Mentale Stärke trainieren

Gelassener durch den Alltag: Psychologe Gernot Schauer erklärt, wie Sie mit sechs praktischen Tipps Ihre mentale Stärke fördern.

Ob im Beruf, in der Familie oder in herausfordernden Lebensphasen – mentale Stärke hilft uns, auch in stressigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Sie bedeutet nicht, Gefühle zu unterdrücken oder immer stark sein zu müssen. Vielmehr geht es darum, Belastungen besser zu bewältigen, die eigenen Ressourcen zu nutzen und nach Rückschlägen wieder Kraft zu schöpfen. Die gute Nachricht: Mentale Stärke lässt sich trainieren – oft schon mit kleinen Veränderungen im Alltag. MMag. Gernot Schauer, Klinischer und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut und Sportwissenschafter, verrät in MEINE GESUNDHEIT sechs einfache, wissenschaftlich fundierte und alltagstaugliche Tipps für mehr seelische Widerstandskraft.

UNSER EXPERTE

 

MMag. Gernot Schauer, Klinischer und Gesundheitspsychologe, Psychotherapeut und Sportwissenschafter, Linz

 
  1. Visualisieren

    „Im Leistungssport gehört Visualisierung zum Mentaltraining“, erläutert Schauer. „Sportprofis spielen Bewegungen vor Wettkämpfen gedanklich durch.“ Nutzen Sie diese Methode im Alltag: Stellen Sie sich vor, wie Sie eine schwierige Situation Schritt für Schritt meistern oder ein wichtiges Gespräch erfolgreich führen. „Unser Gehirn kann solche Vorstellungen ähnlich verarbeiten wie echte Erfahrungen.“

  2. Aktiv werden

    Fragen Sie sich jeden Morgen: „Was ist heute ein kleiner Schritt, der mir guttut?“ „Womit habe ich in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht?“ Das kann auch Ihre Lieblingsmusik sein: Studien des Psychobiologen Urs M. Nater zeigen, dass Musik Stress reduzieren und die Stimmung verbessern kann. Entscheidend ist, aktiv zu werden. „Das richtet den Blick auf das, was mir neue Kraft gibt“, so der Psychologe.

  3. Reden hilft

    Belastungen müssen Sie nicht allein tragen. Sprechen Sie mit Menschen, denen Sie vertrauen – nicht nur über Gedanken und Sorgen, sondern auch über das, was Ihnen jetzt helfen könnte. „Wer auch über Lösungswege spricht, bleibt eher dran“, rät der Experte.

  4. Ballast loslassen

    Wer Sorgen und Gedanken zu Papier bringt, kann Belastungen besser verarbeiten und leichter loslassen. „Machen Sie das am besten zu Ihrem täglichen Ritual und schreiben Sie drauflos – ungefiltert und ohne Perfektionsanspruch“, rät Schauer und ergänzt: „Archivieren Sie das Geschriebene, aber lesen Sie es nicht gleich wieder durch. So können Sie es am besten mental ablegen.“

  5. Ab in die Natur

    Ein Spaziergang im Grünen oder eine kleine Laufrunde an der frischen Luft: Schon 20 Minuten in der Natur können den Stresspegel senken – das zeigte ein Forschungsteam der University of Michigan. Für Psychologe Gernot Schauer ist die Kombination aus Bewegung und Natur besonders wertvoll: „Die Natur kann helfen, Abstand zum Alltag zu schaffen und den Kopf wieder freizubekommen.“

  6. Balance finden

    Wer ständig unter Strom steht, braucht auch einen Ausgleich zum Alltag. Ob Gärtnern, Lesen, ein kreatives Hobby oder ein Treffen mit Freundinnen oder Freunden – wichtig ist, etwas zu finden, das den Kopf auf andere Gedanken bringt. Weniger hilfreich hingegen: Alkohol oder stundenlanges Scrollen auf Social Media. „Das sind keine Strategien, die nachhaltig aus einer Belastung herausführen“, betont Psychologe Gernot Schauer.


Fotos: Unsplash by GettyImages, privat
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