Gut informiert

Wer gute Entscheidungen für seine Gesundheit treffen kann, lebt gesünder und weiß im Krankheitsfall, was zu tun ist. Meine Gesundheit zeigt, worauf es bei Gesundheitskompetenz ankommt und wie Sie gesundes Wissen im Alltag anwenden.

 

UNSERE EXPERTINNEN UND UNSER EXPERTE

 

Eva Pramesberger MA, BSc
ÖGK-Expertin für Gesundheitskompetenz und Public Health, Linz

Dr. Jürgen Soffried, MPH
Experte für Public Health, Institut für Gesundheitsförderung und Prävention, Graz

Anja Mandl, MA
Expertin für Gesundheitskompetenz, Gesundheitsfonds Steiermark, Graz

 
 

Montagmorgen. Anna müsste längst aufstehen – ein voller Arbeitstag wartet auf die 36-jährige Bürokauffrau. Doch dann entdeckt sie ihn: einen schwarzen Punkt am Unterschenkel. Eine Zecke. War die schon gestern nach der Wanderung im Wald da? Und vor allem: Ist das gefährlich? Anna macht, was laut einer Umfrage der Gesundheit Österreich GmbH 89 Prozent der Befragten tun: Sie sucht im Internet nach Antworten. „Zeckenbiss was tun“ tippt sie in die Google-Suchleiste – und erhält unzählige Treffer: Hausmittel, medizinische Ratschläge, Forenbeiträge, Warnungen vor Borreliose und FSME. Manche Seiten beruhigen, andere machen Angst. Doch ist das alles richtig? Und welche Information hilft wirklich weiter?


GUT INFORMIERT ENTSCHEIDEN

Genau hier beginnt Gesundheitskompetenz: die Fähigkeit, gut informierte Entscheidungen für seine Gesundheit treffen zu können. Das beinhaltet, relevante Informationen zu finden, sie zu verstehen, kritisch zu bewerten und im Alltag anzuwenden. Wie das gelingen kann und auf welche Kriterien es ankommt, erklären in MEINE GESUNDHEIT ÖGK-Public-Health-Expertin Eva Pramesberger, Anja Mandl vom Gesundheitsfonds Steiermark und Jürgen Soffried vom Institut für Gesundheitsförderung und Prävention der Österreichischen Sozialversicherung. Sie alle arbeiten auch in der Österreichischen Plattform für Gesundheitskompetenz (ÖPGK) zusammen – mit dem Ziel, Gesundheitskompetenz in Österreich nachhaltig zu stärken. Denn im internationalen Vergleich zeigt sich: Es gibt bei uns noch Aufholbedarf. Viele Menschen tun sich schwer, gut informierte Entscheidungen für die eigene Gesundheit zu treffen. Und die Flut an Informationen, die heute auf allen Kanälen bereitsteht, macht es nicht einfacher.

 
Eine gute Strategie ist, gezielt auf verlässliche Gesundheitsportale zu setzen.
— Eva Pramesberger, Expertin für Gesundheitskompetenz
 

FINDEN

„Viele greifen bei gesundheitlichen Fragen zuerst zu Dr. Google – das ist zur ersten Orientierung durchaus verständlich“, sagt Eva Pramesberger. „Doch Suchmaschinen kennen uns nicht und berücksichtigen keine persönlichen Faktoren wie Alter oder Vorerkrankungen. Dadurch erhält man oft eine breite, teils verwirrende Palette an möglichen Diagnosen. Umso wichtiger ist es, Informationen kritisch zu prüfen.“ Etwa: Wer steht hinter einer Seite? Wie aktuell sind die Inhalte? Werden Informationen verständlich und ausgewogen dargestellt? Auch bei Social-Media-Inhalten oder KI-Anwendungen wie ChatGPT und Co-Pilot gilt: nicht blind vertrauen, sondern Quellen hinterfragen. Eine gute Strategie ist, gezielt auf verlässliche Gesundheitsportale zu setzen. Orientierung bietet etwa die Broschüre „Gut informiert entscheiden“ der Sozialversicherung mit einer Liste vertrauenswürdiger Internetseiten (sozialversicherung.at/informiert). Ein kritischer Blick ist auch bei anderen Quellen gefragt, betont Anja Mandl. „Medienberichte können verkürzt oder zugespitzt sein – daher lohnt es sich, mehrere Quellen zu vergleichen. Genau hinschauen sollte man auch bei Gesundheits-Apps: Neben der inhaltlichen Qualität ist hier auch Datenschutz entscheidend, da persönliche Gesundheitsdaten verarbeitet werden.“ Zur Orientierung bietet der Gesundheitsfonds Steiermark einen eigenen App-Check an (gesund-informiert.at/gesundheits-apps/).

KOMPETENTE HILFE RUND UM DIE UHR

Im Zweifel gilt: professionelle Beratung einholen und sich an wissenschaftlich belegten Empfehlungen orientieren. Als erste Anlaufstelle bietet sich in Österreich die telefonische Gesundheitsberatung 1450 an. Rund um die Uhr geben medizinisch geschulte Fachkräfte unter dieser Nummer Orientierung, schätzen Beschwerden ein und empfehlen nächste Schritte. Oft fällt die Antwort überraschend beruhigend aus: Denn in neun von zehn Fällen kann man sich selbst helfen. So ist es auch bei Anna, die nach der Internetrecherche ebenfalls 1450 gewählt hat – und erfährt: Die Zecke lässt sich einfach mit Pinzette oder Zeckenkarte entfernen, die Stelle sollte desinfiziert und beobachtet werden. Dank ihrer FSME-Impfung ist sie zudem gegen diese gefährliche durch Zecken übertragene Viruserkrankung geschützt.

Verstehen

Auch das Gespräch mit Ärztinnen und Ärzten dient dem Informationsgewinn und ist für viele nach wie vor ein wichtiger Schritt zum Verstehen. Fachbegriffe, Zeitdruck und Unsicherheit auf Patientenseite erschweren jedoch mitunter das Verständnis. Dabei sei klar: „Es gibt eine Bringschuld der Gesundheitsberufe, verständlich zu erklären und sicherzustellen, dass das Gegenüber richtig verstanden hat – und eine Holschuld der Patientinnen und Patienten, nachzufragen, wenn noch etwas unklar ist“, sagt der ausgebildete Allgemeinmediziner Soffried. Gerade Letzteres falle vielen schwer. „Aus Workshops mit Seniorinnen und Senioren weiß ich: Viele haben noch das Bild vom Arzt als Autorität und trauen sich nicht, nachzufragen“, so Soffried. Dabei könne man selbst viel tun: Fragen vorab notieren, Notizen machen oder das Gespräch aufzeichnen, am Ende zusammenfassen, was man verstanden hat, oder eventuell eine Vertrauensperson zum Termin mitnehmen. Gleichzeitig werde auch im System angesetzt: „Wir bieten Gesundheitsberufen Kommunikationstrainings mit Schauspielpatientinnen und -patienten an. Dies ermöglicht, schwierige Gesprächssituationen realitätsnah zu üben und die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten zu verbessern“, so Soffried.

 
Gute Informationen zeigen nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken und Unsicherheiten auf.
— Anja Mandl, Expertin für Gesundheitskompetenz
 

VERSTÄNDLICH FÜR ALLE ZIELGRUPPEN

Doch Verstehen ist nicht nur eine Frage des Gesprächs. „Gesundheitsinformationen müssen so aufbereitet sein, dass sie für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich sind“, betont Anja Mandl. Dazu gehören einfache Sprache, vielseitige Kanäle oder auch ganz praxisnahe Maßnahmen, wie Mandl erläutert: „Der Gesundheitsfonds Steiermark fördert zum Beispiel Angebote für die digitale Gesundheitskompetenz älterer Menschen oder Kurse für Menschen mit Beeinträchtigungen.“ Auch sprachliche Barrieren spielen eine Rolle. „Gerade für Menschen mit anderer Muttersprache braucht es zusätzliche Unterstützung“, sagt Eva Pramesberger. Initiativen für Menschen mit Migrationshintergrund – wie SALUS in Salzburg, die Gesund- informiert-Lots*innen in der Steiermark oder GECOs in Oberösterreich – sowie mehrsprachige Angebote wie auf der Internetplattform www.wobinichrichtig.at helfen, Informationen verständlicher und im Alltag anwendbar zu machen.

Bewerten

Auch Anna war nach den ersten Informationen aus dem Internet unsicher. Genau hier setzt der nächste Schritt an: das Bewerten. „Selbst wenn zwei Menschen dieselben Informationen haben, können sie zu unterschiedlichen gut informierten Entscheidungen kommen“, sagt Jürgen Soffried. Denn neben den Fakten an sich spiele auch eine Rolle, wie diese gewichtet werden. „Deshalb sollten Patientinnen und Patienten mit den Gesundheitsberufen teilen, was für sie wichtig ist. Das unterstützt ein gutes Miteinander“, empfiehlt Soffried.

BEWUSST FÜR SICH ENTSCHEIDEN

Anja Mandl ergänzt: „Bei Gesundheitsthemen gibt es selten einfache Ja-Nein-Antworten. Gute Informationen zeigen nicht nur Vorteile, sondern auch mögliche Risiken und Unsicherheiten auf.“ Gesundheitskompetenz bedeute daher auch, Informationen ausgewogen und deren Qualität kritisch einzuordnen. Das gilt auch für das persönliche Umfeld: „Es ist völlig normal und oft auch hilfreich, sich mit dem Freundes- und Bekanntenkreis über gesundheitliche Themen auszutauschen, aber: Was bei anderen hilft, muss nicht automatisch auch zur eigenen Situation passen“, so Eva Pramesberger. „Deshalb sollten Empfehlungen aus dem Umfeld immer geprüft werden – ebenso die Frage, ob die Informationen aus seriösen Quellen stammen.“

 
Patientinnen und Patienten sollen mit Gesundheitsberufen teilen, was für sie wichtig ist.
— Jürgen Soffried, Experte für Public Health
 

Anwenden

Letztendlich geht es darum, Gesundheitswissen im Alltag umzusetzen. Denn die Fähigkeit, gut informiert zu entscheiden, hilft nicht nur im Krankheitsfall, sondern auch dabei, gesund zu bleiben. Wer gut informiert ist, trifft oft bewusstere Entscheidungen – etwa hinsichtlich Bewegung, Ernährung oder Vorsorge. Genau dabei unterstützt auch diese Ausgabe von MEINE GESUNDHEIT: etwa mit einem Wegweiser durchs Gesundheitssystem, Tipps für das optimale Arztgespräch und praktischen Hinweisen zu wirksamen Hausmitteln bei typischen Sommerbeschwerden. Gleichzeitig braucht es auch Angebote, die dabei helfen, gesunde Entscheidungen im täglichen Leben umzusetzen. Die ÖGK setzt hier gezielt an: mit Broschüren und Informationen, kostenlosen Kursen sowie Programmen, die Gesundheitswissen direkt in den Alltag bringen – angefangen bei Ernährungsberatung und Bewegungsinitiativen über Programme für Rückengesundheit und Sturzprävention bis hin zum Vereinscoaching.

 

App-Check: gesund-informiert.at/gesundheits-apps/

Broschüre „Gut informiert entscheiden“: sozialversicherung.at/informiert

Broschüre „Mein Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt“: sozialversicherung.at/gespraech

Alle weiteren Infos: oegk.at/kompetent

 

Gesunder Start. ÖGK-Programme wie „Richtig essen von Anfang an“ helfen, bereits für die Kleinsten gut informierte Entscheidungen zu treffen.

Richtig essen von Anfang an!

Gesunde Entscheidungen? Sind schon von Beginn an wichtig! Das Programm „Richtig essen von Anfang an“ (REVAN) richtet sich an werdende Eltern sowie Familien mit Babys und Kleinkindern.

Gesunder Start ins Leben. Das ÖGK-Programm „Richtig essen von Anfang an“ (REVAN) beantwortet alle Ernährungsfragen – von der Schwangerschaft bis ins frühe Kindesalter. Ziel ist es, von Beginn an eine gesunde Entwicklung durch ausgewogene Ernährung zu fördern.

Das Angebot reicht von kostenlosen Expertinnen- Workshops und Webinaren bis hin zu Infovideos, Broschüren und praktischen Rezepttipps. Behandelt werden Themen wie Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit, im ersten Lebensjahr sowie für Kinder von ein bis drei Jahren. Die Inhalte sind alltagstauglich aufbereitet und werden laufend ergänzt.

So kommt Ernährungsinformation direkt zu Ihnen nach Hause!

Für Informationen, Termine und Anmeldung einfach online oegk.at/revan eingeben.

 

Stabile Basis. Ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur unterstützt unsere gesamte Gesundheit.

Beckenboden: Basis für eine starke Mitte

Er sorgt für eine aufrechte Haltung, stützt die Harnröhre und hält dem Druck körperlicher Belastung stand: Der Beckenboden ist wichtig für unsere Gesundheit. Mit Angeboten der ÖGK halten Sie Ihren Beckenboden kräftig und gesund.

Regelmäßig trainieren.Der Beckenboden ist unsere Basis für eine gesunde Mitte. Ist die Muskulatur jedoch geschwächt, kann es zu Problemen wie Harnverlust oder Rückenschmerzen kommen. Regelmäßiges Training wirkt dem entgegen und stärkt gezielt unsere Körpermitte.

Mit den kostenlosen Angeboten der ÖGK erhalten Sie praktische Übungen und wertvolle Tipps, um Ihren Beckenboden bewusst wahrzunehmen und nachhaltig zu kräftigen. Besonders empfohlen wird das Training im zunehmenden Alter, rund um die Schwangerschaft sowie bei Beschwerden im Alltag.

Sie wollen sich informieren? Online oegk.at/beckenboden eingeben.

 

Kompetent und gesund im Verein

Vereinscoaching stärkt Vereine langfristig. Im Fokus des Programms: die individuellen Bedürfnisse des Vereins.

Fördert Vereine. Durch seine flexible Gestaltung ist das Vereinscoaching in ganz Österreich einzigartig. Expertinnen und Experten bieten Rufseminare zu verschiedenen Themen an, die individuell auf die Anliegen des jeweiligen Vereins und seiner Mitglieder abgestimmt sind. Ziel der fachlichen Begleitung ist, Wissen rund um Gesundheit zu vermitteln.

Im Mittelpunkt stehen die Themen Bewegung und Ernährung, soziale Fähigkeiten und der Aufbau von Netzwerken. Auch Eltern, Erziehungsberechtigte und Großeltern sind eingeladen, an den kostenlosen Angeboten direkt vor Ort teilzunehmen.

Alle Infos: Online auf oegk.at/vereinscoaching nachsehen

 

Schmerzen ade! Mit dem  ÖGK-Programm  „Beweg dich – gesunder Rücken“ unterstützen Sie Ihre Rückengesundheit.

Beweg dich - Gesunder Rücken

Langes Sitzen und Stehen, die falsche Haltung und Bewegungsmangel führen oft zu Rückenschmerzen. Das muss nicht sein – mit dem kostenlosen Angebot „Beweg dich – gesunder Rücken“ arbeiten Sie gezielt an Ihrer Rückengesundheit!

Starker Rücken. Neben Bewegungseinheiten in der Gruppe steht bei dem Programm vor allem eine langfristige Verhaltensänderung im Mittelpunkt. Welche Bewegungsform passt zu mir? Wie gestalte ich meinen Bewegungsplan, und wie erreiche ich meine Ziele – Expertinnen und Experten beantworten diese Fragen und erarbeiten individuelle Lösungen.

Geeignet ist das Programm für Menschen mit angehenden wie bestehenden Rückenproblemen sowie für Personen mit Risikofaktoren.

Sie wollen mehr wissen? Online oegk.at/ruecken eingeben.

 

BGF-Preise für gesündeste Betriebe

Auszeichnung für Betriebe, die mit außergewöhnlichen Ideen ein gesundes Arbeitsumfeld schaffen.

Der BGF-Preis ist die höchste Auszeichnung der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF). Alle drei Jahre werden damit herausragende Projekte aus dem Kreis der BGF-Gütesiegelbetriebe ausgezeichnet. Jetzt ist es wieder so weit: Aus 2.731 Gütesiegel-Betrieben wurden 36 Betriebe nominiert. Zwölf von ihnen bekommen einen der begehrten Preise. Der BGF-Preis würdigt Betriebe, die Gesundheitsförderung nicht nur umsetzen, sondern mit Überzeugung leben und damit echte Vorbilder sind.

Die ÖGK unterstützt Betriebe jeder Größe dabei, ihr Unternehmen Schritt für Schritt zu einem gesunden, zukunftsfitten Arbeitsplatz zu entwickeln. Betriebliche Gesundheitsförderung ist längst mehr als ein Nice-to-have: Sie steigert die Attraktivität als Arbeitgeber, stärkt die Mitarbeiterbindung und sorgt für mehr Leistungsfähigkeit im Team. Der BGF-Preis zeigt eindrucksvoll, wie Unternehmen Gesundheit erfolgreich integrieren und damit nachhaltig profitieren.

Welche Unternehmen dieses Jahr den renommierten BGF-Preis bekommen, erfahren Sie hier: oegk.at/bgf-preis


Text Claudia Drees

Foto: iStock by GettyImages, privat, Opernfoto Graz Gesundheitsfonds Steiermark / Foto Fischer, Unsplash by GettyImages, ÖGK/Tanzer
Weiter
Weiter

Gut informiert im Internet