Helfen macht stark

 

Freiwilliges Engagement verändert Leben – das der anderen und das eigene. In MEINE GESUNDHEIT beschreiben vier Menschen aus ganz Österreich, wie das Ehrenamt Stärke verleiht.

Die Sirene heult, und kurz darauf rückt ein Team der Freiwilligen Feuerwehr mit Blaulicht aus. Ein Bilderbuch wird aufgeschlagen, und die Spannung steigt. Zwei Menschen, die sich bis vor Kurzem fremd waren, trinken gemeinsam einen Kaffee. Und in einem Pflegeheim hört jemand einfach zu und hält eine Hand. Stärke hat viele Gesichter – oft sind es kleine Gesten, die Großes bewirken. So unterschiedlich diese Momente auch sind: Sie alle entstehen, weil Menschen freiwillig Verantwortung übernehmen und für andere da sind. In Österreich macht das fast jede zweite Person, wie die Zahlen des jüngsten Freiwilligenberichts 2025 belegen: So investieren rund 3,73 Millionen Menschen Woche für Woche Zeit in Arbeit in Vereinen, Organisationen oder für ihre Mitmenschen.

Eine von ihnen ist die Burgenländerin Silke Elisabeth David, die mit der Freiwilligen Feuerwehr ausrückt, wenn Hilfe gebraucht wird. Christine Punz aus Niederösterreich bringt als Vorlesepatin Kinder mit Büchern zum Staunen. Die Tirolerin Judith Schneider schafft Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Fluchterfahrung. Und Thomas Prager schenkt Bewohnerinnen und Bewohnern eines Wiener Pflegeheims Zeit – oft das Wertvollste überhaupt. So unterschiedlich ihre Aufgaben sind, eines verbindet sie: Sie erleben, wie viel Ehrenamt bewirken kann. Es nimmt Ängste, lindert Einsamkeit, weckt Neugier und schafft Vertrauen. Wer sich für andere engagiert, wächst selbst daran – genau darin liegt die Stärke freiwilligen Engagements!

Sie möchten sich selbst freiwillig engagieren? Alle Informationen zu Einsatzmöglichkeiten in ganz Österreich, Freiwilligenzentren und Organisationen finden Sie online unter freiwilligenweb.at.

 

Silke Elisabeth David, 40

Hilft bei der Feuerwehr

Seit zwei Jahren engagiert sich die Burgenländerin bei der Freiwilligen Feuerwehr Großpetersdorf. Wenn Menschen oder Tiere in Not geraten, rückt sie mit ihren Kameradinnen und Kameraden zum Einsatz aus, wann immer es ihre Zeit erlaubt. Die frühere Rettungssanitäterin fand dort nicht nur eine neue Aufgabe, sondern vor allem ein starkes Team: „Man kann ganz schnell auf der anderen Seite sein und selbst in Not geraten“, sagt sie. Deshalb ist es ihr wichtig, für andere da zu sein. Kameradschaft, Zusammenhalt und das gemeinsame Helfen geben ihr das Gefühl, der Gesellschaft etwas Wertvolles zurückzugeben.

 
 

Christine Punz, 69

Hilft als Vorlesepatin

Mit Geschichten begeistert Christine Punz Kinder fürs Lesen. Als Vorlesepatin und ehrenamtliche Bibliothekarin in Mank (Niederösterreich) gestaltet sie jede Lesestunde mit viel Kreativität und Herz. „Vorlesen bedeutet für Kinder, dass man Zeit nur für sie aufwendet“, sagt sie. Genau diese ungeteilte Aufmerksamkeit stärkt Sprache, Fantasie und Selbstvertrauen. Zudem helfen Bücher, schwierige Situationen, Probleme oder Ängste greifbar zu machen. „Wenn Kinder immer wieder kommen, um sich Bücher zu entlehnen, ist das für mich der schönste Lohn“, so die Niederösterreicherin

 

Judith Schneider, 46

Hilft Geflüchteten Menschen

Für die Tirolerin beginnt Integration mit einer Begegnung. Bei „Start with a Friend“ bringt sie Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte und Menschen aus der lokalen Gemeinschaft zusammen.
Bei Wanderungen, Ausflügen, Veranstaltungen oder Kaffeehausbesuchen entwickeln sich oft Freundschaften. „Wenn Menschen einander kennenlernen, entstehen Verständnis und Vertrauen“, sagt Judith Schneider. Gerade in einer Zeit, in der Vorurteile schnell wachsen, setzt sie auf das persönliche Miteinander – und erlebt oft, wie schon eine einzige Begegnung das Leben beider Seiten bereichern kann.

 

Thomas Prager, 54

Hilft im Pflegeheim

Einmal pro Woche schenkt der Wiener Bewohnerinnen und Bewohnern im Haus der Barmherzigkeit „Am Maurer Berg – St. Josef“ in Wien-Liesing Zeit: Er hört zu, spielt Brettspiele oder Karten, liest vor oder begleitet Ausflüge. „Es macht mich glücklich“, sagt er über sein Ehrenamt. Die Dankbarkeit der Menschen, ihre Geschichten und die Gemeinschaft unter den Freiwilligen geben ihm viel zurück. Für Thomas Prager steht fest: „Wer Zeit schenkt, stärkt nicht nur andere, sondern auch sich selbst.“


Fotos: privat
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