Sie stammen aus herkömmlichen Marillen, schmecken süß und enthalten meist geringere Mengen Amygdalin. Allerdings können auch in süßen Marillenkernen gesundheitsschädliche Konzentrationen des Giftstoffs stecken. 

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Nur zwei Kerne am Tag unbedenklich 

Geringe Mengen Amygdalin kann der menschliche Körper selbst abbauen. Die gerade noch unbedenkliche Dosis des Gifts erreichen Erwachsene laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung bereits mit zwei bitteren Marillenkernen pro Tag. Die für Kinder unbedenkliche Menge ist deutlich geringer. Daher empfehlen die Fachleute des Instituts, dass Kinder, Schwangere und Stillende gänzlich auf solche Kerne verzichten. 

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Die Studien im Detail 

Im Juli 2018 hat eine deutsch-britische Forschungsgruppe des Cochrane-Netzwerks nach aussagekräftigen Studien zur Wirkung von Amygdalin beziehungsweise Lätril auf Krebs gesucht. Trotz intensiver Suche in mehreren wissenschaftlichen Datenbanken wurden keine solchen Studien gefunden.

Hätte sich nach einer längeren Behandlung mit Amygdalin/Lätril herausgestellt, dass in einer Gruppe nach dessen Einnahme mehr Personen von Krebs geheilt werden als in einer Placebo-Gruppe, wäre dies ein Beweis für die Wirksamkeit. Solche Studien sind jedoch nie durchgeführt worden.

 

medizin-transparent / Mag. Christian Boukal

Juli 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 22. Juli 2020