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Junge sitzt vor einem riesen Burger

Zu leicht, zu dünn – Ungewolltes Untergewicht

Sporteinheiten, Diäten und Kalorienzählen: Für einen schlanken Körper ist vielen Menschen kein Weg zu steinig. Es wird verzichtet, gewogen und geschwitzt – doch viele schaffen es nicht, ihr Idealgewicht zu erreichen. Die Zahl derer, die ihre überflüssigen Kilos loswerden möchten ist groß und eine bekannte Tatsache. Doch gibt es auch viele Menschen, die ungewollt zu dünn und untergewichtig sind. Normalgewicht zu erlangen ist auch für Untergewichtige oft ein Problem. 

Über Untergewichtige wird nur selten gesprochen. Und falls doch, werden sie mit oft haltlosen Vorurteilen konfrontiert. „Untergewicht kann alle mögliche Ursachen haben, man dichtet Betroffenen aber oft vorschnell eine Essstörung an. Genauso wenig, wie man Übergewichtigen ihr Gewicht vorwerfen sollte, sollte man Untergewichtige auffordern, einfach mehr zu essen, denn solche Ratschläge sind durchaus verletzend, da man damit auch aussagt, dass man nicht in Ordnung ist“, sagt Mag. Birgit Barilits, Diätologin in Wien. 

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Definition von Untergewicht 

Untergewicht wird definiert durch einen Body-Mass-Index (BMI) von unter 18,5. Bei einem BMI von unter 17,5 spricht man von Anorexie, die in einer psychisch bedingten Essstörung besteht, aber auch organische Ursachen haben kann. Der BMI berechnet sich wie folgt: Körpergewicht dividiert durch Körpergröße zum Quadrat.

Mäßiges Untergewicht ist nicht automatisch gesundheitsschädlich. Alleine den BMI als Messinstrument einzusetzen, ist wenig aussagekräftig. Entscheidend ist das Essverhalten, die Körperzusammensetzung (Knochen, Muskelmasse, Fettanteil) und wie es der Person geht: Ist sie gesund und fit, fühlt sie sich gut, hat sie Energie, oder fühlt sie sich antriebslos, schlecht gelaunt, ständig müde und kraftlos? Leidet das Immunsystem?

Wichtig ist auch, wie hoch der Muskelanteil am Körper ist. Hat man noch ausreichend Muskeln oder sind diese schon weitgehend verschwunden? „Sind wenig Muskeln vorhanden, sollte man seiner Gesundheit zuliebe aktiv werden und Gewicht zulegen, wenn möglich weitgehend in Form von Muskelmasse“, sagt die Diätologin. 

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Mangelernährung möglich 

Bei Untergewicht sollte man das Vorliegen einer etwaigen Mangelernährung abklären. Diese muss zwar nicht zwingend vorliegen, doch die Wahrscheinlichkeit dafür ist groß. „Hat man wenig Energie und ist man anfällig für Infekte, sollte man abklären lassen, ob man genügend Proteine, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zu sich nimmt“, rät Barilits. 

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Kann Untergewicht gefährlich sein? 

Normalgewicht bedeutet, dass der Körper über eine gewisse Energiereserve (Fettdepots) verfügt. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn man krank wird. Bei Krankheit nimmt man nur wenig Kalorien (Energie) zu sich und verliert tendenziell an Gewicht. Bei schwerer oder langer Krankheit kann es zu Problemen führen, wenn der Körper keine Reserven angelegt hat.

Normalgewicht und eine gewisse Muskelmasse bedeuten demnach eine gewisse Gesundheitsvorsorge, eine Tatsache, die speziell für ältere Menschen gilt, da Menschen im Alter oft deutlich an Gewicht und Muskeln verlieren. Ohne Muskeln verfällt der Körper rascher, man wird immobil, verletzungsanfällig und auch das Osteoporoserisiko steigt. 

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Vielfältige Ursachen 

Die möglichen Ursachen und Gründe für Untergewicht sind vielfältig:

  • Sind beide Eltern schlank, ist auch der Nachwuchs in vielen Fällen schlank. Das kann an den Erbanlagen liegen und/oder an der Lebensweise (Ernährung/Sport) in der Familie.
  • Essstörung: Liegt eine Essstörung wie beispielsweise Anorexie vor, sollte man diese ärztlich abklären und therapieren.
  • Stress: Großer Stress führt bei manchen Menschen zur Gewichtsabnahme, weil man sich keine Zeit zum Essen nimmt und der Appetit nachlässt.
  • Hohes Alter: Viele Senioren sind untergewichtig. Gründe dafür sind Appetitlosigkeit, Probleme beim Kauen und Schlucken, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Einsamkeit.
  • Falsche Selbsteinschätzung: Untergewichtige nehmen oft weniger Kalorien zu sich, als sie denken. Entweder haben sie (und der Magen) sich an kleine Portionsgrößen gewöhnt, oder sie ernähren sich hauptsächlich von kalorienarmen Lebensmitteln (sie essen zum Beispiel viel Gemüse und vermeiden Fett und Dickmacher aller Art). „Solche Menschen meinen oft fälschlicherweise, sehr viel zu essen. Wenn man sich aber objektiv ansieht, was sie wirklich zu sich nehmen, sind das unzureichende Mahlzeiten“, sagt Barilits. 
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Organische Ursachen 

Viele dünne Menschen sind völlig gesund, fit und fühlen sich wohl. Nur weil jemand dünner und leichter ist als die Norm, bedeutet das keinesfalls automatisch, dass gesundheitlich etwas nicht stimmt.

Untergewicht kann aber ein Hinweis darauf sein, dass der Körper an einer Krankheit leidet. Möglich sind etwa

  • Darmerkrankungen wie Zöliakie (bei einer nicht therapierten Zöliakie wird der Darm stark geschädigt und ist nicht in der Lage, ausreichend Nährstoffe aufzunehmen und zu verwerten, woraus Untergewicht resultieren kann)
  • massive Unverträglichkeiten hinsichtlich vieler Nahrungsmittel
  • Verdauungsschwäche
  • Schilddrüsenerkrankung
  • Krebs
  • chronische Schmerzen. 
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Ernährung ändern 

Möchte ein Untergewichtiger zunehmen, muss er seine Essgewohnheiten ändern. „Wer sich etwa hauptsächlich von Gemüse ernährt, wird durch eine Vergrößerung der Portionen kaum Gewicht zulegen, sondern er muss seine Ernährung umstellen. Eine Gewichtszunahme gelingt auch nicht von einem Tag zum nächsten, sie braucht ihre Zeit. Vor allem der Aufbau von Muskelmasse ist eine langfristige Angelegenheit und dauert länger als das Anlegen von Fett“, sagt Barilits.

Wichtig ist eine „gesunde“ Gewichtszunahme. Das bedeutet, dass vor allem die Muskelmasse steigen soll und man nicht kiloweise Bauchfett ansetzt. Fastfood, Chips und Schokolade führen zwar möglicherweise zu einer Gewichtszunahme, jedoch zu keiner Muskelsteigerung. Am besten gelingt eine Zunahme meist mit einer ausgewogenen Mischkost. Diese beinhaltet alle Lebensmittel: Gemüse, Obst, Milchprodukte, Vollkornprodukte, Fisch, Fleisch, Öl und Fett und auch Süßigkeiten – kein Lebensmittel ist verboten; freilich sollte der Schwerpunkt auf gesunden Lebensmitteln liegen. Mischkost stellte eine Ernährungsform dar, die alle lebensnotwendigen Nährstoffe (Eiweiße, Kohlenhydrate, Fette, Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe) in einem ausgewogenen Verhältnis enthält. 

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Tipps zum Zunehmen

  • Kalorienreiche Lebensmittel nicht meiden.
  • Regelmäßig essen und auch Zwischenmahlzeiten einnehmen, die sowohl Proteine als auch Kohlenhydrate beinhalten. Fünf bis sechs Mahlzeiten pro Tag sind ideal.
  • Snacks essen, wie etwa Nüsse, Obst, Trockenfrüchte, Studentenfutter, Frucht- und Nussschnitten, kombiniert mit zum Beispiel Joghurt.
  • Kein Dinner Cancelling betreiben, stattdessen eventuell sogar eine Spätmahlzeit einnehmen.
  • Mahlzeiten und Snacks mit Olivenöl anreichern.
  • Kakao und Süßspeisen mit Schlagobers anreichern.
  • Suppen und Saucen mit Sahne binden.
  • Hochkalorische Trinknahrung („Astronautennahrung“): Diese kommt vor allem bei betagten Menschen zu Einsatz, kann aber auch bei jüngeren Personen mit einer Magen-Darmstörung konsumiert werden.
  • Eiweißdrinks, wie sie bei Kraftsportlern üblich sind (zusätzlich zum Muskeltraining).
  • Light-Produkte meiden.
  • Ein- bis zweimal Mal pro Woche fetthaltigen Fisch (Lachs, Tunfisch, Makrele, Hering oder Ölsardinen) essen.
  • Salate mit Öl, Nüssen, Saaten oder Käse anreichern.
  • Und abseits der Nahrungsaufnahme: Krafttraining fördert den Muskelaufbau – und steigert das Gewicht.

 

Dr. Thomas Hartl
April 2021


Bild: Africa Studio/shutterstock.com



Zuletzt aktualisiert am 26. April 2021