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Mann liegt auf der Couch Glas Wein

Vorhofflimmern: Bereits ein Glas Alkohol am Tag erhöht das Risiko

Seit Beginn der Corona-Pandemie greifen Menschen öfter zur Flasche als zuvor. Ein gefährlicher Trend: Dass schon geringe Mengen Alkohol Herzrhythmusstörungen auslösen können, berichten Dr. Dora Csengeri vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und ihre Kollegen jetzt im European Heart Journal. Sie haben Daten von mehr als 100.000 Menschen ohne früheres Vorhofflimmern (AF) ausgewertet, berichtet die deutsche Ausgabe der Medizinplattform medscape.com. 

„Dass übermäßiger Alkoholkonsum dem Herzen schadet, ist zwar längst bekannt“, sagt Prof. Dr. Andreas Götte, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. „Mit der neuen Studie müssen wir erkennen, dass auch kleine Mengen Alkohol das Flimmern auslösen können.“ Dies sei schon bei einem kleinen Glas Wein oder Bier am Tag möglich. 

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Alkohol gegen den Pandemie-Frust 

Das Thema ist nicht ohne Brisanz: Während der Pandemie hat der Alkoholkonsum deutlich zugenommen, so medscape.com. Bei der internationalen Studie Global Drug Survey mit 58.811 Teilnehmern gaben 43 Prozent der Befragten an, häufiger zu trinken, und 36 Prozent konsumierten mehr alkoholhaltige Getränke als zuvor. Als Gründe nennen die Befragten:

  • mehr Zeit zu haben (42%),
  • aufgrund von Langeweile zur Flasche zu greifen (41%) oder
  • öfter mit dem Partner gemeinsam zu konsumieren (37%). 
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Ethanol – Ein bekannter Risikofaktor für Vorhofflimmern 

Wer viel Alkohol konsumiert, muss mit Folgen auf das Herz-Kreislauf-System rechnen. So steht der Herzrhythmus unter dem Einfluss des vegetativen Nervensystems, das gestört wird, vor allem wenn viel Alkohol in kurzer Zeit getrunken wird. Elektrolytstörungen und Veränderungen des Säure-Basen-Gleichgewichts kommen als mögliche Auslöser von Arrhythmien hinzu. Chronischer Alkoholkonsum korreliert wiederum mit Veränderungen der Herzstruktur und -funktion einschließlich Kardiomyopathien.

Gleichzeitig führen ethanolhaltige Getränke langfristig oft zu Übergewicht und zu arterieller Hochdruck als weiteren Risikofaktoren für Herzrhythmusstörungen.

Doch die große Frage war lange Zeit: Wie wirkt sich niedriger Alkoholkonsum auf Vorhofflimmern aus? Dazu gab es bislang recht widersprüchliche Angaben. 

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Studie mit mehr als 100.000 Probanden 

Neue Erkenntnisse kommen aus fünf Gruppe mit insgesamt 107.845 Proband:innen. Den Autoren standen auch Informationen über den Body-Mass-Index (BMI), über Blutdruckwerte, Diabetes, Gesamtcholesterin, aktuelles Rauchverhalten, blutdrucksenkende Medikamente, Herzinfarkte oder Schlaganfälle in der Vorgeschichte, über den Beschäftigungsstatus, das Bildungsniveau und gewohnheitsmäßigen Alkoholkonsum zur Verfügung. Das mittlere Alter der Personen betrug 47,8 Jahre, knapp die Hälfte der Teilnehmer waren Männer. Teilnehmer:innen mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern in der Vorgeschichte wurden ausgeschlossen.

Der durchschnittliche Alkoholkonsum wurde in Gramm pro Tag erfasst. Für ihre Berechnungen nahmen die Forscher an, dass 120 ml Wein, 330 ml Bier oder 40 ml Spirituosen jeweils 12 g Ethanol enthielten.

Csengeri und ihre Kollegen bildeten mehrere Gruppen:

  • frühere Trinker,
  • Personen, die niemals Alkohol konsumiert haben (Referenzgruppe),
  • gelegentlicher Trinker (<1 g/Tag),
  • Konsum von 1–12 g / Tag (<1 Getränk/Tag),
  • Konsum von 12,1–24 g / Tag (>1 Getränk/Tag),
  • Konsum von 24,1 –48 g / Tag (2-4 Getränke/Tag),
  • Konsum von mehr als 48 g/Tag (>4 Getränke/Tag).

 

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Bereits geringe Mengen Alkohol sind mit Vorhofflimmern assoziiert 

Der gemittelte Alkoholkonsum betrug 3 g/Tag. 5.854 Personen entwickelten innerhalb der Nachbeobachtungszeit von 13,9 Jahren Vorhofflimmern.

Laut statischem Analyseverfahren (Regressionsanalyse) war der Alkoholkonsum positiv mit dem Auftreten von Vorhofflimmern assoziiert. Die Assoziationen waren bei allen Arten von Alkohol ähnlich.

Alle Ergebnisse im Überblick finden Sie auf der Seite von medscape.com.

„Es gibt bereits einen signifikanten Zusammenhang zwischen geringem Alkoholkonsum und einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern“, fasst Csengeri zusammen. „In Bezug auf Vorhofflimmern muss man vom regelmäßigen Konsum selbst kleiner Mengen abraten.“

 

Der gesamte Artikel wurde am 13. April 2021 auf Medscape Deutschland veröffentlicht und ist (nach kostenloser Registrierung) in voller Länge hier abrufbar.

 

medscape.com / Mag. Christian Boukal
September 2021


Bild: PABLO ADRAD/shutterstock.com




Zuletzt aktualisiert am 03. September 2021