Kompetenz, gebündelt an einem Ort

Gut vorbereitet. Für ihr Gespräch mit Allgemeinmediziner Rafael Pichler hat Silvia die wichtigsten Fragen vorab notiert.

In Primärversorgungseinheiten arbeiten Allgemeinmedizinerinnen und -mediziner mit Gesundheitsberufen unter einem Dach. Wie das funktioniert? Meine Gesundheit hat Patientin Silvia bei ihrem Besuch im Primärversorgungszentrum St. Pölten begleitet.

Erweiterte Öffnungszeiten. Bereits um sieben Uhr früh startet Silvias Tag im PVZ St. Pölten.

Dienstag, sieben Uhr. Im Primärversorgungszentrum (PVZ) St. Pölten herrscht bereits reges Treiben. „Viele nützen wohl die frühen Öffnungszeiten – so wie ich“, so die 60-jährige Silvia, die ihre Termine vorab koordiniert  hat und zwei Tage zuvor bei der Blutabnahme war. Heute will sie Antworten. Denn die Angestellte merkt: Ganz wohl fühlt sie sich nicht mehr in ihrem Körper. Ein paar Kilo zu viel, die Cholesterinwerte erhöht, Bewegung kommt im Alltag kaum vor – und bei der Ernährung fehlt ihr der Überblick. Im PVZ ist sie an der richtigen Stelle, denn hier arbeiten Expertinnen und Experten aus Medizin, Physiotherapie, Psychotherapie und Diätologie unter einem Dach. „Das ist praktisch, so bleiben die Wege kurz, und man erspart sich viel Zeit“, so Silvia.


Individuelle Beratung

Ihr erstes Gespräch an diesem Tag führt Silvia mit Allgemeinmediziner Rafael Pichler. Die wichtigsten Fragen hat sie sich zu Hause notiert. Ihre größte Sorge: „Meine Cholesterinwerte! Ein Wert von 300 ist gefährlich, oder?“ Der praktische Arzt beruhigt: „Heute beachten wir nicht mehr nur einen Wert, sondern das Gesamtbild: familiäre Belastung, Vorerkrankungen und den Lipoprotein(a)-Wert – einen genetisch bestimmten Risikofaktor, der Gefäßverkalkung und Gerinnselbildung begünstigt.“ In Silvias Fall ist dieser Wert beruhigend niedrig – auch von Vorerkrankungen und familiärer Belastung ist sie nicht betroffen. Trotzdem empfiehlt Dr. Pichler, den Cholesterinspiegel zu senken, denn: Cholesterin wird gefährlich, wenn sich Blutfette in den Gefäßen ablagern. Es entstehen Plaques, die Gefäße verengen oder aufreißen können – mit der Folge Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Statine reduzieren dieses Risiko deutlich“, betont Pichler. „Gut“, stimmt Silvia zu. „Ich möchte nämlich alt werden!“ Pichler ergänzt: „Wichtig ist, gesund alt zu werden! Dafür ist Bewegung zentral – besonders Krafttraining“, nennt der Mediziner einen wichtigen Baustein für gesundes Altwerden. Ein weiterer: sich gesund zu ernähren. Mehr dazu erfährt Silvia nur ein paar Türen weiter.

 
Kohlenhydrate, Eiweiß und Gemüse zusammen – so bleibt der Blutzucker stabil und der Heißhunger aus.
— Barbara Emsenhuber, Diätologin
 

Gut geplant. Zwei Tage vorab hat Silvia im PVZ Blut abnehmen lassen. Bei ihrem Arztgespräch sind die Werte bereits da.

Die richtige Mischung macht‘s

Bei Diätologin Barbara Emsenhuber wird schnell klar: Verbote sind fehl am Platz. „Ich arbeite mit einem Ernährungstagebuch. So sehe ich, wie Ihr Alltag aussieht.“ Süßes – Silvias Schwachstelle – bleibt erlaubt: bewusst eingebaut statt nebenbei gegessen. Wichtig sei die Zusammensetzung der Mahlzeiten, so die Expertin, die anhand des ÖGK-Mahlzeitentellers erläutert: „Kohlenhydrate, Eiweiß und Gemüse zusammen – so bleibt der Blutzucker stabil und Heißhunger aus.“ Gerade Eiweiß komme oft zu kurz. Hülsenfrüchte, Milchprodukte oder Fisch können helfen, ebenso Ballaststoffe, die sich positiv auf den Cholesterinspiegel auswirken. Und dass Silvia trotz wenig Essens nicht abnimmt, überrascht Emsenhuber nicht. „Der Körper braucht regelmäßige Energie.“ Gemeinsam definieren sie erste, umsetzbare Schritte: regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten.

 

Gesunde Ernährung. Diätologin Barbara Emsenhuber erklärt Silvia anhand des ÖGK-Mahlzeitentellers, wie sich eine vollwertige Speise zusammensetzt.

 

Krafttraining im Fokus

Beim letzten Termin mit Physiotherapeutin Carina Damberger geht es erneut um Gewohnheiten. „Bewegung ist nicht meine Stärke“, gibt Silvia zu. Doch gerade jetzt sei Muskelkraft entscheidend. „Im Alter bauen wir Muskeln schneller ab. Krafttraining schützt Knochen und beugt Verletzungen vor“, so die Expertin. Silvias größtes Problem: „Ich habe oft Nackenverspannungen und Kopfschmerzen.“ Der Fokus sollte nun auf aktiver Veränderung liegen: Haltung, einfache Übungen, kleine Einheiten im Alltag. „Lieber mehrmals täglich kurz als ein großes, unerreichbares Ziel“, empfiehlt die Physiotherapeutin. Silvia wirkt erleichtert. „Mein erster Besuch im PVZ hat mich überzeugt! Ich habe nun ein Verständnis, wie alles zusammenhängt – und viele Tipps für den Erhalt meiner Gesundheit!“

 
Im Alter bauen wir Muskeln schneller ab. Krafttraining schützt Knochen und beugt Verletzungen vor.
— Carina Damberger, Physiotherapeutin

Kraftakt. Physiotherapeutin Carina Damberger zeigt Silvia kleine Übungen mit großer Wirkung. Tipp: Statt Hanteln ruhig auch  Wasserflaschen verwenden!

 

Primärversorgungseinheiten

Multidisziplinäres Team: Medizin, Therapie und Sozialarbeit unter einem Dach

Was sind Primärversorgungseinheiten (PVE)? Bei Primärversorgungseinheiten (auch: Primärversorgungszentren, PVZ) handelt es sich um moderne Einrichtungen der medizinischen Grundversorgung. Hier arbeitet ein Team aus Medizin mit anderen Gesundheitsberufen wie Physiotherapie, Psychotherapie, Diätologie, Sozialarbeit sowie Care- und Wundmanagement unter einem Dach zusammen.

PVE in Österreich. Derzeit gibt es österreichweit 112 PVE. Je nach Region sind sie entweder als Zentren unter einem Dach organisiert oder als Netzwerk mehrerer Standorte, die eng zusammenarbeiten.

Vorteile. Patientinnen und Patienten profitieren von abgestimmten Behandlungen, kurzen Wegen und erweiterten Öffnungszeiten. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Gesundheitsberufe können gesundheitliche Anliegen ganzheitlich und effizient an einem Ort behandelt werden.


Text Claudia Drees⎪Fotos Stefan Diesner

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