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Mann sitzt im Rollstuhl mit zwei eingegipsten Beinen

Osteoporose: Schützt Vitamin K vor spröden Knochen?

Wenn ältere Menschen stürzen, sind Knochenbrüche keine Seltenheit, etwa am Oberschenkelhals. Ein Grund dafür ist, dass mit zunehmendem Alter häufig die Knochendichte ab nimmt, die Knochen also leichter brechen. Vor einiger Zeit haben Medien darüber berichtet, dass Vitamin K helfen soll, eine Osteoporose zu verhindern, berichtet medizin-transparent.at, das unabhängige Online-Service von Cochrane Österreich an der Donau-Universität Krems.  

Unterschreitet die Knochendichte einen bestimmten Wert, sprechen Fachleute von einer „Osteoporose“. Betroffen sind vor allem ältere Frauen nach den Wechseljahren. Bei einer Osteoporose können die Knochen in der Wirbelsäule (sog. „Wirbelkörper“) auch ohne Sturz brechen. Vitamin K soll nach Medienberichten auch dazu geeignet sein, eine Osteoporose zu behandeln. medizin-transparent untersuchte ausgehend von der Anfrage einer Leserin, ob das tatsächlich stimmt. 

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Knochenbrüche 

Die ausgehenden Fragen, die sich die Experten von Cochrane Österreich stellten, bezogen sich auf Knochenbrüche, die bei Osteoporose vermehrt auftreten. Die Experten versuchten medizinische Studien ausfindig zu machen, die belegen, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin K helfen, das Risiko für Brüche in der Wirbelsäule oder sonstige Knochenbrüche zu senken. 

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Ergebnisse nicht eindeutig 

Die Antworten fielen nicht ganz eindeutig aus. Wirbelbrüche werden durch die Einnahme von Vitamin K eher nicht verhindert, andere Knochenbrüche möglicherweise „ein bisschen“.

Cochrane Österreich: „Die Einnahme von Vitamin K verringert das Risiko für Wirbelbrüche wohl eher nicht. Diese Einschätzung ist aber nicht gut abgesichert. Das Risiko für sonstige Knochenbrüche könnte sich möglicherweise reduzieren – allerdings nur geringfügig. Auch diese Einschätzung ist mit einiger Unsicherheit behaftet.“ 

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Theoretisch plausibel 

Ganz abwegig ist die Idee einer positiven Wirkung von Vitamin K nicht: Im Stoffwechsel der Knochenzellen spielt Vitamin K eine wichtige Rolle für die Stabilität – das haben Laborversuche gezeigt. Aus Ernährungsstudien ist außerdem bekannt, dass es bei Menschen mit einer höheren Zufuhr von Vitamin K durch die Nahrung seltener zu Knochenbrüchen kommt.

Allerdings war es bei diesen wissenschaftlichen Untersuchungen nicht klar, ob der Schutz vor Knochenbrüchen tatsächlich auf Vitamin K beruhte. Oder auf andere Faktoren, die in den Studien nicht erfasst wurden.

Deshalb mussten Studien gesucht werden, in denen die Wirkung auf Menschen, die Vitamin K einnahmen, jenen gegenüber gestellt wurden, in denen auf solchen Nahrungsergänzungsmittel verzichtet wurden.

Darüber hinaus musste die Zuordnung (Vitamin K: ja bzw. nein) nach dem Zufallsprinzip erfolgen, um den Einfluss anderer Faktoren auszuschalten. 

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Vitamin K als Behandlungsbaustein 

Genau nach solchen Studien – randomisiert und kontrolliert – hat Cochrane gesucht und ist dabei auf eine aussagekräftige Zusammenfassung von solchen Untersuchungen gestoßen. Enthalten sind elf Studien mit rund 8.400 älteren Frauen. Sie hatten zum Teil Osteoporose, zum Teil gesunde Knochen.

In den meisten Untersuchungen wurden Mittel mit einer speziellen Form von Vitamin K2, konkret Menachinon-4 (MK-4) über mehrere Jahre getestet. Fast alle Teilnehmerinnen erhielten außerdem noch andere Mittel zur Stärkung der Knochen, wie etwa Vitamin D oder Calcium. 

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Kein Nutzen – oder höchstens ein kleiner 

Die Ergebnisse der Studien sind jedoch eher enttäuschend: Wirbelbrüche ließen sich mit Vitamin K nicht sicher verhindern. Bei Brüchen an anderen Knochen zeigte sich insgesamt ein kleiner Nutzen:

  • Ohne Vitamin K kam es bei 30 von 1000 Personen zu einem Knochenbruch.
  • Mit Vitamin K kam es bei 22 von 1000 Personen zu einem Knochenbruch.
  • Demnach könnte die Einnahme von Vitamin K also 8 von 1000 Personen einen Knochenbruch ersparen.
  • Die Schätzung für den schützenden Effekt von Vitamin K ist jedoch mit einer erheblichen Unsicherheit behaftet – er könnte auch deutlich kleiner sein.

Hinzu kommt: Die Studien kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Berücksichtigt man nur die Studien mit guter Qualität, ist selbst dieser kleine Nutzen nicht mehr sichtbar. Die aktuelle Studienlage spricht also dafür, dass Vitamin K – wenn überhaupt – nur in sehr kleinem Ausmaß ältere Frauen mit Osteoporose vor Knochenbrüchen schützt.

Ob die Einnahme von Vitamin K mit Nebenwirkungen verbunden ist, wurde in der Zusammenfassung der Studien nicht ausgewertet. 

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Chemisch nicht einheitlich 

Vitamin K ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene chemische Verbindungen.

  • Vitamin K1 kommt vor allem in grünem Blattgemüse vor. Es wird auch Phyllochinon genannt.
  • Unter der Bezeichnung Vitamin K2 (Menachinon, MK) werden eine Reihe verwandter Substanzen zusammengefasst, z.B. Menachinon-4 (MK-4) oder Menachinon-7 (MK-7). Vitamin K2 ist in verschiedenen tierischen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Eiern und Milchprodukten sowie in fermentierten Lebensmitteln enthalten. 
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Nicht zur Krankheitsbehandlung 

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat zwar für Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin K die gesundheitsbezogene Aussage (Health Claim) „Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei“ erlaubt. Nichtdestotrotz kann man daraus nicht schlussfolgern, dass Vitamin K für die Prävention oder Therapie von Osteoporose geeignet ist. 

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Spröde Knochen 

Frauen nach den Wechseljahren gelten als wichtige Risikogruppe für eine Osteoporose. Auch fehlende Bewegung, Calcium- und/oder Vitamin-D-Mangel gehören zu den Risikofaktoren. Außerdem lassen Rauchen oder die langfristige höherdosierte Einnahme von Cortison-Präparaten die Knochen spröde werden.

Osteoporose führt aber nicht automatisch zu Knochenbrüchen. Eine Behandlung mit Medikamenten in den meisten Fällen nur nötig, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen oder bereits Knochenbrüche aufgetreten sind. 

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Die Studien im Detail 

Bei seiner Recherche hat sich Cochrane auf Studien beschränkt, in denen Aussagen zu Knochenbrüchen gemacht werden. Deutlich mehr Studien gibt es zum Einfluss von Vitamin K auf die Knochendichte. Sie ist aber nur einer von mehreren Risikofaktoren für Knochenbrüche, und lässt keine verlässlichen Schlussfolgerungen zu. Deshalb blieben solche Untersuchungen unberücksichtigt.

Zum Thema Knochenbrüche konnte nur eine große systematische Übersichtsarbeit identifiziert werden, die nach Ansicht der Experten dann auch den aktuellen Stand der Wissenschaft darstellt. 

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Viele ältere Frauen 

Das Forschungsteam von Cochrane fand insgesamt elf Studien mit rund 8400 Teilnehmenden identifiziert: Ausschließlich ältere Frauen nach den Wechseljahren – also eine große und wichtige Risikogruppe für osteoporosebedingte Knochenbrüche.

Allerdings ist unklar, wie gut sich die Studienergebnisse auf andere Osteoporose-Risikogruppen übertragen lassen: Etwa ältere Männer oder Menschen, die über einen längeren Zeitraum höhere Dosierungen Cortison einnehmen müssen. In mehr als der Hälfte der Studie hatten die Teilnehmerinnen Osteoporose oder eine verringerte Knochendichte. An den anderen waren knochengesunde Teilnehmerinnen beteiligt. 

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Unterschiedliche Arznei-Mittel 

In den meisten Studien wurde ein Mittel mit Menachinon-4 (MK-4) untersucht, das ist eine spezielle Form von Vitamin K2. Die Tagesdosis lag in diesen Studien bei 45 Milligramm.

Die Teilnehmerinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhielt ein Vitamin-K-Präparat, meist zusätzlich zu einer Basistherapie. Die andere Gruppe bekam entweder ein Placebo (Scheinmittel) oder nur die Basistherapie allein. Die Basistherapie war in den Studien sehr unterschiedlich: Oft waren Vitamin D und/oder Calcium dabei. In drei Studien erhielten die Teilnehmerinnen in beiden Gruppen ein Bisphosphonat, also ein Standard-Arzneimittel bei Osteoporose. 

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Teils erhebliche Mängel 

Das Autorenteam der systematischen Übersichtsarbeit stellte bei rund der Hälfte der Einzelstudien Qualitätsmängel fest. So fehlten etwa in der Auswertung Daten von Teilnehmerinnen oder Details zum genauen Vorgehen.

„Und interessanterweise zeigte sich auch ein Zusammenhang zwischen der Qualität der Studien und den Ergebnissen:

  • Für alle untersuchten Fragestellungen schnitt Vitamin K in den Studien mit schlechter Qualität besser ab.
  • Berücksichtigt man nur die Studien von guter Qualität, schützt Vitamin K weder vor Brüchen in der Wirbelsäule noch vor Knochenbrüchen in anderen Körperregionen.“

 

medizin-transparent / Mag. Christian Boukal

November 2020


Bild: shutterstock



Zuletzt aktualisiert am 13. November 2020