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Diabetes-Vorsorge und -Früherkennung: HbA1c-Screening

Diabetes-Vorsorge und -Früherkennung: HbA1c-Screening

Eine zentrale und langjährige Forderung der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG) wurde erfüllt, berichtet die Gesellschaft in einer Aussendung. Die Bestimmung des Langzeit-Zuckerwertes HbA1c wird von der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) österreichweit im gesamten niedergelassenen Bereich unabhängig von der Vorsorgeuntersuchung erstattet. 

Dadurch kann Diabetes frühzeitig erkannt und behandelt werden. Gleichzeitig können Patient:innen mit Prädiabetes, der Vorstufe des Typ-2-Diabetes, identifiziert werden. Sie können durch gezielte Lebensstilmaßnahmen das Diabetesrisiko senken und die weiteren Risikofaktoren für Gefäßereignisse aggressiver therapieren, so die ÖDG.

„Für alle Menschen mit einem Diabetes-Risiko und für uns Diabetologinnen ist die Erstattung der Blutuntersuchung eine äußerst erfreuliche Nachricht “, betont Univ. Prof.in Dr.in Susanne Kaser, Stv. Direktorin der Universitätsklinik für Innere Medizin I der Medizinischen Universität Innsbruck und Präsidentin der ÖDG. „Durch die Kostenübernahme des HbA1c Wertes ist es nun möglich, bei allen Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko ein effizientes Screening durchzuführen. Eine frühe Diagnose ist deswegen so wichtig, weil Typ-2-Diabetes über lange Zeit keine Symptome macht, dennoch aber zu schwerwiegenden Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenversagen, Erblindung oder Nervenschädigungen führen kann.“ 

„Die Behandlung der Volkskrankheit Diabetes ist ein wesentliches Thema und es ist für die Österreichische Gesundheitskasse ein großes Anliegen, das Bewusstsein für Diabetes in der Bevölkerung zu stärken“, sagt Mag. Martin Schaffenrath, Verwaltungsrat der ÖGK. 

Dr. Andreas Krauter, Chefarzt der ÖGK, fügt hinzu, dass es gerade in der Zeit der CoViD-Pandemie wichtig ist, auf einen gesunden Stoffwechsel zu achten. „Wenn Diabetes mellitus oder Prädiabetes – eine Vorstufe des Typ-2-Diabetes – nicht erkannt, oder schlecht eingestellt ist, bestehe ein hohes Risiko für die Betroffenen, im Fall einer CoViD-Infektion, einen schweren Krankheitsverlauf zu erleiden. Daher ist ein rechtzeitiges Erkennen von Diabetes entscheidend.“ 

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HbA1c-Wert? 

„Der HbA1c-Wert gibt Auskunft über den durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der davorliegenden 6 bis 8 Wochen und stellt somit nicht nur eine Momentaufnahme wie die Blutzuckerbestimmung dar, sondern zeigt an, wenn über einen längeren Zeitraum erhöhte Blutzuckerwerte vorliegen, was entscheidend für die Früherkennung des Diabetes aber auch des Prädiabetes ist. Jetzt ist es wichtig, dass alle niedergelassenen Ärzt:innen dieses Screeningtool nützen. Wir rechnen damit, dass wir so die Diabetes-Dunkelziffer deutlich reduzieren können, derzeit gehen wir davon aus, dass jeder oder jede vierte Betroffene nichts von der Diabetes Erkrankung weiß.“, erklärt Univ. Prof. Dr. Harald Sourij, stv. Abteilungsleiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie an der Medizinischen Universität Graz und Erster Sekretär der ÖDG. 

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Wann der HbA1c-Wert bestimmt werden sollte 

Ab dem 45. Lebensjahr empfiehlt die ÖDG bei allen Menschen ein Diabetes Screening, insbesondere bei Übergewichtigen und Adipösen.

Bereits vor dem 45. Lebensjahr sollte bei Vorliegen folgender Risikokonstellation eine Screeninguntersuchung mittels HbA1c erfolgen:

  • Wenn erstgradig Verwandte (Eltern, Geschwister) an Diabetes erkrankt sind
  • Übergewicht
  • Vorliegen eines metabolischen Syndroms
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen, vor allem bei einem niedrigem HDL-Wert
  • Wenn eine Fettlebererkrankung diagnostiziert wurde
  • Wenn Frauen bereits einen Schwangerschaftsdiabetes hatten
  • Vorliegen eines polyzystischen Ovarialsyndroms 
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Warum ist Prädiabetes gefährlich? 

Eine frühe Diagnose ist wichtig, um die Entstehung eines Typ 2 Diabetes zu verhindern oder hinauszuzögern. Das Risiko innerhalb der nächsten Jahre an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken ist sehr hoch. Außerdem liegen häufig auch noch andere Erkrankungen vor, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Dazu zählen erhöhter Blutdruck, Übergewicht und Fettstoffwechselstörungen. Insgesamt ist das Risiko für Gefäß-, Nerven- und Augenerkrankungen bereits bei Prädiabetes im Vergleich zu Zuckerstoffwechselgesunden erhöht. 

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Was kann man gegen Prädiabetes tun? 

Mit einigen klaren Lebensstilmaßnahmen (regelmäßige Bewegung, gesunde Ernährung, Gewichtsreduktion und Rauchstopp) kann das Risiko eines manifesten Diabetes bei Prädiabetes gesenkt werden. Eine anschauliche Erklärung der notwendigen Lebensstilmaßnahmen bietet der neue Informationsbogen Prädiabetes der ÖDG, der online zum Download (590.9 KB) zur Verfügung steht und in der rechten Leiste dieser Seite zu finden ist.

 

ÖDG / Mag. Christian Boukal
Dezember 2021


Bild: Jarun Ontakrai/shutterstock.com


Zuletzt aktualisiert am 30. Dezember 2021