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Fibromyalgie: Einfluss der Ernährung

Fibromyalgie: Einfluss der Ernährung

Fibromyalgie ist eine Erkrankung, die großen Leidensdruck erzeugt. Ihre Ursachen sind nach wie vor unzureichend geklärt. Dementsprechend gibt es keine befriedigende medizinische Therapie und so werden nur die Symptome behandelt. Eine gezielte Ernährungstherapie ist zwar noch nicht Standard, sie wird jedoch immer häufiger in ärztliche Behandlungskonzepte miteinbezogen.

 

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Beschwerden und Auswirkungen 

Fibromyalgie ist geprägt von chronischen Schmerzen und Erschöpfung (Fatigue). Die Schmerzen treten in mehreren Körperregionen auf und betreffen vor allem Muskulatur und Bindegewebe. Die Erschöpfungszustände werden häufig als bleierne Müdigkeit bezeichnet.

Weitere mögliche Begleitsymptome: Schlafstörungen, vegetative Beschwerden, Kopfschmerzen, Migräne beziehungsweise atypische Gesichtsschmerzen, Beschwerden im Magen-Darm-Trakt. Die Beschwerden können phasenweise und in unterschiedlicher Stärke auftreten, beeinflusst beispielsweise durch emotionelle Belastungen, Stress und Schlafmangel.

Zusätzlich entwickelt sich im Laufe der Erkrankung häufig eine generelle Schmerzüberempfindlichkeit. Auch psychische Probleme wie depressive Zustände und Angststörungen können sich entwickeln. Fibromyalgie an sich ist jedoch keine psychische Erkrankung – dennoch werden Betroffene vom sozialen Umfeld mitunter als Hypochonder oder psychisch krank hingestellt, da die Krankheit oft nicht oder sehr spät diagnostiziert wird. Und das führt dann eben zu depressiven Zuständen. 

Die Erkrankung hat gravierende Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen. Die Kombination von Schmerzen, Erschöpfung, Schlaflosigkeit etc., führt häufig zu Arbeitsunfähigkeit und sozialem Rückzug. Oft lässt sich der Alltag kaum mehr bewältigen, da an manchen Tagen jeder Handgriff eine Überwindung darstellt.


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Breitgefächerte Therapie 

Es existieren keine spezifischen Medikamente. Auch herkömmliche Schmerzmittel und Opiate sind in ihrer Wirkung nicht ausreichend.

Als sinnvoll hat sich eine multimodale Therapie herausgestellt. Da eine einzelne Therapie-Maßnahme selten erfolgreich ist, sollten immer mehrere Punkte in Angriff genommen werden. Zur Verfügung stehen Elemente wie körperliches Training, Entspannungsübungen, Bewegungs- und Ernährungstherapie, Verfahren zur Schmerzbewältigung. Ziel ist es, dass sich die Patienten langfristig selbst helfen können, um ihre Beschwerden in den Griff zu bekommen und eine bessere Lebensqualität zu erreichen.

„Viele Patienten wollen selbst in der Lage sein, etwas zu tun, damit es ihnen besser geht. Die eigene Ernährung ist eine gute Möglichkeit, etwas positiv zu verändern. Die zweite wäre, sich möglichst viel zu bewegen. Am besten sollte man beides machen, auch wenn klar ist, dass gerade Fibromyalgie-Patienten wegen ihrer Schmerzen und Müdigkeit Bewegung oft sehr schwerfällt“, sagt Dr. Martin Pinsger, Leiter des Schmerzkompetenzzentrums Bad Vöslau.

 

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Ernährungstherapie 

Im Rahmen von Fibromyalgie-Therapien ist eine gezielte Ernährungstherapie zwar noch nicht Standard, sie wird doch immer häufiger in ärztliche Behandlungskonzepte miteinbezogen. „Viele Studien belegen den Einfluss von Nahrungsmitteln auf das Schmerzgeschehen. Eine umfassende Schmerztherapie sollte das Thema Ernährung daher als Teil des Konzepts beinhalten. Auch die Patienten selbst experimentieren gerne mit dem Essen. Die Erfahrungen vieler Betroffener bestätigen einen Einfluss der Nahrung auf ihr Befinden“, sagt Pinsger.

 

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Entzündungsprozesse und Schmerzen 

Bei Schmerzerkrankungen wie der Fibromyalgie spielen geringgrade Entzündungsprozesse im Körper eine Rolle. „Schmerzen stehen mit solchen Entzündungen häufig in Verbindung. Da Inhaltsstoffe in Nahrungsmittel das Potential haben, auf diese Prozesse einzuwirken, ist es nicht egal, was man isst. Mit dem, was man täglich an Nahrung zu sich nimmt, kann man Entzündungsprozesse anfachen oder dämpfen“, sagt der Schmerzmediziner.

 

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Empfehlenswerte Nahrungsmittel 

Bei entzündungsbedingten Schmerzen empfiehlt sich eine Ernährung, die vorwiegend auf Pflanzen basiert und fleischarm ist. Bestimmte Nahrungsmittel enthalten große Mengen an antioxidativen Stoffen, die Entzündungsprozessen entgegenwirken können. Empfehlenswert sind generell Gemüse, Obst und Beeren. Im Besonderen wird empfohlen: Brokkoli, Kohl und Kraut, Spinat, Karfiol, Fisolen, Erbsen, Karotten, Kartoffel, Tomaten, Paprika, Chilischoten (Capsaicin betäubt Schmerzen), Avocado, Zwiebel, Knoblauch. Auch Gewürze wie Kurkuma und Ingwer, hochwertige pflanzliche Öle wie Leinöl und kaltgepresstes Olivenöl sollten häufig konsumiert werden. Alle diese Lebensmittel sind voller Mikronährstoffe und gelten als entzündungshemmend. Man sollte auch viel an Omega-3-Fettsäuren zuführen. Sie finden sind in hochwertigem kaltgepresstem Olivenöl, in Leinöl, Hanföl, Walnussöl und fettem Seefisch.

 

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Mediterrane Ernährung 

Auch die sogenannte Mediterrane Kost (auch Mittelmeerdiät genannt), wird von vielen Fachleuten als positive Ernährungsform empfohlen. Sie ist auch für Patient:innen mit Fibromyalgie gut geeignet. Mediterrane Ernährung enthält viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Knoblauch, frische Kräuter. kaltgepresstes Olivenöl und Fisch. Rotes Fleisch und Milchprodukte stehen dagegen seltener auf dem Speiseplan. „Man verwendet viele Tomaten, Knoblauch, Zwiebel und vor allem Gewürze wie Rosmarin Oregano und Thymian, die man in ihrer Wirkung gegen Schmerzen nicht unterschätzen sollte“, sagt Pinsger.

 

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Gaumenfreuden führen zu Körperleiden 

Die landestypischen (heimischen) Gaumenfreuden wie beispielsweise Schnitzel, Torte, Cola und Bier tragen nicht zur Verbesserung von krankheitsbedingten Beschwerden bei. Im Gegenteil: „Vieles von dem, was den meisten schmeckt und daher fast täglich gegessen und getrunken wird, wirkt sich bei Erkrankungen wie Fibromyalgie ungünstig aus. Man sollte entzündungsfördernde Lebensmittel reduzieren oder ganz weglassen. Das betrifft Fastfood, Frittiertes, rotes Fleisch und hochverarbeitete Produkte, die jede Menge Fett, Zucker und Salz enthalten“, empfiehlt Pinsger.

 

Zucker: Hoher Zuckerkonsum feuert Entzündungen und somit Schmerzen an. „Finger weg auch vor Sirup und gezuckerten Säften. Sie verursachen rasche und hohe Insulinspitzen, die nach kurzer Zeit wieder stark abfallen. Man braucht dann sofort wieder Zucker und wird richtiggehend gierig nach immer neuen Zuckerzufuhr“, so der Schmerzmediziner.

Fleisch, Wurst, Weizen, Milch: Rotes Fleisch (vor allem Schweinefleisch) und Wurstprodukte enthalten entzündungsfördernde Substanzen und sollten nicht täglich gegessen werden. Die Portionen möglichst klein halten. Wer auf Fleisch nicht verzichten möchte, kann es wie die sogenannten Flexitarier halten: Diese essen Fleisch nur selten und achten dafür auf eine hohe Qualität.

„Auch Weizen und Kuhmilchprodukte sollte man nur in Maßen essen, da sie chronische niedrigschwellige Entzündungen begünstigen können. Meine Patientinnen und Patienten erzählen häufig, dass ihnen die Reduktion von Fleisch, Zucker, Milch und Weizen hinsichtlich ihrer Fibromyalgie-Beschwerden wirklich geholfen hat.“

 

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Weg mit dem Bauchfett 

Eine Gewichtsreduktion verbessert in vielen Fällen die Beschwerden. Vor allem das viszerale Fett (das Fett der Körpermitte) sollte reduziert werden. Das Fett am Bauch und vor allem um und in den Organen gilt als entzündungsfördernd. Ein Abbau gelingt langfristig am besten, wenn man sich möglichst viel bewegt und seine Ernährungsgewohnheiten umstellt.

„Dabei ist nicht nur das Was, sondern auch das Wie wir essen, von Bedeutung. Wir sollten nicht ständig Kleinigkeiten essen, sondern nur drei Mahlzeiten am Tag, sonst kann der Körper kein Fett abbauen. Ideal ist es, wenn man lange Zeiten gar nichts isst, wie etwa beim Intervallfasten, Hier isst man seine Mahlzeiten nur während eines Acht-Stunden-Intervalls am Tag und die restlichen Stunden gar nichts“, so Pinsger.

 

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Heilsames Fasten 

Auch echtes Heilfasten ist empfehlenswert, da es den Selbstreinigungsprozess der Zellen (Autophagie) anregt. „Durch das Fasten fallen die Entzündungsmarker. Meinen Patientinnen und Patienten empfehle ich, zweimal im Jahr eine Fastenwoche einzulegen. Dabei isst man maximal ein Viertel der üblichen Kalorien, oder man macht ein Saft- oder Suppenfasten. Aber bitte beachten: Besprechen Sie eine geplante Ernährungsumstellung oder eine Fastenkur vorher immer mit einem kundigen Arzt Ihres Vertrauens“, rät der Schmerzmediziner.

 

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Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente 

Fibromyalgie-Patient:innen sollten ausreichend mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt sein. „Man sollte ab und zu ein Blutbild machen lassen, das alle Entzündungsparameter sowie den Stand an Vitaminen & Co zeigt. Vor allem auf Vitamin D sollte man achten, weil durch einen Mangel Entzündungen ausgelöst werden können. Bei einem festgestellten Mangel sollte man mit einer Ärztin oder einem Arzt über eine mögliche Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Omega-3-Fettsäuren und Vitamin- und Mineralstoffpräparate sprechen, denn diese können entzündungshemmende Prozesse unterstützen“, sagt Dr. Pinsger.

 

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Achtung auf Allergien und Unverträglichkeiten 

Lebensmittelallergien und Unverträglichkeiten können Entzündungsreaktionen hervorrufen. Besteht der Verdacht, dass man Laktose, Fruktose, Gluten & Co nicht gut verträgt, sollte man dies von einer Ärztin oder einem Arzt überprüfen lassen. Bestätigt sich der Verdacht, sollte man die betreffenden Lebensmittel zur Gänze vom Speiseplan streichen.

 

Dr. Thomas Hartl
Jänner 2022


Bild: Yuliia Kononenko/shutterstock.com




Zuletzt aktualisiert am 03. Januar 2022