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Maske

Maske ja, Maske nein? – Studien-Überblick

Viele Menschen haben keine Lust mehr, sich den Lappen bei der Sommerhitze vors Gesicht zu schnallen. Während jene, die bereits Erfahrungen mit CoViD-19 hatten, wie etwa der Schauspieler Tom Hanks, eindringlich ihre Mitmenschen zur Verantwortung rufen. Er fand klare Worte und bekannte, er habe „keinen Respekt vor Maskenverweigerern. Ich nehme euch eure Argumente nicht ab“. 

Auch unter den deutschen Politikern gehen die Meinungen auseinander. Da setzen jedes deutsche Bundesland und seine Politiker andere Schwerpunkte. Wirtschaftsverantwortliche wollen die Maskenpflicht aufweichen, Rechtsextreme demonstrieren ohnehin schon seit Wochen dagegen.

Gesundheitsexperten sehen das allerdings anders: SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach nennt eine mögliche Aufhebung ein „völlig falsches Signal“. Auch für Martin Exner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene, sendet eine Abschaffung die falsche Botschaft, dass die Situation im Griff sei.

Der bundesdeutsche Gesundheitsminister Jens Spahn betont die Notwendigkeit der Maskenpflicht. Schließlich einigen sich die 16 Gesundheitsminister der Länder darauf, die Maskenpflicht beizubehalten. Nur einen Tag später regt die FDP schon wieder an, die bundesweite Maskenpflicht doch „auf den Prüfstand” zu stellen… 

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Politik vs. Wissenschaft 

Die politische Debatte dreht sich scheinbar im Kreis. Derweil geht die wissenschaftliche Diskussion geradlinig in eine Richtung, wie auch aktuelle Studien wieder zeigen: Eine Schutzgarantie bieten die Masken zwar nicht, die Daten sprechen aber für das Tragen einer Gesichtsbedeckung, so medscape Deutschland. 

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Masken wichtiger als Social Distancing? 

Ist der Mund-Nasen-Schutz (MNS) womöglich sogar wichtiger als Social Distancing? Zu dieser Einschätzung gelangen US-Epidemiologen in ihrer jetzt in PNAS (Proceedings of the National Academy of Siences oft he US of A) veröffentlichten Studie. Texaner Zhang und Kollegen aus Texas und Kalifornien konnten zeigen, dass sich die Kurven in Italien und in New York deutlich abgeflacht haben, seitdem ein MNS vorgeschrieben ist. Allein durch diese Schutzmaßnahme sei die Zahl der Infektionen signifikant gesenkt worden, d.h. um über 78.000 in Italien vom 6. April bis 9. Mai und um über 66.000 in New York City vom 17. April bis 9. Mai.

Andere Maßnahmen wie Social Distancing reichten allein nicht aus, um die Bevölkerung zu schützen. Sie kommen zu dem Schluss, dass das Tragen von Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit das wirksamste Mittel ist, um eine Übertragung zu verhindern. Ihrer Einschätzung nach war die frühe Empfehlung zum Tragen eines MNS maßgeblich daran beteiligt, dass die Zahl der CoViD-19-Fälle in China schneller zurückging als in den meisten westlichen Ländern. 

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Rolle der Aerosole  

„Inzwischen gibt es überwältigende wissenschaftliche Evidenz dafür, dass gerade Masken, auch einfache selbstgefertigte Baumwollmasken, eine mechanische Barriere für die Ausbreitung gerade von Coronaviren darstellen“, schreibt Prof. Dr. Jan-Heiner Küpper Mitte Juni, Professor für Molekulare Zellbiologie an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) in seiner Veröffentlichung zu CoViD-19.

Küpper weist darauf hin, dass sich SARS-CoV-2 nicht nur in den ausgeatmeten größeren Tröpfchen befinden kann, die nach ein bis zwei Metern schnell zu Boden sinken. Sondern auch in Aerosolen, die für viele Stunden in der Luft bleiben können. Dadurch kann die Infektionsdosis in geschlossen Räumen über die Zeit stark ansteigen, wenn sich eine akut infizierte Person darin befindet – und keine Maske trägt.

Im Lauf der Pandemie hatten sich die Anzeichen gemehrt, dass sich das Virus nicht nur durch Husten und Niesen, sondern auch über Ausatmen und Sprechen infizierter Menschen ausbreitet. Anfang März veröffentlichten deutsche Wissenschaftler in New England Journal of Medicine Daten über das erste CoViD-19-Cluster bei einem Autozulieferer in Deutschland. Darunter waren vier Personen, die erkrankten, nachdem sie mit Geschäftspartnern ohne auffälliges Fieber oder Husten in Kontakt gekommen waren. Die Schlussfolgerung daraus: Jeder könnte eine Quelle der Übertragung sein. Und der beste Weg, dies einzudämmen, waren Masken. 

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Welche Masken? 

Eine Studie von Wissenschaftlern der Universität der Bundeswehr München im US-amerikanischen Journal of Aerosol Sience hat die diversen Maskentypen untersucht und kommt zu dem Schluss, dass ein einfacher MNS oder eine chirurgische Maske die Aerosolausbreitung wirksam begrenzen können.

Einen eigenen effizienten Schutz vor einer Tröpfcheninfektion wiederum bieten nur eng anliegende, partikelfiltrierende Halbmasken. Niederländische Studien mit Influenzaviren hatten bereits gezeigt, dass FFP2-Masken dem Träger einen höheren Schutz bieten als chirurgische Masken oder selbstgenähte Alltagsmasken. 

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Desinfizieren der Wohnung? 

Auch eine Studie im British Medical Journal lieferte Anfang Mai Hinweise darauf, dass Masken das Infektionsrisiko senken können. Pekinger Wissenschaftler hatten in 124 Familien, in denen sich einzelne Familienmitglieder mit CoViD-19 infiziert hatten, untersucht, was die gesunden Familienmitglieder unternommen hatten, um sich zu schützen. Sie stellten fest, dass das Infektionsrisiko durch das tägliche Desinfizieren der Wohnung um 77 und durch das Tragen von Masken um 79 Prozent gesenkt werden konnte. 

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Neubewertung des RKI  

Das bundesdeutshe Robert Koch Institut (RKI) empfiehlt das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum zum Schutz von Risikogruppen und um die Ausbreitungsgeschwindigkeit von CoViD-19 zu reduzieren, wenn Abstand halten nicht ausreicht.

Das Institut schreibt von einer zunehmenden Evidenz, dass ein hoher Anteil von Übertragungen unbemerkt erfolgt, also schon vor dem Auftreten von Symptomen. Denn bereits ein bis drei Tage vor Symptombeginn können hohe Virusmengen ausgeschieden werden. Eine teilweise Reduktion dieser unbemerkten Übertragung durch das Tragen von Masken könnte die Ausbreitung von SARS-CoV-2 verlangsamen, so das RKI.

Voraussetzung sei, dass genügend Menschen einen MNS tragen und ihn richtig anwenden. MNS und FFP2-/FFP3-Masken unterscheiden sich dabei nicht nur in der Stärke der Filterwirkung der Atemluft. Während ein MNS primär andere Personen vor feinen Tröpfchen und Partikeln in der Ausatemluft schützt, zielen FFP2-/FFP3-Masken auf den persönlichen Schutz des Trägers ab. Kommerziell und privat hergestellter MNS bestehen meist aus Baumwollstoffen. 

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WHO schwenkt um 

Während in einigen Ländern Ostasiens der Mund-Nase-Schutz während der Grippe-Wellen seit Jahren verbreitet ist, wurde die Schutzwirkung gegen SARS-CoV-2 von westlichen Epidemiologen und von der WHO lange bezweifelt. Es wurde zu bedenken gegeben, dass sich die Träger von Masken womöglich unvorsichtiger verhielten, weil sie sich in falscher Sicherheit wiegen.

Nachdem nun die Ergebnisse einer großen, von der WHO in Auftrag gegebenen Meta-Studie vorliegen und auch der MNS eine gute Schutzwirkung attestieren, hat die WHO ihre Richtlinien zum Tragen von Schutzmasken aktualisiert.

Sie rät nun zum Gebrauch von Masken besonders an Orten, an denen das Virus weit verbreitet ist sowie in Situationen, in denen Abstand halten nur schwer möglich ist. Sie hebt aber auch hervor, dass Masken immer nur als Teil einer umfassenden Gesamtstrategie verwendet werden sollten.

 

Der gesamte Artikel wurde am 16. Juli 2020 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier abrufbar.

 

Mag. Christian Boukal / medscapemedicine.de

Juli 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 31. Juli 2020