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Schwangere sitzt am Fenster

Harninkontinenz bei und nach der Schwangerschaft

Harninkontinenz während oder nach einer Schwangerschaft ist häufig – etwa jede dritte Frau hat in dieser Lebensphase Probleme mit der Kontinenz. Die gute Nachricht: Man kann vorbeugend etwas tun und auch eine bestehende Blasenschwäche lässt sich wieder in den Griff bekommen, berichtet die Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ). 

Die MKÖ erklärte anlässlich der Welt-Kontinenz-Woche von 15. bis 19. Juni 2020 an Hand von virtuellen Vorträgen und praktischen Beckenbodenübungen wie sich Betroffene helfen können. Informationen und praktischen Tipps finden Sie auf der Webseite und dem YouTube-Kanal der MKÖ

Beckenboden-Probleme mit ihren Folgen für die Kontinenzfunktion zählen – vor allem bei Frauen – zu den häufigsten chronischen Gesundheitsproblemen überhaupt. „Etwa 15 Prozent aller Frauen sind von Harninkontinenz betroffen, neun Prozent leiden an Stuhlinkontinenz und rund drei Prozent an einer Gebärmutter- und Scheidensenkung“, informiert der Gynäkologe Univ.-Prof. Dr. Engelbert Hanzal, Koordinator des Kontinenz- und Beckenbodenzentrums am AKH Wien und Vorstandsmitglied MKÖ. „Diese Krankheitsbilder wirken sich massiv auf die Lebensqualität aus.“ Während einer Schwangerschaft leiden sogar bis zu zwei Drittel der Frauen an unfreiwilligem Harnabgang – verursacht durch den Druck, der in dieser Zeit permanent auf die Beckenbodenmuskulatur und den Blasenschließmuskel lastet. Schwangerschaft ist somit neben Übergewicht und Alter ein Hauptursache für eine Harninkontinenz. 

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Beckenboden 

Auch während der Geburt leidet der Beckenboden, denn er muss sich maximal dehnen. Oft reicht die Elastizität des Beckenbodens nicht aus und ein Dammriss ist die Folge. Nur etwa eine von zehn Frauen übersteht ihre erste Geburt ohne Dammriss. Hanzal: „Mit einer Dammverletzung hat man ein erhöhtes Risiko für eine spätere Inkontinenz, einer Senkung von Gebärmutter und Scheide, manchmal auch für chronische Beckenschmerzen.“ Vorbeugend kann der Damm gedehnt oder auch durch Beckenbodentraining auf die Geburt vorbereitet werden. „Unser Körper verändert sich in einer Schwangerschaft. Durch diese großen Veränderungen und eben auch, wenn bei der Geburt Verletzungen wie ein Dammriss passieren, können Beschwerden wie eine Inkontinenz zurückbleiben. Physiotherapeuten können die Frauen begleiten und ihnen helfen, den Körper wieder zu regenerieren“, beschreibt die Physiotherapeutin Barbara Gödl-Purrer, MSc, Lektorin am Studiengang Physiotherapie an der FH Joanneum in Graz. 

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Beckenbodentraining beugt vor ... 

Mit gezieltem Beckenbodentraining kann eine Geburt optimal vorbereitet werden. „Es ist wichtig und sinnvoll, den Beckenboden bereits während der Schwangerschaft zu trainieren. Dabei wird die Wahrnehmung für diese Muskulatur geschult sowie die Durchblutung gefördert, wodurch das Gewebe weicher und beweglicher wird. Das kann die Geburt erleichtern“, so die niedergelassene Kärntner Physiotherapeutin Michaela Zechner, BSc, und appelliert: „Wichtig ist, nicht allein die Anspannung zu trainieren, sondern auch auf die Entspannung zu achten.“ Auch einem unkontrollierten Harn- oder Stuhlverlust kann durch Beckenbodentraining vorgebeugt werden. 

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.... und hilft bei Problemen nach der Schwangerschaft 

Die Blase ist ein Muskel und auch die Harnröhre ist von innenliegender Muskulatur umgeben. Diese Muskeln sind aufeinander abgestimmt. Gödl-Purrer erklärt: „Dehnt und entspannt sich der Blasenmuskel bei Füllung, macht die Harnröhre gut zu. Diese Abstimmung ist unwillkürlich gesteuert, wie zum Beispiel auch unsere Atmung oder der Herzschlag. Der Beckenboden hilft hier, weil liegt er zum Teil um die Harnröhre herum liegt, wodurch er die Blase von unten abstützt und helfen kann, die Harnröhre zu verschließen. Auch der After wird dabei unterstützt, dass weder Stuhl noch Winde verloren werden.“ Das Beckenbodentraining kann helfen, diese Muskulatur wieder zu kräftigen. 

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Medikamente und Operation 

Neben der Physiotherapie kommen medikamentöse Strategien zum Einsatz. Wenn weder Beckenbodentraining noch Medikamente erfolgreich sind, gibt es noch die Möglichkeit einer Operation. Unterstützend oder wenn es nicht möglich ist, die Kontinenz wieder vollständig herzustellen, stehen Hilfsmittel zur Verfügung. Aufsaugende Einlagen und Katheter helfen den Betroffenen, trotz ihrer Blasenschwäche wieder ein weitgehend normales Leben führen zu können. 

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Fazit 

Kontinenz- und Beckenbodenprobleme sind sehr häufig. Es besteht ein klarer Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt. Man kann jedoch viel tun, um einer Inkontinenz vorzubeugen und sie zu behandeln. 

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Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich 

Begonnen hat die systematische Inkontinenzhilfe 1990 in Linz, als sich ein kleiner Kreis von Ärzten, diplomierten Gesundheits- und Krankenschwestern und Physiotherapeuten zusammenschloss. Seit Bestehen ist es das Ziel der Medizinischen Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ), Maßnahmen zur Prävention, Diagnostik und Behandlung der Inkontinenz sowie Forschung, Lehre und Praxis zu fördern. Dazu gehören die spezielle Schulung des medizinischen Fachpersonals ebenso wie die gezielte Öffentlichkeitsarbeit zur Information und Beratung von Betroffenen und ihren Angehörigen. Die wissenschaftliche Fachgesellschaft ist zentrale Anlaufstelle auch für Patienten und bietet mit Serviceeinrichtungen wie einer Telefon-Hotline, einer Homepage und Beratungsstellen in den Bundesländern diskrete und anonyme Information. Heute ist die MKÖ maßgeblich an der Vernetzung von Fachärzten, Ambulanzen, Allgemeinmedizinern, Physiotherapeuten, Pflegeberufen und der Öffentlichkeit beteiligt und hat ihren Sitz in Wien. Mehr unter www.kontinenzgesellschaft.at.

 

MKÖ / Mag. Christian Boukal

Oktober 2020


Bild: shutterstock


Zuletzt aktualisiert am 12. Oktober 2020